- Die ehemalige Grüne-Nationalrätin und Zürcher Stadträtin Monika Stocker ist tot.
- Sie verstarb am 21. April, wie der «Tagesanzeiger» unter Berufung auf die Todesanzeige schreibt.
- Sie wurde 77 Jahre alt.
Die Grüne Partei bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA eine entsprechende Meldung im «Tages-Anzeiger» vom Freitag.
Stocker wurde 1948 im Aargau geboren. In Freiburg studierte sie Sozialwissenschaften und engagierte sich schon früh politisch und war seit 1986 bei den Grünen – wegen Tschernobyl. Ab 1987 sass sie für die Partei im Nationalrat, schaffte die Wiederwahl 1991 allerdings nicht mehr. Sie gehörte zu den Initiantinnen der eidgenössischen Frauensession in Bern, die sie auch präsidierte.
Als erste Grüne wurde sie 1994 in den Zürcher Stadtrat gewählt. Sie trat die Nachfolge von Emilie Lieberherr im Sozialdepartement an und unterzog das Departement einem Umbau.
Stocker war stolz, dass es trotz explodierender Fürsorge-Zahlen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gelang, auf der Strasse der Schweizer Wirtschaftsmetropole Bilder von sozialem Elend zu verhindern. «Wer wirklich Hilfe braucht, kriegt sie», pflegte Stocker zu sagen und empfahl der Bevölkerung, Strassenbettler abzuweisen.
Rekordhohe Fürsorgegelder
Stocker steuerte ein Milliardenbudget – damals rund ein Sechstel des Budgets der Stadt Zürich. Sie kämpfte mit Rekordzahlen von Fürsorgebezügern, im Jahr 2005 bezogen rund 23'000 Menschen fast 300 Millionen Franken Fürsorgegelder.
Stocker liess sich nicht beirren und setzte dem Ansturm auch Unkonventionelles entgegen: Mit dem «Asylmanifest» verhalf sie 2003 einer pragmatischen Asylpolitik zum Durchbruch. Das vom Bund verordnete Arbeitsverbot für Asylbewerber wurde durchbrochen und Hunderte zu gemeinnütziger Arbeit verpflichtet.
2005 lancierte sie Teilnebenjobs. Junge Arbeitslose erhielten Anreize und neue Perspektiven. Die Übergangsjobs, die Menschen in schwierigen Lagen den Anschluss an den Arbeitsmarkt ermöglichen sollen, etablierten sich.
Kritik wegen Sozialhilfemissbrauchs
Ab 2005 geriet Stocker stark unter Beschuss, wobei es vor allem um Sozialhilfemissbrauch ging. Einzelfälle wurden zum Anlass genommen, die Amtsführung Stockers generell in Frage zu stellen. 2007 führte Stocker auf politischen Druck und nach langem Zögern schliesslich Sozialinspektoren ein.
Diese kamen zum Schluss, dass bei einem Grossteil von rund 30 untersuchten Fällen tatsächlich Sozialgelder missbraucht worden waren. Am 5. Februar 2008 gab sie infolge gesundheitlicher Probleme ihren Rücktritt aus dem Stadtrat bekannt. Sie sei «politikmüde», sagte sie damals.