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Lohnende kriminelle Geschäfte mit dem Konkurs
Aus Info 3 vom 30.01.2020.
abspielen. Laufzeit 12:42 Minuten.
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200 Millionen Schaden pro Jahr So bekämpfen die Behörden die Konkursreiterei

Sogenannte Konkursritter kaufen Firmen, die pleite sind, auf, und pressen sie aus – auf Kosten der Gläubiger, die auf ihren Rechnungen sitzen bleiben. Das belastet auch die öffentliche Hand.

«Mehrfache Anstiftung zu Misswirtschaft»: So lautete die Anklage gegen einen Mann, die heute vor dem Zürcher Obergericht verhandelt wurde. Das Urteil steht noch aus. Der Fall klingt eigentlich unspektakulär. Doch dahinter verbirgt sich ein Delikt, das allein im Kanton Zürich jedes Jahr einen Schaden von 200 Millionen Franken verursacht: die sogenannte «Konkursreiterei».

Dabei geht es um serbelnde Kleinbetriebe, die von Kriminellen in den Konkurs getrieben werden, sodass am Ende unzählige Lieferanten und auch die öffentliche Hand um ihr Geld geprellt werden. Nehmen wir als Beispiel einen Gipserei-Ein-Mann-Betrieb. Die Firma läuft nicht gut, die offenen Rechnungen häufen sich. In dieser Situation wird dem Gipser über einen Vermittler angeboten, er könne gegen eine Gebühr von ein paar Tausend Franken, sein Unternehmen abstossen – an einen sogenannten «Firmenbestatter».

Am Schluss, wenn die Gesellschaft Konkurs ist, bezahlt die Person die Schulden einfach nicht.
Autor: Andrea Jug-HöhenerChefin der Ermittlungsabteilung für Wirtschaftkriminalität, Kantonspolizei Zürich

Dieser benennt die Firma um und verlegt den Sitz in einen anderen Kanton.
Dadurch habe die vorher konkursreife Firma wieder einen leeren Betreibungsregisterauszug, erklärt Andrea Jug-Höhener von der Zürcher Kantonspolizei das Vorgehen: «Der Bestatter kann die Gesellschaft aushöhlen, indem er zum Beispiel noch Kreditkarten beantragt und Telefone und sonstige Waren auf den Namen der Gesellschaft bestellt. Und am Schluss, wenn die Gesellschaft Konkurs ist, bezahlt er diese Schulden einfach nicht.»

128 Firmen in den Konkurs getrieben

Die Leidtragenden sind die Lieferanten, aber auch Steuerbehörden und Sozialversicherungsanstalten – sie sehen ihr Geld in der Regel nicht mehr.

Ende 2016 gründete die Zürcher Kantonspolizei eine Sonderkommission, um Konkursreiterei zu bekämpfen. Sie arbeitet dabei eng mit den Betreibungs-, Konkurs- und Handelsregisterämtern zusammen, um mögliche Firmenbestattungen früh zu erkennen. In den letzten drei Jahren ermittelte sie in gut 2200 Fällen von Konkursmissbrauch. Dabei seien auch einige grosse Fische ins Netz gegangen, so Jug-Höhener: «Der bisher grösste verurteilte Firmenbestatter hatte 128 Firmen in den Konkurs getrieben. Er erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren teilbedingt und ein Tätigkeitsverbot.»

In ganz besonderen Fällen sollte die Person ein Ausübungsverbot bekommen.
Autor: Henrique SchneiderVizedirektor des Schweizerischen Gewerbeverbandes

Das entschiedene Vorgehen zeigt Erfolg. Mittlerweile sind die Fälle von Konkursmissbrauch im Kanton Zürich deutlich zurückgegangen. In anderen Kantonen zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Ausserdem stellte der Bundesrat im Sommer 2019 ein Massnahmenpaket gegen Konkursreiterei vor.

Handelsregister soll Meldung erstatten

Henrique Schneider, Vizedirektor des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV), erhofft sich viel davon: «In Zukunft soll die Person, die den betrügerischen Konkurs gemacht hat, eingetragen werden.»

Das bedeutet, dass die Handelsregisterämter automatisch überprüfen sollen, ob eine solche Person eine neue Firma anmeldet. «In ganz besonderen Fällen sollte die Person sogar ein Ausübungsverbot bekommen» – sprich, sie soll keine neue Firma gründen können, erklärt Schneider. Zwar dürfte sich auch damit die Konkursreiterei wohl nie ganz ausmerzen lassen. Aber die Firmenbestatter sollen es in der Schweiz so schwer wie möglich haben.

Echo der Zeit, 30.01.2020, 18:00 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Mattias Derungs  (Mattias Cristian Derungs)
    Dies ist leider kein Einzelfall, sondern nur die Spitze des Eisbergs. Viele Konkurs- und Betreibungsämter sind angeblich masslos überfordert, diesen Fällen wirklich nachzugehen und solche Geschäftspraktiken rigoros aufzudecken bzw. entsprechend einzuschränken und zu sanktionieren! (dazu gehören auch unzählige dubiose Briefkasten-Firmen z.B. mit Sitz im Kt. Zug)
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  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Am meisten Geld können wir noch immer sparen wenn wir den Wasserkopf an Beamten und Behörden losbekommen. Würde unser Staat effizient arbeiten, bräuchte es nur halb so viele Sesselkleber.
    Dazu kommen die unüberwindbaren Hürden und viel zu hohen Kosten, Abgaben und Gebühren für nichts und wieder nichts.
    Absurde Vorschriften und Verbote erledigen dann den Rest zum Weg zum Konkursamt.
    Wie soll man so in der Schweiz noch ein unabhängiges Geschäft betreiben?
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  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Ich Frage mir warum die Politiker dieser Grundlage die einer Einladung sind zur Kriminalität, ändern? Sind da zu Viele Eigeninteresse? Ist man sogar beteiligt? Welche Vorteilen bringt es die verhinderter?
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