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8. SRG-Corona-Umfrage zeigt Impf-Gräben
Aus 10 vor 10 vom 09.07.2021.
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8. Corona-Umfrage der SRG In der Schweiz klafft ein tiefer Impfgraben

  • Beim Impfen scheint das Potenzial ausgeschöpft: Nur der kleinste Teil der bisher Nicht-Geimpften will sich bald piksen lassen.
  • Ein Impfzwang – selbst wenn dieser nur das Gesundheitspersonal betreffen würde – ist aktuell nicht mehrheitsfähig, wie die 8. Corona-Umfrage der Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der SRG zeigt.
  • Die wirtschaftliche Dimension der Coronakrise rückt in den Hintergrund, stattdessen nimmt nun die Angst vor einer Spaltung der Gesellschaft zu.

Seit der letzten Erhebung des SRG-Corona-Monitors im März zeigte der Impffortschritt der Schweiz nur in eine Richtung: steil nach oben. Gaben im März erst 8 Prozent der Erwachsenen an, mindestens einmal geimpft zu sein, waren es Anfang Juli bereits 60 Prozent (laut Daten des BAG liegt die tatsächliche Zahl zurzeit bei rund 52 Prozent). Nun zeichnet sich eine Sättigung ab. Nur noch 3 Prozent der Befragten geben an, sich sofort piksen lassen zu wollen.

Der Glanz der Impfkampagne scheint zu verblassen. Die Überzeugung lässt nach, dass die Impfung den Weg aus der Pandemie ebnet – sie sinkt von 61 auf 51 Prozent.

Die Dämpfer: das Auftauchen neuer Virusvarianten und die hartnäckige Impfskepsis. Rund ein Viertel der Befragten will sich grundsätzlich nicht impfen lassen – ein Wert, der sich seit Beginn der Impfkampagne Anfang Jahr kaum verändert hat. Die Hauptgründe für die Ablehnung: zu wenig erprobte mRNA-Impfungen, befürchtete Nebenwirkungen.

Je städtischer das Gebiet, desto mehr wird geimpft

Die aktuelle Erhebung der Forschungsstelle Sotomo zeigt weiter: Bei der Impfbereitschaft klafft ein deutlicher Stadt-Land-Graben. In Grossstädten und der Agglomeration gibt es mehr Impfwillige als im ländlichen Raum.

Wir haben auch einen ideologischen Impfgraben.
Autor: Michael Hermann Studienleiter

Gutverdienende stimmen einer Spritze eher zu als Menschen mit knappem Budget. Passend zu den sozioökonomischen Differenzen zeigen sich Unterschiede zwischen den Berufsfeldern. Personen aus dem Wissenschaftsumfeld krempeln eher die Hemdsärmel hoch als Arbeitnehmende im Landwirtschaftssektor.

Sotomo wollte weiter wissen, wie die Befragten zu einer Impfpflicht beim Gesundheitspersonal stehen. Das Resultat: Selbst punktuell ist ein Zwang nicht mehrheitsfähig. 46 Prozent sprechen sich dafür aus, 50 Prozent dagegen. Interessant ist: Die Skepsis gegenüber einer Impfpflicht im Gesundheitswesen ist in der Deutschschweiz am grössten. Eine klare Mehrheit dafür gibt es hingegen in der italienischsprachigen Schweiz.

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Studienleiter Michael Hermann: «Debatte über die Impfpflicht kann sogar noch härter werden»
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Gemäss Studienleiter Michael Hermann dürfte die Impfpflicht noch zu reden geben. «Diese Debatte kann sogar noch härter werden. Denn wir müssen erwarten, dass die Fallzahlen mit der Delta-Variante wieder deutlich steigen.» Und somit auch Hospitalisierungen wieder zunehmen.

SVP-Basis gegen Impfung und Covid-Zertifikat

Auch die Bedeutung des Covid-Zertifikats dürfte laut Hermann in der politischen Diskussion der nächsten Monate eine grosse Rolle spielen. Denn: Am 28. November 2021 stimmt die Schweiz über das zweite Covid-19-Referendum ab. Und das Zertifikat ist ein springender Punkt dieser Gesetzesänderung.

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Studienleiter Michael Hermann: «Ein Teil der Zertifikat-Befürworter hält dieses für einen indirekten Impfzwang»
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Aktuell sprechen sich 61 Prozent der Bevölkerung für das Covid-Zertifikat aus, 35 Prozent sind dagegen. Der grösste Widerstand kommt vonseiten der SVP-Basis.

Von deren Anhängerschaft will sich auch mehr als die Hälfte nicht impfen lassen. Bei der Basis der Grünen ist zwar ebenfalls Skepsis vorhanden. Mit 15 Prozent ist der Anteil jener, die sich nicht impfen wollen, jedoch deutlich kleiner als die 51 Prozent der Impfgegner bei der SVP.

«Wir haben einen ideologischen Impfgraben. Die Anhänger fast aller Parteien wollen sich mehrheitlich impfen lassen, nur bei der SVP stellt sich eine Mehrheit dagegen», sagt Michael Hermann. «Es ist ein neuartiges Phänomen, dass eine Impfung derart politisiert ist.»

Bemerkenswert ist: Mehr als zwei Drittel der Befragten verbinden das Zertifikat mit einem indirekten Impfzwang – obwohl dieses neben einer Impfung auch negative Testresultate sowie eine Genesung von Corona ausweist.

