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Abkommen mit Indonesien Wird Palmöl in der Schweiz bald billiger?

Knackpunkt Palmöl im Freihandelsabkommen: Zur Zollbefreiung wird es laut Seco nicht kommen, zur Reduzierung wohl schon.

Legende: Video Kampf gegen mehr Palmöl-Importe abspielen. Laufzeit 4:14 Minuten.
Aus 10vor10 vom 17.01.2018.

Palmöl ist ein umstrittenes Produkt. Für den Anbau wird in Indonesien und Malaysia grossflächig der Dschungel gerodet oder abgebrannt und Menschen von ihrem Land vertrieben, Kleinbauern verlieren ihre Existenz oder arbeiten zu Hungerlöhnen auf den Plantagen.

Bald wird die Schweiz mit Indonesien und Malaysia ein Freihandelsabkommen unterzeichnen. Indonesien möchte Zollvergünstigungen beim Export von Palmöl in die Schweiz erhalten.

Betroffene wehren sich

Dagegen kämpfen indonesische Bauernvertreter, Schweizer Bauern und die Hilfsorganisation «Brot für alle». Sie treffen sich auf Einladung der Hilforganisation bei einer Ölmühle im luzernischen Briseck.

Ein Schweizer Bauer erklärt einem indonesischen die Rapsöl-Produktion
Legende: Bauern unter sich: In Luzern wird den indonesischen Bauernvertretern die Schweizer Rapsöl-Produktion erklärt.. SRF

Die Indonesier sind begeistert von der Mühle, die den Bauern auch kleine Mengen Raps abnimmt. Ganz anders als in ihrer Heimat, wo das Business in den Händen von Grosskonzernen ist, die sich immer mehr Land von Kleinbauern unter den Nagel reissen. «Im Palmöl-Geschäft geht es nur um Ausdehnung der Fläche, die Produktion der Bauern interessiert nicht», sagt Harmona.

Im indonesischen Kalimantan, wo Anton Wijaya herkommt, muss der Dschungel riesigen Monokulturen weichen, eine ökologische Katastrophe und menschliche Tragödie: Die Menschen werden von ihrem Land vertrieben, oft mit Gewalt. Palmöl ist im Vergleich zu anderen Ölen sehr billig, denn das Anbauland und die Arbeitskräfte kosten die Konzerne kaum etwas.

Monokultur von Palmen grenzen an den abgebrannten Dschungel
Legende: Für den Anbau von Palmöl wird der Dschungel in Indonesien und Malaysia grossflächig gerodet oder abgebrannt. Keystone

Der weltweite Verbrauch hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Das billige Palmöl wird in der Schweiz nur durch den Zollzuschlag von 120 Prozent fast gleich teuer wie Rapsöl. Die Schweiz importiert jährlich etwa 30'000 Tonnen Palmöl. «Um die Expansion zu stoppen, wäre es am besten, ganz darauf zu verzichten», sagt Harmona.

«Es wird keine Zollbefreiung geben»

Aber das Gegenteil ist der Fall: Das geplante Freihandelsabkommen mit Indonesien soll noch im ersten Quartal dieses Jahres unterzeichnet werden. Darin möchte Indonesien auch Zollvergünstigungen für den Export von Palmöl in die Schweiz einschliessen. Für Harmona ist klar: «Das Signal wäre dann: Exportiert noch mehr Palmöl, in der Schweiz gibt es einen Markt dafür.»

Man sei sich der Problematik von Palmöl bewusst, heisst es beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Der zuständige Botschafter ist eben erst aus Indonesien zurückgekehrt.

«Unsere Partner sind sich bewusst, dass eine komplette Zollbefreiung in diesem Bereich nicht möglich ist», sagt Botschafter Markus Schlagenhof. Im Moment werde aber diskutiert, die Zölle im Rahmen von gewissen Mengen minimal zu reduzieren, so dass man die Auswirkungen auf den Schweizer Markt kontrollieren könne.

Könnte die Schweiz für das umstrittene Palmöl wenigstens Höchstmengen festlegen? Botschafter Schlagenhof winkt ab: «Das ist nicht etwas, das wir steuern können.» Das sei letztlich eine Frage der Konsumenten. «Wir können uns entscheiden, was wir konsumieren.»

