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Im Brennpunkt: Das öffentliche Interesse an der Nationalität von Verdächtigen
Aus SRF 4 News aktuell vom 08.03.2021.
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Abstimmung im Kanton Zürich «Nationalitäten-Nennung durch Polizei ist nur fallweise sinnvoll»

Die Stadtzürcher Polizei darf in Medienmitteilungen die Nationalität von Verdächtigen wieder nennen. Das Zürcher Stimmvolk hat am Sonntag mit 55.2 Prozent einen Gegenvorschlag des Kantonsrats gutgeheissen. Der SVP ging die Vorlage allerdings zu wenig weit. Die Gegnerschaft sprach hingegen von Diskriminierung. Zu Recht, findet die Soziologin Gülcan Akkaya von der Hochschule Luzern.

Gülcan Akkaya

Gülcan Akkaya

Dozentin

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Gülcan Akkaya ist Dozentin für Sozialwissenschaften an der Hochschule Luzern HSLU. Die Soziologin und Politologin amtete zuvor während zwölf Jahren als Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus.

SRF News: Warum ist es kritisch, wenn die Nationalität von Verdächtigen offengelegt wird?

Gülcan Akkaya: Die systematische Nennung der Nationalität in den Medienmitteilungen der Polizei scheint aus wissenschaftlicher Perspektive und für das Zusammenleben nicht sinnvoll. Denn es kann Vorurteile und latenten Rassismus gegenüber gewissen Gruppen schüren und vertiefen.

Was sagt die Wissenschaft diesbezüglich genau?

Aus der Kriminalforschung ist bekannt, dass die Nationalitäten-Nennung kein entscheidender Faktor ist, um die Ursachen einer Straftat zu erklären. Schichtzugehörigkeit wie Bildung und Alter spielen eine weitaus grössere Rolle.

Die Nationalitäten-Nennung ist kein entscheidender Faktor, um die Ursachen einer Straftat zu erklären.
Autor: Gülcan Akkaya

Studien aus Deutschland zeigen zudem, dass die Nennung der Nationalität nicht zum Abbau von Vorurteilen führt, sondern die kriminalistische Realität verzerrt und dem Rassismus Vorschub geleistet wird. Es führt auch zu einer Verzerrung, weil die Medien ausländisch klingende Namen häufiger zitieren.

Ist es nicht eine Frage der Transparenz, wenn Nationalitäten genannt werden?

Die Medienschaffenden erhalten bereits heute die Angaben auf Anfrage.
Autor: Gülcan Akkaya

Die Medienschaffenden können sich bereits heute bei der Polizei informieren, und sie erhalten die Angaben. Zugleich gibt es eine jährliche Statistik, die sorgfältig aufgearbeitet wird und sowohl Herkunft und Straftaten im Detail vermerkt.

Was gehört für Sie in eine Polizeimeldung?

Es sollen alle für die Tat relevanten Informationen sein, soweit diese bereits bekannt sind. Das kann je nach Fall auch einmal die Nationalität sein. Aber es ist vielleicht auch einmal das Alter, die soziale Herkunft, die politische Ausrichtung oder sonst ein wichtiger Umstand.

Das Gespräch führte Christine Scheidegger.

SRF 4 News, 08.03.2021, 10:20 Uhr;

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Sam Meier  (tsam39947)
    Wenn die Nationalitäten-Nennung angeblich kein entscheidender Faktor ist um die Ursachen einer Straftat zu erklären, wie kommt es dann, dass in den Gefängnissen mehrheitlich Ausländer bestimmter Nationalitäten sitzen? Das soll also keinen Zusammenhang haben? Zu den für eine Tat relevanten Informationen gehört in jedem Fall auch die Nationalität des Täters.
  • Kommentar von Hans König  (Hans König)
    Grundsätzlich hat die Gesamtbevölkerung das Recht zu wissen, welche Herkunft die Täter haben und was uns diese Verarbeitung durch die Polizei und die Justiz der Taten kosten. Ferner sollte auch offengelegt werden, wessen prozentuale Herkunft die Verurteilten in den Gefängnissen haben und was uns der Strafvollzug kostet. Die Willkommenskultur geht nicht spurlos an uns vorbei!
  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Stimmvolk in ZH hat beschlossen, Nationalitäten-Nennung neu gesetzlicher Standard ist, postwendend kommt Expertin, dass dies nur in Einzelfällen der hohen Wissenschaft entsprechnd sinnvoll sei. Also habe "ungebildetes" Stimmvolk was Nicht-Sinnvolles (=Sinnloses) beschlossen, Polizei wird sich mit Nennung der Nationalität um Sinnloses kümmern. Sollen bei Umsetzung nun Experten zugezogen werden, ob Nennung sinnvoll sei? So soll Volksentscheid umgangen werden. Links-Grünes Demokratieverständnis.
    1. Antwort von Mark Stalden  (Mark)
      Nur weil ihnen das Resultat nicht gefällt müssen sie nicht wieder von Umgangen reden. Es ist nur eine Weitere Niederlage für Symbol Politik der SVP, die Welt dreht sich weiter.
    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Hier spricht ja die Rassismusexpertin und nicht eine Politologin, sprich das Betrachtungsfeld ist auf das Kernthema Rassismus verengt. Politologisch muss man natürlich davon ausgehen, dass eine intransparente Lösung auch Konsequenzen hat, nämlich im Bereich des Populismus und der Radikalisierung. Sprich die einfache Sichtweise der Rassismusexpertin deckt bei weitem nicht das gesamte Wissenschaftsfeld ab, das man an sich betrachten müsste, wenn man eine kompetente Aussage machen wollte!
    3. Antwort von thorsten Koopmann  (Koopmann)
      Nein. MS es ist leider keine Niederlage! Die SVP wollte die initiative nach dem Gegenvorschlag zurückziehen! Die Jungen hatten aber was dagegen! Eine Niederlage ist es für Richard Wolf und alle Gegner
    4. Antwort von Norbert Zeiner  (ZeN)
      Lang: Volk hat entschieden, Mehrheit hat gesagt, sie wolle dieses Verhüllungsverbot. Frage war nicht, welcher Wissenschaft folgend was gemacht oder nicht gemacht werden sollte. In Demokratie haben auch die Wissenschafter sich danach zu richten, was Mehrheit der betroffenen Bevölkerung entschieden hat. In Geschichte gibt es mehr wie genug Beispiele, wo Bevölkerung viel weitsichtiger entschieden hat wie Experten und Politiker.
    5. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @N.Zeiner
      Es geht hier eigentlich nicht um die Verhüllungsinitiative. Mein Hinweis, dass hier die Rassismusexpertin und nicht eine Wissenschaftlerin spricht, stützt ihre Interpretation. Aus der Warte der Wissenschaft gesehen, gibt es viele gute Gründe, warum transparente Kommunikation in der Beziehung zwischen Regierung und Volk Vertrauen schafft. Im wissenschaftlichen Gesamtkontext kann man daher zu einem völlig anderen Schluss kommen, als die im verengten Rassismusfeld denkende Expertin!
    6. Antwort von Sam Meier  (tsam39947)
      Vor allem hat ja das Volk den Gegenvorschlag angenommen und der Publikation der Nationalität zugestimmt. Das ist somit eine Niederlage für die Linken. Wenn die Rassismusexpertin jetzt ihre Meinung kundtut, nützt das nichts mehr, die Abstimmung ist vorbei.