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Energiestrategie 2050 Schweizer Ökonomen fordern mehr Staatseingriffe

Das hat Seltenheitswert: Ökonomen, die sonst gerne weniger Staat und mehr freie Marktwirtschaft fordern, wollen jetzt mehr Staatseingriffe – und zwar im Energiemarkt. Das zeigt eine exklusive Umfrage von SRF Wirtschaft und der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich.

In zwei Monaten entscheidet das Schweizer Stimmvolk über das revidierte Energiegesetz. Es ist das erste von zwei Massnahmepaketen der Energiestrategie 2050 und hat zum Ziel, erneuerbare Energien zu fördern und den Energieverbrauch zu senken.

«Offener Markt kann nicht perfekt funktionieren»

Die Vorlage zur Energiestrategie 2050 ist umstritten und spaltet die Wirtschaftsverbände. Forschende Ökonomen in der Schweiz sind sich einig: Mit je rund 60 Prozent fordert eine klare Mehrheit mehr Massnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und zur Förderung erneuerbarer Energien. Das zeigt eine Umfrage von SRF Wirtschaft und der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, bei der rund 100 Ökonomen aus Forschung und Lehre in der Schweiz teilgenommen haben.

KOF-Chef Jan-Egbert Sturm zeigt sich überrascht von diesem eindeutigen Ergebnis: «Ich habe ein ausgewogeneres Resultat erwartet. Aber wir sehen, dass im Energiesektor ein vollständig offener Markt nicht perfekt funktionieren kann.» Ein gewisses Eingreifen des Staates sei daher notwendig.

Steuern statt Subventionen

Wenn der Staat eingreift, dann soll er das nicht primär über Subventionen, sondern über steuerliche Anreize oder Lenkungsabgaben tun. Das finden rund 90 Prozent der befragten Ökonomen. Das könnte etwa heissen, wer viel Strom verbraucht, soll höhere Steuern zahlen.

Verlierer sind eher kleine Firmen

Ob Subventionen oder Steueranreize: Sobald der Staat eingreife, gebe es Gewinner und Verlierer, sagt Jan-Egbert Sturm. Die Verlierer seien in diesem Fall eher kleine Firmen. Dieser Ansicht sind auch die befragten Ökonomen. Ein Drittel denkt, durch die Förderung erneuerbarer Energien würde die Wettbewerbsfähigkeit kleiner Firmen sinken. Bei den grossen Firmen sind im Vergleich dazu nur ein Fünftel der Ökonomen dieser Meinung.

Weniger eindeutig fiel das Ergebnis zur Frage aus, wie wichtig die Produktion von Strom im Inland ist. Zwei von fünf befragten Ökonomen meinen, dies sei wichtig, etwa gleich viele, wie die inländische Energieerzeugung unwichtig finden.

Legende: Video «Offener Markt kann nicht perfekt funktionieren» abspielen. Laufzeit 02:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.03.2017.

Umfrage Energiestrategie 2050

Zum zweiten Mal hat die SRF Wirtschaftsredaktion zusammen mit der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich eine Umfrage unter Ökonomen durchgeführt. Dieses Mal stand die Schweizer Energiepolitik im Fokus. Rund 100 der gut 400 Ökonomen aus Forschung und Lehre in der Schweiz haben die Fragen beantwortet. Mehr zur Studie finden Sie hier.

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45 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Windkraft finanzieren. Nein Danke. Diese Landschaftsverschandelung ist grauenhaft und schaden den Zugvögel und machen grossen Lärm. Mehr auf Solar- und Wasserkraft setzen. Mehr Massnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und zur Förderung erneuerbarer Energien aber nicht durch EIngriffe vom Vater Staat.
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  • Kommentar von Hans Ochsner (Hans Ochsner)
    Mit Staatseingriffen gegen ein Ungleichgewicht im Energiemarkt, welches durch Staatseingriffe in anderen Ländern verursacht wurde? Z.B. durch die Subventionierung der Produktion von alternativer Energie (Wind und Solar) in Deutschland. M.E. ist das Schwachsinnig, zumindest nicht zu Ende gedacht! Peinlich wenn Oekonomen solche Standpunkte vertreten!
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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Das neue AKW in England erhält insgesamt eine Subvention von 145 Milliarden Pfund und hat eine Bauzeit von mindestens 10 Jahren. Mit diesem Betrag kann man über 10 mal so viel Windkraft finanzieren. Das heisst: Wesentlich mehr Brennstoffverbrauchsreduktion in viel kürzerer Zeit, mehr Versorgungssicherheit, keine teure Energieträgerimportabhängigkeit, keine horrenden Rückbau- und keine Endlagerkosten, kein Kühlwasserbedarf und keine unbezahlbaren Restrisiken.
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