In der Schweiz fürchten aber Rapsölproduzenten selbst geringe Zollsenkungen, weil Palmöl heute schon billiger ist. Die einheimische Rapsölproduktion sei durch das Freihandelsabkommen gefährdet, sagen Schweizer Bauern.

Verbrauch von Speiseölen in der CH
Legende: SRF

Der Kanton Thurgau verlangt mit einer Standesinitative, Palmöl aus dem Freihandelsabkommen zu streichen. Initiant ist der Bauer und Thurgauer SVP-Grossrat Daniel Vetterli. Er hat kein Problem damit, mit Linken und Grünen im selben Boot zu sitzen. «Es muss doch möglich sein, unsere Grundwerte, also die Sorge zur Umwelt und unsere soziale Verantwortung nicht einfach wegzuwerfen, wenn es um ein Freihandelsabkommen geht», sagt Vetterli.

Dass Palmöl verantwortlich ist für die Rodung riesiger Flächen Urwald, schädlich für Klima, Tier und Mensch, das wissen inzwischen viele Konsumenten in der Schweiz. Nachhaltiges Palmöl gibt es so gut wie keines, kritisieren NGOs.

Palmöl ist Bestandteil unzähliger Produkte in der Schweiz – Nahrungsmitteln, Waschmitteln und Kosmetika. Es liegt nun also bei den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten. Wer den Schweizer Bauern und dem Schweizer Öl den Vorzug geben will, muss auch künftig das Kleingedruckte auf allen Produkten genau lesen.

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45 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Mit der "Anpassung" an die EU wird das Palmöl billiger!! Es ist ein Hohn, wie die Schweiz mit der "Umwelt" umgeht. Obwohl man weiss, dass Palmöl die armen Länder vernichtet, macht man weiter damit. Auf der andern Seite verdammt die Schweiz (Politik) alle andern Länder, wenn die etwas gegen die "Umweltbelastung" tun. Wir müssen uns endlich von der Politik von Deutschland distanzieren und damit auch von der EU. Wir brauchen die Bilateralen nicht, wir brauchen Verträge die der Schweiz dienen.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    50 Millionen To. Palmöl hat die Welt im vergangenen Jahr geschluckt – doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Regenwald schnell abzubrennen und dort Ölpalmen zu pflanzen – egal, wer an dem Land die Rechte hat, welche Tiere dort herumtollen, wie viel Torf im Boden verbrennt und noch mal mehr Kohlenstoffdioxid freisetzt.Der Raubbau lässt den Klimawandel immer weiter voranschreiten. Am Palmöl klebt Blut von Tigern, Orang-Utans und Nashörnern, deren Lebensraum schrumpft. Endlich Aufhören!
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    1. Antwort von Franz NANNI (igwena ndlovu)
      Endlich Aufhören! Gehts noch... dann kostet ja das Nutella 20Rappen mehr...! Und das Einkommen aus den Palmoelaktien faellt dahin.. dann kann ich mir beim besten Willen dieses Jahr keinen neuen Ferrari leisten.. hoechstens einen Lamborghini.. na ja...
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    2. Antwort von D. Thrum (Thrum)
      Das Palmöl an sich ist nicht das Problem. Es ist sehr effizient und braucht weniger Fläche als andere pflanzliche Öle....nur eben sollte dafür kein Regenwald gerodet werden. Überhaupt sollte nirgendwo mehr Regenwald gerodet werden. Passiert aber leider immer noch, überall. Auch müssen wir aufhöhren, dermassen viel Fleisch zu essen - weil nichts soviel Anbaufläche verblödet (und deshalb wildlebende Spezies verdrängt), wie Futtermittel für die Tiere, die wir essen. Aber das nur so nebenbei...
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Heute werden weltweit ca. 35 Fußballfelder Regenwald jede Minute zerstört! Die am Boden liegende Vegetation wird mit Bulldozern zusammengeschoben und oft auch abgefackelt (Brandrodung). In den Regenwaldgebieten lebenden Menschen sind durch die Ausbreitung der Ölpalm-Plantagen bedroht. Kleinbauern und Ureinwohner von ihrem Land vertrieben. Unliebsame Pflanzen werden beseitigt und totgespritzt, Tiere wie Affen, Tiger, Elefanten finden dort weder Schutz noch Nahrung. Konzerne sind Umweltkiller.
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