Auf Rosen gebettet im Ruhestand?

Rentnerinnen und Rentner geniessen den Lebensabend ohne finanzielle Sorgen – so die verbreitete Meinung. Doch die Statistik zeigt: In keiner Altersgruppe geht die Schere zwischen Arm und Reich so weit auf.

Zwei Rentnerinnen im Gespräch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Rentenalter ohne Sorgen geniessen? Die Initiative AHVplus kommt am 25. September zur Abstimmung - sie möchte alle AHV-Renten um 10 Prozent anheben. Keystone

Ganz entspannt auf dem Golfplatz und regelmässig am Meer in der Wärme – so sieht der Lebensabend auf der Sonnenseite aus. Auf der Schattenseite drücken finanzielle Sorgen auf die Stimmung in der engen Wohnung. Ferien sind undenkbar und neue Kleider würden das Budget sprengen.

Finanzen im AHV-Alter

  • Genaue Angaben zu den Vermögenssituationen im AHV-Alter gibt es nicht. Über 38% der Pensionierten leben in einem Haushalt mit 100'000 Franken verfügbaren Mitteln und mehr. Doch über ein Drittel von ihnen ist armutsgefährdet.
  • Rund 20% der Pensionierten leben in einem Haushalt mit höchstens 10'000 Franken und haben somit keine finanziellen Reserven.
  • Für die Mehrheit der Pensionierten ist die AHV das wichtigste Einkommen. 38% der Frauen und 19% der Männer haben einzig Einkünfte aus der 1. Säule (AHV und EL). Zusätzlich auf die 2. Säule – die berufliche Vorsorge (BV) – können gut 39% der Frauen und 46% der Männer im Pensionsalter zurückgreifen. Mit der 3. Säule – der freiwilligen, privaten Vorsorge – sorgen ausserdem 22% der Rentnerinnen, respektive 34% der Rentner vor, das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik.

Zwölf von Hundert mit Ergänzungsleistungen

Ergänzungsleistungen zur AHV haben gemäss Bund im letzten Jahr rund 204'000 Personen bezogen. Pro Senectute geht aber davon aus, dass noch mehr Menschen ein Recht auf Ergänzungsleistungen (EL) hätten. Die Schätzung: pro Jahr zusätzliche 10'000 Menschen im Rentenalter.

Am meisten EL-Bezüger im Rentenalter leben im Tessin. Fast ein Fünftel der Pensionierten sind es dort, auch die Westschweizer Kantone sowie Luzern und Basel haben höhere Quoten an EL-Empfängern – das zeigt das «Handbuch Armut in der Schweiz» der Caritas.

In den Kantonen Zug, Wallis, Appenzell Innerhoden und Nidwalden hingegen leben nur wenig AHV-Beziehende mit EL.

Wem würde die Initiative AHVplus helfen?

Bei einem Ja zur Initiative «AHVplus» stiegen alle AHV-Renten um 10%. Der Gewerkschaftsbund, der sie lanciert hat, argumentiert, das würden vor allem Beschäftigte mit tiefen und mittleren Einkommen spüren. Oft sind das Frauen, die mit weniger aus der beruflichen Vorsorge rechnen können und oft auch nicht die Mittel hatten für die private Vorsorge. Im Schnitt hiesse das pro Jahr:

  • zusätzliche 2400 Franken für Alleinstehende
  • zusätzliche 4200 Franken für Ehepaare

Für jene Rentnerinnen und Rentner, die EL zur AHV beziehen, hiesse das, die Mittel aus der EL reduzierten sich um den Betrag, den sie zusätzlich mit der Rente erhielten. Das Einkommen bliebe gleich, argumentiert das Initiativ-Komitee.

Bei 10'000 bis 15'000 Rentnerinnen und Rentnern könnte das zusätzliche Einkommen dazu führen, dass sie die EL-Berechtigung verlören. Das seien Härtefälle, die es bei der Umsetzung der Initiative aufzufangen gelte und zwar so, dass sie keine finanziellen Einbussen hätten, sagen die Initiantinnen und Initianten.

Mehr Rente und doch weniger Geld?

Der Bundesrat hält fest, dass eine grosse Mehrheit der EL-Beziehenden – rund 140'000 Personen – finanziell nicht besser stünde als heute. Rund 49'000 wären besser gestellt, rund 15'000 schlechter, weil sie die EL-Berechtigung verlören und damit auch steuerliche Vorteile und das Anrecht auf Vergünstigungen wie etwa reduzierte Krankenkassen-Prämien.