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Am Calandamassiv wurde ein uraltes Gipfelbuch entdeckt
Aus Regionaljournal Graubünden vom 16.10.2021.
abspielen. Laufzeit 04:37 Minuten.
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74 Jahre dem Wetter ausgesetzt Ein Gipfelbuch aus längst vergangenen Tagen

Auf einer Tour im Calandamassiv findet ein Bergsteiger ein uraltes Gipfelbuch. Das überrascht auch die Experten.

Ingenieur Jörg Bareis aus Malans ist oft und gerne in den Bergen unterwegs. Obwohl das Calandamassiv praktisch vor seiner Haustüre steht, oben war er noch nie. Kürzlich hat sich das geändert. Bareis wählte aber nicht die einfachste Route, sondern einen Weg, der selten und nur von geübten Berggängern begangen wird. Er führt über einen ausgesetzten Punkt auf 2730 Metern, den die Einheimischen Napoleon nennen, der aber nicht auf der Karte verzeichnet ist.

Legende: Das Gipfelbuch ist im Sommer 1947 vom Hüttenwart auf den «Napoleon» gebracht worden. Jörg Bareis

Oben angekommen, folgte erst einmal der obligate Eintrag ins Gipfelbuch, wie sich das für Bergsteigerinnen und Bergsteiger gehört. Dann die Überraschung: Das Gipfelbuch stammt aus dem Jahr 1947. Seit 74 Jahren trotzt es auf dem Gipfel Wind und Wetter.

So viele Jahre auf dem Gipfel – das ist aussergewöhnlich. Normalerweise sind diese Bücher früher voll.
Autor: Michelle Huwiler Sammlungsvermittlung Alpines Museum Schweiz

Das Buch liegt in einer Blechbüchse direkt unter dem Gipfelkreuz. Kaum geschützt haben die 74 Jahre am Buch Spuren hinterlassen. Die ersten Seiten sind vergilbt und haben Risse. Trotzdem sind die Einträge gut lesbar. Der Erste ist datiert auf den 31. August 1947 von Jöri Gasser, dem ehemaligen Hüttenwart der Calandahütte, der das Buch auch auf den «Napoleon» gebracht hatte.

«Ja – das war mein Vater selig»

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Georg Gasser, bekannt als Jöri Gasser, hat vor 74 Jahren das Gipfelbuch hinauf auf den «Napoleon» gebracht und hat sich am 31. August 1947 auch gleich als erster Berggänger im Buch eingetragen. «Ja – das war mein Vater selig», bestätigt der ehemalige Leiter des Bündner Amts für Militär und Zivilschutz, Hans Gasser, auf Anfrage von Radio SRF. Er erinnert sich gut, wie sein Vater davon erzählt hat, dass er auf dem «Napoleon» ein Gipfelbuch montiert habe. «Wir Kinder sind darum auch öfters dort vorbeigewandert», sagt Gasser weiter. Das Buch sei wahrlich etwas Besonderes, weil über diesen nicht ungefährlichen Grat nur wenige Bergsteiger kämen.

Tatsächlich sei es aussergewöhnlich, dass Bergsteigende bereits seit über 70 Jahren in das gleiche Gipfelbuch schreiben, sagt Michelle Huwiler vom Alpinen Museum der Schweiz mit Sitz in Bern. In der Regel seien diese Bücher viel früher vollgeschrieben. Im Schnitt sei ein Gipfelbuch zwischen zwei und 31 Jahre lang in Gebrauch, weiss Michelle Huwiler von den Büchern aus der Sammlung des Museums. Wertvoll sei das Buch auf dem «Napoleon» insbesondere für Historikerinnen und Historiker, um zu sehen, wer sich darin verewigt hat.

Sollte ich es bekommen, würde ich das Gipfelbuch dem Staatsarchiv übergeben.
Autor: Hans Gasser Sohn des Jöri Gasser, der das Buch auf den Berg gebracht hat

Noch soll das alte Gipfelbuch an seinem Ort bleiben und noch nicht ins Museum kommen. Das Buch soll erst dann vom Berg ins Tal gebracht werden, wenn es bis auf die letzte Seite vollgeschrieben ist, findet Hans Gasser, Sohn des ehemaligen Hüttenwarts der Calandahütte. Er freut sich für seinen verstorbenen Vater, dass «sein» Gipfelbuch aus dem Jahr 1947 einen Ehrenplatz auf sicher hat.

SRF 1, 16.10.2021, 6:10 Uhr;

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