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Was bringen die Schulmassnahmen gegen Corona?
Aus SRF 4 News aktuell vom 22.07.2021.
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Abstand, Maske, Lüften, Testen Was die Corona-Massnahmen an Schulen nützen

Offene Schulen trotz Corona: Die Schweiz ging diesbezüglich einen Sonderweg. Jetzt sind Ferien. Zeit für eine Bilanz.

Die Schweiz ist eines der wenigen Länder in Europa, das die Schulen während der Corona-Pandemie weitgehend offen gehalten hat. Die Schulen haben viel ausprobiert, viel improvisiert. Doch was bringt tatsächlich etwas? Laut SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel verfügt man inzwischen über Erfahrungswerte – und es gibt bereits einige Studien: «Eine recht breit angelegte Studie aus den USA zeigt, dass das Tragen von Masken tatsächlich sehr effektiv ist.»

Über 30 Prozent weniger Ansteckungen habe es gegeben. «Und – auch interessant: Wenn Masken getragen werden, kommt es nicht mehr so sehr aufs Abstandhalten an.» In einer anderen Studie wurde untersucht, was ein effizienterer Luftaustausch bringt. Das Ergebnis war auch da recht klar: «Auch das kann Infektionen um mehr als 30 Prozent drücken.» Hinzu kommen die Reihentests, mit denen man inzwischen auch Erfahrung hat in der Schweiz.

Schultests sind teuer, aber lohnen sich

Diese Tests seien zwar aufwändig und teuer, aber erste Auswertungen aus Graubünden, wo man an Schulen relativ breit getestet hat, zeigen, dass sich diese Investition lohnt. «Nach der Einführung der Tests gab es keine weiteren Ausbrüche mehr an den Schulen», weiss Zöfel. Ein anderes Beispiel sei die Kantonsschule in Zug mit 2300 Schülern der Sekundarstufe 1 und 2.

Legende: Generell lasse sich sagen, dass Kinder und Jugendliche sich zwar infizierten, aber selten schwer erkrankten, so Zöfel. Keystone

«Im Februar, bevor man dort mit dem Testen angefangen hat, waren täglich zwischen 60 und 80 Schülerinnen und Schüler und Lehrpersonen in Quarantäne oder Isolation.» Ein geordneter Schul- und Prüfungsbetrieb sei damit schwierig geworden. «Doch diese Zahlen gingen nach der Einführung der Tests sehr schnell runter auf 8 bis 9 Personen in Quarantäne oder Isolation pro Tag.» Das Testen reduzierte also die Anzahl der Betroffenen um den Faktor 10. Auch Sportevents und Lager hätten wieder durchgeführt werden können, ohne dass die Fallzahlen arg anstiegen.

Wenn man dem Virus freien Lauf lässt, kann sich der Schwerpunkt der Epidemie in die Schulen verschieben.
Autor: Katrin Zöfel Redaktorin SRF Wissen

Eines zeige die Ciao-Corona-Studie – zumindest für Zürich – sehr klar: «Die Infektionssituation in den Schulen verhält sich bisher fast parallel zum Infektionsgeschehen ausserhalb der Schulen.» Diese Erkenntnis könne man mit Abstrichen vermutlich auf die restliche Schweiz übertragen, so die Wissenschaftsredaktorin. Die regelmässige Verteilung werde sich allerdings verschieben, je mehr Erwachsene geimpft seien. «Dann wird das Virus vor allem Kinder und Jugendliche infizieren, die noch nicht geimpft sind. Das heisst, dann kann sich, wenn man dem Virus freien Lauf lässt, der Schwerpunkt der Epidemie in die Schulen verschieben.»

Impfung für Kinder noch in weiter Ferne

Ein Ausweg daraus wäre die Impfung von Kindern. Es werde wohl aber noch eine Weile dauern, bis diese komme. Denn: «Die beiden Corona-Impfstoffe, die bisher in der Schweiz zugelassen sind, haben verglichen mit anderen Impfstoffen relativ viele Nebenwirkungen. Und bei einer Zulassung bei Kindern hat man höhere Ansprüche.» Dem Aufwand, den man mit den Massnahmen an Schulen betreibe, stehe ein möglicher Nutzen gegenüber: «Wenn man das Virus frei zirkulieren lässt, muss man davon ausgehen, dass sich über kurz oder lang alle Kinder infizieren, die noch keine Antikörper haben, das betrifft rund drei Viertel aller Schweizer Kinder.»

