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Legende: Video Offensive gegen manipulierte Sportwetten abspielen. Laufzeit 04:56 Minuten.
Aus 10vor10 vom 29.05.2019.
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Abgekartete Spiele «Sportwetten können den Sport töten»

Der Europarat kämpft gegen Spielmanipulationen – ein Milliardenbusiness, vor allem im Fussball und Tennis.

Es gibt legale Wetten im Internet. Und es gibt illegale Wetten auf abgekartete Spiele mit bestochenen Sportlern. Spieler, Trainer und Schiedsrichter manipulieren ganze Partien, um sich und andere mit Sportwetten zu bereichern.

Fussball und Tennis besonders im Visier

Sportverbände müssten mehr tun gegen Spielmanipulationen, findet Roland Büchel, Berichterstatter Spielmanipulationen des Europarates. «Sportwetten sind ein Riesenproblem. Ein Milliardenbusiness. Hunderte Milliarden werden umgesetzt. Es tötet den Sport und leider kann es auch Menschen töten. Das Problem müssen wir wirklich anpacken.»

Am meisten manipulieren Kriminelle Fussball- und Tennisspiele. Das passiert auch in der Schweiz. 2010 wurden in der Schweizer Challenge-League Fussballer des FC Thun und Gossau mit je 5000 Euro bestochen. Verurteilt wurden sie damals nicht, weil der Straftatbestand Spielmanipulation fehlte – heute gibt es diesen.

Uefa-Boss: «Krebsgeschwür des Sports»

Der europäische Fussballverband Uefa meldet auffällige Wetten. Uefa-Präsident Aleksander Ceferin erklärt: «Die Uefa kämpft tagtäglich gegen Spielmanipulation. Wir fahren eine Nulltoleranz-Strategie und informieren Behörden bei Verdacht. Aber wir können keine Leute verhaften oder Telefone und Computer abhören. Wir brauchen die Unterstützung von allen Staaten Europas.»

Büchel schlägt vor, die Uefa solle nur noch Turniere in Ländern durchführen, die entschlossen gegen Wettmanipulation vorgehen. Der Uefa-Präsident lehnt den Vorschlag ab, findet aber: «Europa ist sich bewusst, dass Korruption ein Krebsgeschwür unserer Gesellschaft ist. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Gesellschaft weiss, dass Wetten auf manipulierte Spiele das Krebsgeschwür des Sports sind.»

Kriminelle erstellen Profile von Spielern

Computerspezialisten wie die Zürcher Firma Sportxray spüren im Internet Wettbetrüger auf und sensibilisieren Sportler und Schiedsrichter. Jeder Schiedsrichter, der die sozialen Medien nutzt, muss damit rechnen, dass seine Inhalte gesammelt und Profile erstellt werden. Das erklärt Eric Herren, Direktor von Sportxray Zürich. «Dann wird abgeschätzt, wie hoch das Risiko ist, dass jemand kooperiert. Auf die Schwächsten werden sie Zugang erhalten.»

Schaut ein Fussballer etwa einschlägige Filme oder verkehrt er in einem fragwürdigen Milieu, kann mit Erpressung Druck ausgeübt werden. So will man auf das Verhalten der Akteure einwirken und das Spiel beeinflussen, wie Herren ausführt. Die Wetten sind vielfältig: Gewettet wird etwa, wann es das erste Foul gibt oder in welcher Minute die Stadionbeleuchtung ausgeht.

Länder müssen Rechtshilfe geben

Der Europarat schätzt den illegalen Wetteinsatz auf manipulierte Spiele auf 600 Milliarden Franken jährlich. Kann ein Rapport des Europarates überhaupt bewirken, dass mehr Täter ins Netz gehen? Büchel dazu: «Es geht um hunderte Milliarden, mit Abstand das grösste Geld im Sport. Wenn jetzt Länder keine Rechtshilfe geben, bekommen sie ein Problem. Denn dazu verpflichten sie sich.» Seine Offensive im Kampf für sauberen Sport ist noch lange nicht zu Ende.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Den Sport kann man nicht töten, höchstens das Geschäft mit dem Sport. Who cares?
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Praktisch jeder Sport lebt von Wetten. Fängt beim Turf an und hört beim Snooker, Fussball oder Moto2 (Bsp: Hauptsponsor von Tom Lüthi) längstens nicht auf. Da sehr viel Geld im Spiel ist, ist es eine absolute Illusion, zu meinen, man könne da Manipulationen verhindern. Das sollten gerade Politiker, die ja alles für eine Machtposition tun, bestens wissen. Wenn der Europarat über illegale Wetten berät, ist's wie wenn Steuerbetrüger die Bankräuber einsperren wollen.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      Man sollte schon auch bemerken, dass die allermeisten Akteure im Sport fair spielen und dass die seltenen Manipulationen heutzutage relativ schnell auffliegen. Aber es ist nun mal so, verhindern lassen sich Manipulationen grundsätzlich nicht und es ist sicher nicht die Politik, die hier wirkungsvoll agieren kann, sondern nur der Sport selbst. Im übrigen sind Manipulationen bei Mannschaftssportarten wie Fussball um einiges schwieriger als etwa bei Pferdejockeys, Tennisspielern oder Snookerprofis.
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  • Kommentar von Mike Hauser  (Mike Hauser)
    Ich lebe in Argentinien - und auch hier gilt die Redewendung FUSSBALL IST EIN SPIEL VON IDIOTEN FUER IDIOTEN.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      Hauser: Wunderbares Bashing, das nichts zum Thema beiträgt. Sie wissen übrigens was Fairness heisst? Fairness ist auch, dem andern dessen Begeisterung für etwas anzuerkennen, was man selbst nicht als begeisternswert empfindet. Es gibt Milliarden von Menschen, die finden Fussball gut. Mag sein, dass das alles Idioten sind, schlage aber dennoch vor, dass Sie sich für Ihre Sportart einsetzen, statt über andere herzuziehen.
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