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Agrar-Initiativen im Hoch Einmal grün, einmal rot

Die Initiativen stossen laut SRG-Umfrage auf grosse Zustimmung. Vor allem eine Vorlage könnte erfolgreich sein.

Eine erste Momentaufnahme zwar, aber mit einer Überraschung: Die beiden Volksinitiativen für eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion aus dem links-grünen Lager stossen in der ersten Meinungsumfrage auf beachtliche Sympathien. Dies hat wohl auch damit zu tun, dass die Anliegen konservative Gefühle ebenso ansprechen, wie den Wunsch nach einer gerechteren Welt.

Das gegnerische Komitee unterscheidet kaum zwischen «Fair Food» und «Ernährungssouveränität» und will beide Initiativen in einer Kampagne bekämpfen – vor allem mit Angst-Argumenten: Die radikale Förderung von Schweizer Produkten erhöhe die Preise und schotte die Schweiz ab. Die Gegner wollen zwei für die Landwirtschaftspolitik lästige Fliegen mit einem Schlag erledigen.

Marktkäufer und Freihandelsgegner

Doch die beiden Anliegen unterscheiden sich schon mit Blick auf die Initianten: «Fair Food» ist ein grünes Anliegen mit breiter Unterstützung bis in die gesellschaftliche Mitte, die sich samstags auf dem Markt trifft und für bessere Qualität bewusst mehr bezahlen will.

Hinter der «Ernährungssouveränität» steht eine linke Allianz unter Führung der Westschweizer Bauerngewerkschaft «Uniterre». Zu den unterstützenden Organisationen gehören «Solidarité sans frontières», die Juso oder die Globalisierungskritiker von Attac Schweiz.

Die Initiative ist denn auch ein frontaler Angriff auf den Freihandel – und fordert eine eigentliche Agrar-Revolution. Die «Ernährungssouveränität» liegt so ganz im Trend der neuen linken Bewegungen in Europa. Rot ist heute zuerst lokal und dann erst international. Damit treffen zum Beispiel auch Jean-Luc Mélenchon in Frankreich, Sahra Wagenknecht in Deutschland oder Yannis Varoufakis in Griechenland den Nerv der Zeit und zielen auch auf potenziell rechte Wähler.

Bessere Chancen für «Fair Food»

Dies zeigt sich auch in der ersten SRG-Umfrage: Die «Ernährungssouveränität» geniesst durchaus Sympathien auch bei SVP-Anhängern. Gemäss Umfrage hat die Initiative aber bereits jetzt ein dezidiertes Nein-Lager mit klarem Potenzial, das Anliegen zu kippen. Mit ihrem etwas moderateren Projekt hat «Fair Food» eher die Chance, den Sympathiebonus bis am 23. September zu halten.

Eine Schlüsselrolle im Abstimmungskampf kommt – neben dem Preis-Argument – der Diskussion um die Freihandelsabkommen zu. Wie viel Nachhaltigkeit kann der Bundesrat bei Produkten aus dem Ausland garantieren. Zu wie viel Swissness kann er das Ausland verknurren. Eine Überraschung am Abstimmungssonntag ist nicht ausgeschlossen.

Georg Häsler

Georg Häsler

Bundeshausredaktor

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Georg Häsler ist SRF-Korrespondent in Serbien und Kosovo sowie Bundeshausredaktor in Bern. Er studierte Klassische Philologie. Seine Spezialgebiete sind Südosteuropa, Sicherheitspolitik und die internationalen Beziehungen.

Legende: Video Die Agrar-Initiativen – Unterschiede und Gemeinsamkeiten abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.08.2018.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Es gibt eine klare Haltung für eine gesunde, lebensfähige Landwirtschaft: "nachhaltig öko-logische", vielseitige, verantwortungsvolle, umsichtige Landwirtschaft! Im "Einklang mit Natur und Tier", zum Wohl der Menschen!! Aber "ohne Chemie und Co"!! Der Mensch ist, was er isst und trinkt"!
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    1. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Das ist genau, was ein ehrlicher, gesunder +lebenswürdiger Mensch tun würde. Es ist einfach, also tun wir es doch. Wenn jeder Schweizer diese Haltung konsequent einhält +nicht für Geld und Macht nachgibt, dann schaffen wir das. Es nützt uns nichts, in der Weltwirtschaft vorne mitzumachen. Mit einer vernünftigen Haltung können wir Verhältnisse schaffen, die vor allem für die Schweiz gut und richtig sind, und nicht für das "Ausland"! Wenn jedes Land vor seiner eigenen Tür wischt, geht's allen gut.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Da versteh einer die Welt: Die SVP will wo immer möglich eine Abschottung erreichen doch wenn’s um das Schweizervolk geht, um Qualität, Lebensqualität, Arbeitsplätze, Sicherheit bekämpft die Rechte die Souveränität, Selbstbestimmung, Eigenständigkeit der Schweiz und hat Angst vor den Konsequenzen der EU? Da versteh einer die Welt.
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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Ich stimme NUR für eine Initiative, wo es den Nutztieren besser gehen soll !! Da hoffe ich stark auf die Schweiz. Die EU und die anderen Länder sind diesbezüglich extrem zu verurteilen.
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