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Legende: Audio Braucht es den Sonntagsblick noch? abspielen. Laufzeit 06:31 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 22.03.2019.
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50 Jahre «Sonntagsblick» «Guter Boulevard ist eine Kunst»

Der frühere Chefredaktor Fibo Deutsch blickt kritisch auf die Anfänge des ersten nationalen Sonntagsblatts zurück.

Es war 23. März 1969, als an den Schweizer Kiosken erstmals überhaupt eine Schweizer Sonntagszeitung auflag. Der «Sonntagsblick» aus dem Hause Ringier. Der damalige Chefredaktor Hans Jürg «Fibo» Deutsch erinnert sich, wie der damalige Frontaufmacher zustande kam.

Fibo Deutsch

Fibo Deutsch

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Hans Jürg «Fibo» Deutsch (78) war der erste Chefredaktor des Sonntagsblicks. Er ist noch heute offiziell als Berater bei Ringier tätig und schreibt regelmässig für die Ringier-Medien.

SRF News: 50 Jahre – bei Menschen ist das oft die Midlife-Crisis. Steckt der «Sonntagsblick» schon mittendrin?

Fibo Deutsch: Nein. Der «Sonntagsblick» hat verschiedene Phasen durchgemacht. Er hat sich immer wieder wie eine Schlange gehäutet und ist in neuer Frische und mit neuem Aussehen und Kraft aus der alten Haut hervorgegangen.

Die Sonntagspresse hat es in der Schweiz zunehmend schwerer. Warum?

Das Bedürfnis nach Information kann heute schnell durch das Internet gestillt werden. Vor 50 Jahren gab es das nicht. Es war einer der Gründe, warum man den Sonntagsblick gründete. Heute wird Information pausenlos auf vielen Kanälen geliefert.

Braucht es die Sonntagspresse überhaupt noch?

Es ist die grosse Herausforderung für die Verlage, ein Produkt zu entwickeln, das sich vom Internet unterscheidet – in Qualität, Angebot, Form und Lesbarkeit. 85 Prozent der Informationen werden heute per Smartphone konsumiert. Ein solches Gerät bietet aber nicht das Gleiche wie eine schöne farbige Doppelseite in einer Wochenzeitung.

Waren Sie zufrieden mit der Frontseite, als sie damals die erste Ausgabe des Sonntagsblicks in den Händen hielten?

Rückblickend bin ich entsetzt über das, was wir damals gemacht haben. Wir sind da wirklich ein bisschen in dieses Neuland reingestolpert. In der Meinung, das kommt dann schon irgendwie mit der Aktualität und wir machen damit am Samstag eine Zeitung. Wir waren dann überrascht vom Angebot beziehungsweise Nicht-Angebot. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Depeschenagentur das Angebot am Samstag mangels Nachfrage reduzierte. So flüchteten wir uns ins einzig Aktuelle – ein Fussballergebnis: Sion gegen Basel 2:2.

Sobli-Aufmacher vom ersten Sonntag.
Legende: Das Spiel Sitten-Basel schaffte es auf die Front des ersten Sonntagsblicks am 23. März 1969. SRF

Was macht guten Boulevard aus?

Guter Boulevard ist unterhaltende Information. Sie muss unterhaltend sein. Eine Mischung, die so dargeboten wird, dass sie jeder versteht, dass sie farbiger ist, dass sie mehr Bilder hat. Nach dem alten Spruch, dass ein Bild mehr als tausend Worte sagt. Es ist die lockere, die flockigere, die amüsantere Information. Ein bisschen auch mit Spass. Aber sicher im Hintergrund doch die Information: ernsthaft, glaubwürdig, aber in einer Form, die leichter konsumierbar ist.

Ein Produkt, das sich vom Internet unterscheidet – das ist die grosse Herausforderung.
Autor: Fibo Deutsch
Sonntagsblick.
Legende: Auch der junge Muhammad Ali las den Sonntagsblick. SRF

Der Boulevard hat teilweise immer noch ein schlechtes Image. Zu Unrecht?

Es gibt guten und schlechten Boulevard. Hinter dem guten Boulevard stehe ich voll und ganz. Das ist wirklich eine Kunst. Das kann man nicht einfach so nebenbei machen. Es braucht vermutlich fast den grösseren Einsatz, guten Boulevard zu machen als nur normale Berichterstattung.

Sonntagsblick.
Legende: Bekannte Gesichter warben für den Sonntagsblick. SRF

Was würden Sie bei Sonntagsblick Neues einführen, wenn sie freie Hand hätten?

In der Schweiz wird die ganze Berichterstattung über Gesundheit vernachlässigt. Gesundheit aber ist das, was alle Menschen eigentlich am meisten interessiert. Es geht nicht einfach um Medizin oder die neuesten Alzheimerforschungsresultate. Es ist alles, was den Körper angeht. Zur Gesundheit gehören im weitesten Sinne auch Sex und Erotik. Also wie man sich mit seinem Körper abgibt. Das wäre ein Feld, dass ich noch gerne bearbeiten würde.

Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.

Legende: Video Sonntagsblick feiert 50-Jahre-Jubiläum abspielen. Laufzeit 02:22 Minuten.
Aus Tagesschau vom 23.03.2019.
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11 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Rosenberg  (Amadeus)
    Früher schätzte ich die NZZ aufgrund ihrer vielen neutralen und fundamentierten Hintergrundberichten. Leider vermisse ich je länger je mehr solch investigative Berichte von den etablierten Verlagshäuser. Selbst das letzte Bollwerk, die NY Times, hat vor Politik und Wirtschaft kaptituliert. Es braucht heute schon einen Assange oder Snowden um diese trübe Suppe ein wenig aufzuwühlen. Blick hat in immerhin Vorfälle wie Raiffeisen oder Postauto vor allen andern Medien ins Rollen gebracht.!?!
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    1. Antwort von SRF News (SRF)
      Die Postauto-Affäre wurde vom Bundesamt für Verkehr (BAV) selber publik gemacht und zwar am 6. Februar 2018.
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  • Kommentar von pedro neumann  (al pedro)
    BLICK und 20min sind Meister der medialen Vorverurteilung ohne genauere Recherche. Ganze Existenzen werden vernichtet, mit simplen Fragestellungen und Vermutungen. Jeder kann für ein paar Kröten seinen verhassten Nachbarn verleumden und medial zur Strecke bringen. Guter Boulevard, echt?
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  • Kommentar von Daniel Schmidlin  (Queren life)
    Aller Käse gehört auf's Papier. Damit können viele Leute schön Geld verdienen.
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