Die Stadt Winterthur hat vorerst keinen Nachfolger für ihren langjährigen Stadtpräsidenten Michael Künzle (Mitte): Kaspar Bopp (SP) und Stefan Fritschi (FDP) müssen in einen zweiten Wahlgang.
Am Sonntag lag Bopp mit lediglich 671 Stimmen vorne – verpasste jedoch das absolute Mehr von 16’885 Stimmen. Damit tritt der Finanzvorsteher erneut gegen Fritschi an. Dessen Wahlkampf erhielt zuletzt unerwartete Aufmerksamkeit: Kurz vor der Abstimmung war Verkehrsvorsteher Fritschi mit dem Streik der Buschauffeure konfrontiert worden und wurde öffentlich beschimpft. Geschadet hat ihm dies offensichtlich nicht.
In der linken Stadt galt Bopp lange als Favorit. Doch Fritschi holte im Verlauf des Wahlkampfs stark auf und überholte Bopp sogar bei der Stadtratswahl, die Voraussetzung für das Präsidium ist. Dort erreichte der Vorsteher der technischen Betriebe den ersten Platz – mit nur 379 Stimmen Vorsprung auf Bopp. Der zweite Wahlgang findet am 10. Mai statt.
Für die GLP verlief der Wahlsonntag enttäuschend: Sie konnte den Sitz der abtretenden Stadträtin Katrin Cometta nicht verteidigen. Die langjährige FDP-Gemeinderätin Romana Heuberger holte den Platz zurück – jenen Sitz, den die FDP 2020 an die GLP verloren hatte. GLP-Kandidat Urs Glättli landete knapp hinter Heuberger auf Platz acht.
Für Heuberger war es bereits der dritte Versuch, in die Exekutive einzuziehen. «Dreimal anzutreten, braucht Mut», sagte die 55-Jährige bei ihrer Nomination. Doch Mut brauche es auch im Stadtrat selbst.
Mitte verteidigt ihren Sitz
Eine weitere Überraschung gelang Mitte-Kandidat Andreas Geering. Der 58-Jährige trat im Wahlkampf eher zurückhaltend auf – und schaffte es dennoch, den frei werdenden Mitte-Sitz von Michael Künzle zu halten.
Die bisherigen Stadträtinnen und Stadträte Martina Blum (Grüne), Nicolas Galladé (SP) und Christa Meier (SP) wurden alle wiedergewählt. Meier, die als Bauvorsteherin immer wieder mit Tempo-30-Projekten für Diskussionen sorgte, landete allerdings deutlich hinter Schulvorsteherin Blum.
Die abflachende Grüne Welle zeigt sich auch im Winterthurer Stadtparlament: Die Grünen verloren bei den Wahlen zwei Sitze und sind neu noch mit sechs Mitgliedern vertreten. Auch FDP und GLP gehören zu den Verlierern. Beide Parteien büssten je einen Sitz ein. Die FDP kommt nun auf acht, die GLP auf sieben Mandate.
Gewinnen konnte hingegen die SP. Sie legte zwei Sitze zu und hält neu 17 Mandate – erobert damit aber nur zwei der drei Sitze zurück, die sie vor vier Jahren verloren hatte.
Auch die Mitte verzeichnet einen Erfolg und gewinnt einen zusätzlichen Sitz. Sie stellt nun fünf Parlamentarier. Einen besonders schlechten Wahlsonntag erlebte die EVP: Sie verlor einen Sitz und damit ihre Fraktionsstärke, für die vier Mandate nötig wären. Die Partei verfügt neu nur noch über drei Sitze.