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Corona-Krise: Schweiz zuversichtlich – Fragen zu Corona bleiben
Aus Tagesschau vom 12.06.2020.
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4. Corona-Umfrage der SRG Die Angst vor dem Coronavirus verfliegt

  • Hygienemasken haben einen schweren Stand in der Schweiz: Nur 30 Prozent der Befragten befürworten eine generelle Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr.
  • Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Online-Umfrage der Forschungsstelle Sotomo, die im Auftrag der SRG durchgeführt wurde.
  • Auch die Bereitschaft, die Tracing-App zu installieren, schwindet. Nur noch 54 Prozent sind dazu bereit. Damit die App wirksam ist, müssten sie zwei Drittel der Bevölkerung installieren.

Die Menschen stehen im Bus wieder enger zusammen, Restaurants und Flussufer sind gut bevölkert und bei Demonstrationen vergessen die Teilnehmenden schon mal, den empfohlenen Mindestabstand einzuhalten.

Wer sich in der Schweiz umschaut, hat den Eindruck, dass das Leben das Coronavirus langsam, aber sicher zurückdrängt – zumindest in den Köpfen der Bevölkerung.

So lassen sich auch die Ergebnisse der vierten nationalen Umfrage zur Coronakrise interpretieren, die die Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der SRG am Wochenende vom 6./7. Juni durchgeführt hat. «Die Stimmung in der Bevölkerung ist zum ersten Mal deutlich besser. Es herrscht eine gewisse Aufbruchstimmung», sagt Studienleiter Michael Hermann.

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Michael Hermann: «Es herrscht eine gewisse Aufbruchstimmung»
Aus News-Clip vom 12.06.2020.
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Dabei denken die Befragten immer weniger an eine Erkrankung. In der ersten Umfrage im März war die mögliche Erkrankung an Covid-19 die grösste Sorge von 51 Prozent der Befragten. Mittlerweile sagen das nur noch 31 Prozent – nochmals drei Prozentpunkte weniger als im Mai.

Dass Hygienemasken zum Schutz vor einer Ansteckung in der Schweiz immer unbeliebter werden, passt dazu. Beim Einkaufen befürworteten gesamtschweizerisch im Mai noch 43 Prozent eine Maskenpflicht. Im Juni sind es noch 35 Prozent.

Die Zustimmung hat in allen Landesteilen abgenommen, ist aber in der italienischen Schweiz (57 Prozent) deutlich höher als in der Romandie (37 Prozent) und in der Deutschschweiz (35 Prozent).

Erstmals gefragt wurde, ob eine Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr befürwortet wird. Eine Mehrheit gibt es nicht dafür. 30 Prozent befürworten eine generelle Pflicht, weitere 20 Prozent finden, eine punktuelle Pflicht, etwa während Stosszeiten, wäre sinnvoll.

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Hermann: «Wenn nur wenige eine Maske tragen, ist es für diejenigen unangenehm»
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Das habe erstens mit der Erfahrung zu tun, sagt Michael Hermann: «Nur wenige tragen eine Maske, trotzdem ist es noch nicht zu einer zweiten Welle gekommen. Und wenn es ohne Maske geht, dann wollen die Leute auch keine tragen.»

Zweitens sei es eine Frage der sozialen Normen – nur wenn viele Leute Maske tragen, werde das auch «normal» und weiterhin praktiziert.

Auch die viel diskutierte Tracing-App «SwissCovid», die Begegnungen mit anderen registriert, verliert an Rückhalt. Die Bereitschaft dazu, diese App freiwillig zu installieren, liegt noch bei 54 Prozent – vor einem Monat waren es 60, vor zwei Monaten 65 Prozent.

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Hermann: «Die Tracing-App ist ein Symbol für Überwachung»
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Zum Rückgang beigetragen haben dürften laut Hermann die sinkende wahrgenommene Dringlichkeit sowie die Debatte über Überwachung. Das könnte sich ändern, wenn die Fallzahlen wieder zunehmen.

Allerdings geht nur noch ein Viertel der Befragten von steigenden Fallzahlen in den nächsten Wochen aus. Vor einem Monat waren es noch 50 Prozent.

Mit den Lockerungen sind die Befragten weitgehend zufrieden. 45 Prozent finden Geschwindigkeit und Ausmass der Lockerungen genau richtig. Diejenigen, denen es zu schnell geht (27 Prozent) und diejenigen, denen es zu langsam geht (28 Prozent) halten sich dabei die Waage.

