Zum Inhalt springen
Inhalt

Energiestrategie 2050 Hauseigentümer lassen Subventionen liegen

Der Bund will im Rahmen der Energiestrategie mehr Geld für die Unterstützung der Gebäudesanierungen. Recherchen von «10vor10» zeigen nun: In den letzten Jahren wurde der Topf gar nicht ganz ausgeschöpft. Hauseigentümer holten Hunderte von Millionen Franken nicht ab.

Legende: Video Gebäudeprogramm: Das Geld wird nicht ausgeschöpft abspielen. Laufzeit 04:25 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.04.2017.

Gebäude sind in der Schweiz für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich. Um die Klimaziele zu erreichen, müssen darum zwingend ältere Gebäude saniert werden.

Das Gebäudeprogramm unterstützt Hauseigentümer, die ihre alte Liegenschaft energetisch erneuern. Das Geld stammt aus der CO2-Abgabe auf Heizöl und Gas. Im Rahmen der Energiestrategie steht auch die Zukunft des Gebäudeprogramms auf dem Spiel: Das bis 2019 befristete Programm soll weitergeführt und ausgebaut werden. Heute dürfen aus der CO2-Abgabe höchstens 300 Millionen Franken pro Jahr für Gebäudesanierungen eingesetzt werden. Künftig sollen es 450 Millionen Franken sein.

Subventions-Millionen werden nicht abgeholt

Doch ein Blick in die Statistik des Gebäudeprogramms zeigt: In den letzten Jahren haben Hauseigentümer die Subventionen gar nicht ganz abgeholt. Seit 2013 wurde das Budget für das Gebäudeprogramm von 200 auf 300 Millionen jährlich erhöht.

Statistik des Gebäudeprogramms.
Legende: Statistik des Gebäudeprogramms. SRF

Doch 2015 wurden nur 179 Millionen Franken ausbezahlt. Die Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor. Aber schon jetzt ist klar, dass es nicht mehr als 200 Millionen sein werden.

WWF kritisiert Bund und Kantone

Der WWF kritisiert diesen Zustand: Bund und Kantone müssten das Programm attraktiver machen. «In den ersten Jahren war die Nachfrage riesig. Jetzt müssen Bund und Kantone dafür sorgen, dass das Geld wieder zu denen kommt, die ihr Haus sanieren wollen», fordert Elmar Grosse Ruse, Klimaexperte beim WWF. Fassaden und Dächer dämmen, Fenster mit Mehrfachverglasungen einsetzen oder beim Heizen das Heizöl ersetzen: Das seien wirkungsvolle Massnahmen, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren.

Der WWF verlangt unter anderem, dass die Fördersätze pro gedämmte Fläche wieder erhöht werden. Tatsächlich hat der Bund die Anforderungen für die Subventionen erhöht und die Fördersätze pro Fläche herabgesetzt in den letzten Jahren. Das müsse sich ändern. «Nur so holt man auch wirklich alle Hauseigentümer hinter dem Ofen hervor, die etwas für die Umwelt tun wollen», sagt der Klimaexperte vom WWF.

Keine Vergoldung der Sanierungen

Das Bundesamt für Energie (BfE) widerspricht. Es gehe nicht darum, möglichst den ganzen Betrag auszuschöpfen, sondern die Mittel effizient einzusetzen. «Wir wollen nicht überfördern und jemandem die Sanierung vergolden», sagt Daniel Büchel, Vizedirektor vom BfE. Wichtig sei, sogenannte Mitnahmeeffekte zu vermeiden. Das heisst: Subventionen soll jemand nur für eine Massnahme erhalten, die er nicht sowieso gemacht hätte. Mit der Aufstockung auf 450 Millionen wolle man bereit sein, wenn mehr Mittel gebraucht würden. «Das Geld, das nicht in die Haussanierungen fliesst, geht automatisch in die Verbilligung der Krankenkasse», betont Büchel.