Gesellschaftskrise verdrängt Existenzängste

Der Fortschritt der Impfkampagne, die sinkenden Fallzahlen und die grossen Lockerungen haben sich als wahre Stimmungsheber entpuppt. Der Anteil der Befragten, der angibt, es gehe ihnen gut oder sehr gut, ist von 60 auf 80 Prozent gestiegen. Besser als je zuvor während der Pandemie schätzen die Befragten auch die wirtschaftliche Situation ein. Immer weniger fürchten sich vor Jobverlust und finanziellen Einbussen.

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Studienleiter Michael Hermann: «Angst vor Polarisierung und Konflikten im Umfeld ist grösser geworden»
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Die Krise hinterlässt dennoch Spuren – nämlich in der Gesellschaft, und dies stärker denn je. «Die Angst vor Polarisierung und Konflikten im Umfeld ist grösser geworden», sagt Studienleiter Michael Hermann. Jede vierte Person fürchtet sich davor – ein bisheriger Höchstwert. Die Gesellschaft nehme im Alltag immer weniger Solidarität, dafür immer mehr Egoismus wahr, heisst es in der Auswertung.

Homeoffice dürfte Krise überdauern

In der aktuellen Umfrage hat Sotomo ferner das erste Mal erhoben, welche Folgen die Coronakrise langfristig haben dürfte. Zuoberst auf der Rangliste: das Homeoffice.

Dass auch nach Ende der Pandemie zumindest ein Teil der Arbeit von zu Hause aus geleistet werden kann, wünschen sich mittlerweile drei Viertel der Befragten – so viele wie noch nie. 13 Prozent möchten gar nur noch daheim arbeiten – ebenso viele Befragte, die aktuell im Homeoffice sind, würden allerdings lieber schon heute als erst morgen ins Büro zurückkehren.

Die Frage nach den langfristigen Folgen zeigt weiter: 60 Prozent der Teilnehmenden rechnen mit weniger Geschäftsreiseverkehr – aber nur knapp 20 Prozent glauben, dass das Klima von der Pandemie profitieren wird.

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Michael Hermann zu den Ergebnissen der 8. SRG-Corona-Befragung
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Datenerhebung und Stichprobe

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Die Datenerhebung zur 8. Befragung des SRG-Corona-Monitors fand zwischen dem 1. und dem 5. Juli 2021 statt. Die Grundgesamtheit der Befragung bildet die sprachlich integrierte Wohnbevölkerung der Schweiz ab 15 Jahren. Die Befragung erfolgte online. Die Rekrutierung der Befragten fand einerseits über die Webportale von SRG SSR, andererseits via Online-Panel von Sotomo statt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 23'337 Personen für die Auswertung verwendet werden (Deutschschweiz: 16‘695, Romandie: 5738, italienische Schweiz: 904).

Repräsentative Gewichtung

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (opt-in), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. Den Verzerrungen in der Stichprobe wird mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt. Es werden räumliche (Wohnort), soziodemografische (Alter, Geschlecht, Bildung, Haushaltsform) und politische Gewichtungskriterien (Parteipräferenz) beigezogen. Durch die Gewichtung wird eine hohe Repräsentativität für die Schweizer Bevölkerung erzielt. Der Stichprobenfehler, wie er für Zufallsstichproben berechnet wird, lässt sich nicht direkt auf gewichtete Opt-in-Umfragen übertragen. Die Repräsentativität dieser Befragung ist jedoch vergleichbar mit einer Zufallsstichprobe mit einem Stichprobenfehler von +/-1.3 Prozentpunkten (für 50 Prozent-Anteil und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit).

Tagesschau, 08.07.2021, 19.30 Uhr

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295 Kommentare

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  • Kommentar von Corinne Berthier  (Berthier)
    In einer anderen Medienstation sprechen sie gerade über die vielen Migrantinnen und MIgranten welche sich laut Umfrage und Statistik nicht impfen lassen wollen. Warum wird das hier nicht erwähnt? Herr Jungo hat halt einfach recht.
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Corinne Berthier Guten Tag Frau Berthier, diese Thematik haben wir hier behandelt: https://www.srf.ch/news/schweiz/covid-impfungen-so-wollen-die-kantone-impfmuffel-und-migranten-erreichen
      Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Felix Klingele  (xilef)
    Klar, wer sich nicht impfen lassen will und eine Erkrankung mit möglichen Langzeitfolgen oder sogar seinen Tod in kauf nimmt, ist seine Sache.
    Aber wer beispielsweise deswegen nachweislich andere ansteckt, Partner*in, Eltern, Kinder oder Freunde, und jemand deshalb sogar stirbt, über nimmt der- oder diejenige die Verantwortung?
    1. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      Darauf könnte es über kurz oder lang hinaus laufen. Z.B. liegt mittlerweile auch eine Straftat vor, wenn jemand vorsätzlich oder fahrlässig mit HIV angesteckt wird....;-))
    2. Antwort von Lionel Saxer  (lii.sa)
      Eben nicht! Wenn sich schwere Verläufe deswegen wieder häufen und das Gesundheitssystem an die Kapazitätsgrenze bringt, trägt man damit definitiv zur möglichen Schädigung einer der wichtigsten Institutionen bei. Wollen Sie dann ernsthaft nicht geimpfte Covid-Erkrankte behandeln und deswegen z.B. lebenswichtige Operationen bei Krebspatienten verschieben?
  • Kommentar von Stefan Pfister  (Stefan Pfister)
    Stichwort "Spätfolgen"
    Die gibt es nicht bei Impfungen. Nebenwirkungen treten sofort auf oder innerhalb weniger Wochen. Kann man auf srf nachlesen oder in der Arztpraxis oder Apotheke fragen. Der Typ, der sich auf Youtube als Arzt ausgibt, zählt übrigens nicht. Nur echte Ärztinnen und Ärzte mit echten Praxen im echten Leben.