Es gibt jedoch unterschiedliche Wahrnehmungen über das Tempo der Lockerungen: Besonders die Öffnung von Bars und Clubs geht 31 Prozent der Befragten zu schnell. Bei Demonstrationen geht es 30 Prozent zu schnell. Zu langsam passiert die Öffnung für 24 Prozent bei den Läden. 28 Prozent finden, man könnte bei Schulen und Restaurants schneller vorgehen.

Von den möglichen Folgen der Pandemie fürchten die Befragten am stärksten eine Wirtschaftskrise. Am wenigsten befürchten sie einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Kontrovers beurteilt wird die Frage, ob die Pandemie zu einem Verlust der persönlichen Freiheit führt. Für 21 Prozent der Befragten ist das die grösste, für 26 Prozent die geringste Befürchtung.

Datenerhebung und Stichprobenfehler der Umfrage

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Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR von der Forschungsstelle Sotomo durchgeführt und ausgewertet. Die Datenerhebung fand zwischen dem 5. und 8. Juni 2020 online statt. Die Rekrutierung der Befragten fand einerseits über die Webportale der SRG SSR in allen Landesteilen, andererseits via Online-Panel von Sotomo statt. Die Grundgesamtheit der Befragung bildet die sprachlich integrierte Wohnbevölkerung der Schweiz ab 15 Jahren.

Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 31‘011 Personen für die Auswertung verwendet werden. (Deutschschweiz: 24‘197, Romandie: 5827, italienische Schweiz: 987).

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ. So nehmen typischerweise mehr Männer als Frauen an Online-Umfragen teil.

Deshalb hat Sotomo die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wird mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt.

Neben räumlichen (Wohnort) und soziodemographischen (Alter, Geschlecht, Bildung) Gewichtungskriterien werden dabei auch politische Gewichtungskriterien beigezogen (Parteipräferenz). Durch die Gewichtung wird eine hohe Repräsentativität für die aktive Stimmbevölkerung erzielt.

Der Stichprobenfehler, wie er für Zufallsstichproben berechnet wird, lässt sich nicht direkt auf politisch gewichtete Opt-in-Umfragen übertragen. Die Repräsentativität dieser Befragung ist laut Sotomo jedoch vergleichbar einer Zufallsstichprobe mit einem Strichprobenfehler von +/-1.1 Prozentpunkten. Bei einem Befragungsergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 48.9 und 51.1 Prozent.

SRF 4 News, 12.06.2020, 17:00 Uhr

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73 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Charpilloz  (Skeptiker)
    Selvstverantwortung ist eine Illusion. Sie funktioniert weder bei der Wirtschaft noch bei Privaten.
    Und war es nicht Daniel Koch vom BAG, der (im Auftrag des Bundesrates?) gesagt hat, Masken würden nichts nützen?
    Solange das Tragen von Masken nicht obligatorisch ist, muss ich wohl davon ausgehen, dass er Recht hatte. Also wieso eine Maske tragen?
    Der Bundesrat soll endlich seinen Job machen und die Masken dort wo es nötig ist (also z.B. im ÖV) für obligatorisch erklären.
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  • Kommentar von Michel Ebinger  (Michel Ebinger)
    Wenigstens bleibt das Volk vernünftig und es wäre endlich an der Zeit, das es die Politiker auch würden. Hebt alle Massnahmen endlich auf
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  • Kommentar von Andreas Hug  (AndiHug)
    angst hatte ich noch nie vor diesem Virus. auch wenn man versucht hat allen angst einzureden. ich fand das man überreagiert. schon lange sind die zahlen sehr sehr niedrig und dennoch geht das leben nur zum teil weiter. ich bin froh, wenn die menschen wieder rationell denken und nicht von der angst geleitet wird. meiner meinung nach, sollte auch der sport und konzerte wieder mit publikum stattfinden. wenn nicht jetzt wann dann?
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    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Das Problem ist, wenn nicht dieses, warum nächstes oder sogar übernächstes Jahr. Wir müssen damit rechnen, dass kein Impfstoff gefunden wird. Möglicherweise degeneriert das Virus, aber auch das ist vermutlich sehr ungewiss, und aushungern lässt es sich ziemlich sicher nicht. Uns weiterhin ,auf Sicht' fahren zu lassen (wobei ich, ohne böse Absichten zu unterstellen, zu bezweifeln wage, dass die Behörden dies tun), finde ich alles Andere als optimal.
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