600‘000 Schweizer sind arm – Bund will handeln

Bei der Bekämpfung der Armut besteht Handlungsbedarf: Der Bund will das Problem national angehen und dafür jährlich fast zwei Millionen Franken ausgeben. Die Hilfsorganisation Caritas ist nur halb zufrieden.

Eine Frau kauft in einem Caritas-Laden ein. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Einkaufen im Caritas-Markt: In der Schweiz sind 600'000 Menschen von Armut betroffen und weitere 400'000 armutsgefährdet keystone / symbolbild

Das Programm zur Armutsbekämpfung soll ab 2014 über fünf Jahre laufen, wie das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) mitteilte. Im Auftrag des Bundesrates will das EDI gemeinsam mit den Kantonen, Städten und Gemeinden sowie NGOs bis im Frühling 2013 einen Vorschlag erarbeiten.

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Zu wenig Geld

Die Hilfsorganisation Caritas begrüsst zwar, dass der Bund die Armutsproblematik in der Schweiz angeht. Der Finanzrahmen von rund 1,8 Millionen Franken jährlich sei jedoch bescheiden und stehe in keinem Verhältnis zum Ausmass der Armut in der Schweiz. Caritas verlangt auch vom Parlament ein deutlicheres Zeichen zur Bekämpfung der Armut.

Zwei Jahre nach der ersten nationalen Armutskonferenz hat EDI-Vorsteher Alain Berset Vertreter der Kantone, Gemeinden und Städte sowie Sozialpartner und NGOs zu einem runden Tisch empfangen, um eine erste Bilanz zu ziehen und das weitere Vorgehen zu diskutieren.

Fokus auf Bildung

Gemäss dem EDI wird der Schwerpunkt des Programms auf der Bildung liegen. Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche sollen so gefördert werden, dass sie später selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen können. Dazu bedürfe es einer Reihe von Massnahmen von der frühen Kindheit bis zum Berufsabschluss.

Wegen der geltenden Kompetenzordnung hat der Bund laut eigenen Angaben nur beschränkten Handlungsspielraum. Deshalb müssten die verschiedenen Akteure unterstützt werden.