SVP: Viele zahlen, wenige profitieren

Doch die Gegner der Energiestrategie stellen das Gebäudeprogramm generell infrage: Die Last der CO2-Abgabe tragen viele, doch profitieren würden nur wenige. «Von den Subventionen profitieren nur die, die es sich sowieso leisten können», kritisiert SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht. Der Aargauer Nationalrat bekämpft die Energiestrategie und ist auch gegen eine Ausweitung des Gebäudeprogramms. Es gebe Mitnahmeeffekte und auch die Bürokratie rund um das Programm fresse Geld. «Die Balance zwischen denen, die zahlen und denjenigen, die von der Subvention profitieren, stimmt nicht», sagt Hansjörg Knecht.

Finanzierung Gebäudeprogramm

Das Gebäudeprogramm wird aus der CO2-Abgabe auf Heizöl und Gas finanziert. Diese beträgt 22 Rappen pro Liter Heizöl. Ein Drittel der Einnahmen fliesst in das Subventionsprogramm, höchstens 300 Mio. Der Rest wird an die Bevölkerung zurückerstattet über die Krankenkassen: Jeder Versicherte erhält einen Rabatt von 67.80 Fr. auf seiner Jahresprämie.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

38 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Jürgen Baumann (Jürgen Baumann)
    Die Schweizer Energieversorgung ist zu 80% abhängig von Erdöl- und Gaslieferungen aus Ländern wie Russland, Kasachstan oder Libyen. Dafür zahlen wir 13 Milliarden Franken jährlich – 1600 Franken pro Kopf. Das muss nicht sein. Investitionen in den Aufbau eines modernen Energiesystems sorgen für Beschäftigung in der Schweiz und verhindern den einseitigen Mittelabfluss in Milliardenhöhe. Technologischer Fortschritt und Innovation bringen unser Land weiter. Auch dafür steht die Energiestrategie.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Vergessen Sie das mit dem Mittelabluss und der Beschaeftigung, beides wird naemlich genau stattfinden. Kein Zweifel, der Werkplatz Schweiz ist zu teuer. Jeder wird einen Werkplatz suchen der besser ist. Besser ist schon alleine der Ort, wo es keine NGO's oder sonstige Oeko's gibt. ZB. Auch die Solarpanel, auch mit deutlich mehr Wirkungsgrad, wird man letztlich hier in Asien fertigen und sicher nicht bei euch in Europa! Europa & die Schweiz sind definitiv auf dem absteigenden Ast angekommen !
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Empfehlenswerte Literatur für alle Subventionsgläubigen und Politiker (insbesondere Doris Leuthard sollte das mal durchlesen): Prof. Dr. Walter Kortmann: "Subventionen: Die verkannten Nebenwirkungen". Wirtschaftsdienst, Zeitung für Wirtschaftspolitik, Axel Springer Verlag, Ausgabe Juli 2004. Der Artikel ist Online als pdf einsehbar.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Leuthards "Förderprogramm" entspricht einem planwirtschaftlichen Sowjetmodel: Alle alten Häuser am besten abreissen und durch neue ersetzen. Im Endeffekt eine ungeheure Wertvernichtung und eine staatlich geförderte Vernichtung von Ressourcen. Alles brav im Namen des "Umweltschutzes". Wie beim Leuthardschen Tesla. Der ist nämlich nach 5 Jahren nichts mehr wert und wird einfach weggeschmissen. Das Sinnbild der Leuthardschen Dekadenz schlechthin.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jürgen Baumann (Jürgen Baumann)
      Offenbar unterschätzen Sie den Leuthardschen Tesla. Die Fahrzeuge sind selbst gebraucht sehr gesucht. Wer einmal elektrisch unterwegs war, will nie wieder zurück ...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Baumann, bitte missbrauchen Sie nicht Tesla, er war ein bemerkenswerter Wissenschaftler, der heute noch nicht richtig verstanden wird und leider auch noch nicht wirklich respektiert wird in der Wissenschaft.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen