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Armutsfalle Pflegekosten
Aus Tagesschau vom 21.11.2019.
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20'000 Fr. Unterschied im Jahr Rentner in Bern zahlen massiv mehr für Betreuung als anderswo

Betreuung im Alter kostet. Eine Studie zeigt erstmals, wie viel Rentner selber bezahlen. Die Unterschiede sind gross.

  • Erstmals zeigt eine Studie auf, wie viel Rentner für Betreuungs- und Pflegeleistungen aus eigener Tasche bezahlen.
  • Je nach Einkommen, Vermögen und Wohnort sind die Unterschiede enorm.
  • Am meisten bezahlt die Berner Mittelschicht.

Ein Mittelstand-Rentner, der in Bern in seinen eigenen vier Wänden wohnt, zahlt pro Jahr rund 20'000 Franken mehr Betreuungs- und Pflegekosten als ein Rentner in Freiburg. Dies zeigt eine Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).

«Die finanzielle Belastung von Rentnerinnen und Rentner unterscheidet sich massiv je nach Wohnort», so Johanna Leitner von der FHNW. Auffällig sind dabei die Nachbarkantone Bern und Freiburg. Das Modell geht davon aus, dass mittelständische Rentner nach Abzug von Fixkosten wie Miete, Steuern und Krankenkassenprämien noch 40'000 Franken jährlich zur Verfügung haben. Hat ein Freiburger Rentner alle selbstgetragenen Betreuungs- und Pflegekosten bezahlt, bleiben ihm pro Jahr 14'000 Franken übrig.

Wohnt der gleiche Rentner in der Stadt Bern, bleibt ihm nach Abzug der selbstgetragenen Betreuungskosten nichts mehr übrig. Im Gegenteil: Pro Jahr muss er 8'700 Franken von seinem angesparten Vermögen für die Betreuungskosten ausgeben. Bern ist in der Auswertung das Schlusslicht, Freiburg führt die Statistik an.

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Leitner: «Verrechnete Betreuungskosten unterscheiden sich massiv»
Aus News-Clip vom 21.11.2019.
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In das Modell fliessen verschiedene Faktoren mit ein: Zum einen wird die Vermögenssituation der Rentnerinnen und Rentner betrachtet. Daraus entstehen fünf Gruppen, von vermögens- und einkommensschwachen Rentnern bis hin zu vermögenden Rentnern.

Der zweite Faktor ist der Grad der Pflegebedürftigkeit. Der Senior wird einem von neun Typen zugeteilt. Diese beginnen bei Typ 1, kaum betreuungsbedürftig. Das heisst, der Senior wohnt noch zu Hause und braucht Unterstützung bei Tätigkeiten wie etwa beim Einkaufen. Typ neun ist demgegenüber ein voll pflegebedürftiger Senior, der in einem Pflegeheim lebt. Ausserdem zeigt die Studie auf, in welcher Kantonshauptstadt die Senioren wohnen.

System funktioniert – für Einkommensschwache

Das System der sozialen Sicherheit für ältere Menschen in der Schweiz ist komplex. Ergänzungsleistungen, Hilflosenentschädigungen sowie kantonale Beiträge, sogenannten Sozialtransfers, sollen sicherstellen, dass ältere Menschen die Pflege und Betreuung finanzieren können, die sie benötigen. Doch die regionalen Unterschiede sind gross.

Bei Senioren mit wenig Vermögen und tiefem Einkommen funktioniert das System. Die Sozialtransfers decken bei fast allen Kantonshauptstädten die anfallenden Betreuungs- und Pflegekosten. Die Senioren haben Ende Monat noch Geld zur Verfügung.

Je nach Region kostet eine Leistung mehr

Anders sieht es beim Mittelstand aus: Er erhält kaum Sozialtransfers und zahlt daher die Betreuungs- und Pflegekosten zu einem grossen Teil selber. Denn er hat, im Gegensatz zu einkommensschwächeren Senioren, Vermögen, auf das er zurückgreifen kann. Je nachdem wo Senioren wohnen, müssen sie jedoch mehr oder weniger Geld für diese Kosten ausgeben.

Gemäss Johanna Leitner hat dies vor allem mit den unterschiedlichen Leistungsabrechnungen in den Kantonen zu tun. Je nach Kanton werden Leistungen von den Senioren selber getragen, welche in einem anderen Kanton die Krankenkassen decken. Ausserdem können Tarife kommunal festgelegt werden. Betreuungsleistungen können also je nach Region unterschiedlich viel kosten.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Mini-Schweiz - Maxi-Unterschiede! Unübersichtlicher, komplizierter, teurer "Kantönligeist-System-Wirrwarr"! Gerade in den Bereichen: Bildung,- Sozial- und Gesundheits-Wesen, würde sich eine gesamtschweizerische Lösung, in jedem Bereich lohnen, auszahlen, da vereinfachend, fair, transparent, günstiger. Zum Wohl der ganzen Bevölkerung regieren, entscheiden.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Das ist nur der Anfang. Die Kreditkarten- bzw. Negativzinsgeneration wird gerade dazu animiert, zu konsumieren und um nicht zu sparen. Die Gen Z macht sich anscheinend auch nichts vom Geld und Reichtum. Wenn man noch die brandaktuellen Nachrichten über die drastische Senkung der Renten für diese Gen in Betracht zieht, ist doch logisch, dass EL-Bezug eher die Regel sein wird, als die Ausnahme.
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    1. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Ich kann mir vorstellen Frau Fitzi, bei den Herausforderungen, die da auf diese Generation(en) warten, ist es egal, ob da Gespartes ist oder nicht. Wesentlich sinnvoller ist es sich auf zunehmende Autosuffizienz einzuüben. Auf allen möglichn Ebenen, mit lokalen Kreisläufen für den Alltag und grösseren Kreisläufen fürs 'Besondere'. Nämlich all das was nicht auf lokaler Ebene produziert werden kann. Kaum vorstellbar, dass bis nach 2050 alles so brav weiterdümpelt ....
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  • Kommentar von Jos Peperkamp  (Peptalk)
    Die Schweiz steht ja bekannt um ihr Kantönligeist. Kosten wie AHV, Rente, Pflege, Krankenkassen aber auch Verordnungen wie Schulstoff und abschlüsse oder Polizei und strafrecht, sollten endlich mal auf Bundesebene geregelt werden. Zu viel Stadt - Land politik über lebenswichtige Themen. Aber ja, mal einen Entscheid treffen und dazu stehen ist halt schwierig und.... Anscheinend nicht lukrativ genug.
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    1. Antwort von u. Felber  (Keule)
      Das hat nichts mit Kantönligeist zu tun. Das ist gelebte Föderation. Dieser Zentralismus Wahn darf in der CH niemals einziehen! Ein föderatives Gebilde ist die beste Selbstkontrolle eines Landes.
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    2. Antwort von Arthur Meili  (Arthur Meili)
      Zentralismus nein. Aber vielleicht koennten einige Kantone fusionieren, das wuerde sie wahrscheinlich nur staerken.
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    3. Antwort von ely berger  (bärn)
      AHV und Rente hängt von den Einzahlungen ab, und nicht vom Wohnort. Und es ist das Schweizerische Strafgesetzbuch, seit 1937. Krankenkassenprämien hängen vom "Verbrauch" kleinräumiger Orte ab.
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