Und das würde bedeuten, nach allem, was man inzwischen über Verläufe bei Kindern wisse, dass ohne Massnahmen schweizweit noch einmal einige hundert Kinder bis 9 Jahren ins Spital kommen würden – «und noch einmal ähnlich viele zwischen 10 und 19 Jahren», so Zöfel. Diese Zahl könne durch die Massnahmen gesenkt werden, bis eine Impfung und bessere Therapien verfügbar sind.

SRF 4 News, 22.07.2021, 07:25 Uhr;

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Claudius Luethi  (@claude)
    ... dass das Tragen von Masken tatsächlich sehr effektiv ist.»

    Für was sind eigentlich die Masken?
    1. Antwort von Matthias Achermann  (Matthias Achermann)
      Naja, ob man 30 Prozent wenigerals sehr effektiv bezeichnen will. Würde eine Impfung die Ansteckungsrate nur um 30 Prozent senken, wäre sie ein kompletter Fehlschlag.
      Aber irgendwie wird immer so getan, als ob die Masken ein Allerheilmittel seien. Die psychologische Wirkung ist wohl wesentlich grösser als der tatsächliche epidemiologische Effekt.
  • Kommentar von Erika Schütz  (Erika)
    Mich würde im Zusammenhang Schule interessieren, wieviele Lehrkräfte erkrankten. Als geimpfte Lehrperson , zusätzlich Maske tragend, wäre es für mich immer noch nicht unproblematisch, jeden Tag 25 Kindern ohne Maske im Innenraum nahe zu kommen. Das Ansteckungspotential in diesem Zusammenhang würde mich interessieren.
    1. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Zur ersten Welle in Schweden gibt es diese Studie:

      Open Schools, Covid-19, and Child and Teacher Morbidity in Sweden

      New England Journal of Medicine
  • Kommentar von Tobias Flückiger  (Töbu)
    Ergebnisse der hier verlinkten Studie des CDC (vorveröffentlicht) zur Wirksamkeit der Maskenpflicht:

    "This study found that before the availability of COVID-19 vaccines, the incidence of COVID-19 was 37% lower in schools that required mask use among teachers and staff members..."

    "The 21% lower incidence in schools that required mask use among students was not statistically significant compared with schools where mask use was optional."
    1. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Wenn zwanzig Prozent nicht aussagekräftig sind, dann muss das Infektionsgeschehen an Schulen sehr gering gewesen sein. Es gibt keinen Grund anzunehmen, es würde zunehmen, wenn durch die Impfung die Inzidenzen im Einzugsgebiet der Schule sinken. Alle Befürchtungen richten sich offenbar auf Delta, nebst dem Umstand, dass die Wissenschaftstaskforce nahelegt, die Massnahmen an Schulen weiterzuführen, bis man die Kinder impfen kann.
    2. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Zur Erklärung: Die Aussagekraft (Signifikanz) eines Studien-Ergebnisses hängt von der Grösse der Stichproben ab. Je weniger Daten, desto leichter können festgestellte Unterschiede dem Zufall geschuldet sein. Die Stichproben, an denen hier die Wirksamkeit der Masken geprüft wurden, sind die positiven Fälle an den Schulen. Obwohl sehr viele Schulen einbezogen wurden, reichte die Zahl der positiven Fälle nicht, um eine an sich deutliche Verringerung von zwanzig Prozent aussagekräftig zu machen.
    3. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Wichtig: Man darf dieses Ergebnis dann auch nicht in dieser Form als schwach azöussagekräftig, gutes Zeichen oder so betrachten. Der effektive Wert könnte genauso gut bei null oder bei fünfzig Prozent liegen. Die zwanzig Prozent sagen nichts aus, nicht mehr und nicht weniger.