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Erbschaftssteuer-Initiative Erbschaftssteuer-Initiative lässt KMU zittern

30 Prozent des Reichtums der Schweiz sind auf nur gerade 27'000 Personen verteilt. Das sind 0,5 Prozent der Bevölkerung. Ein Komitee aus EVP, Linken und Gewerkschaften will diese Vermögens-Konzentration mit einer Erbschaftssteuer-Initiative mindern. Die Initianten treffen damit auch KMU.

Blick über Industrieanlage
Legende: Bei Bertschi weiss man nicht, wie man eine allfällige Erbschaftssteuer bei einem Erbgang bezahlen würde. SRF

Das weltweite Vermögen summiert sich gemäss dem Wealth-X-Vermögensbericht auf 232 Billionen Dollar. Ein grosser Anteil ist auf sehr wenige Personen verteilt: Ein Drittel des Geldes konzentriert sich auf 16 Millionen Menschen, das sind gerade einmal 0,3 Prozent der Weltbevölkerung.

Im Vergleich dazu ist der Reichtum in der Schweiz zwar weniger ungleich verteilt. Die Tendenz geht hier aber in die gleiche Richtung. Das zeigt ein Blick in die Vermögensstatistik der Eidgenössischen Steuerverwaltung. 1969 verteilte sich rund ein Drittel des Schweizer Reichtums noch auf 1,1 Prozent der Bevölkerung. 1997 war das Drittel in den Händen von nur noch 0,65 Prozent, 2011 von 0,54 Prozent.

Die Angst vor «Clans»

Die ungleiche Verteilung der Vermögen führe zu einer Kluft in der Gesellschaft, sagt Hans Kissling, Mitglied des Initiativ-Komitees und ehemaliger Chef des Zürcher Statistikamtes. Er befürchtet die Entstehung von «Clans»: «Die Unterschiede werden so gross, dass eine Schicht entsteht, die völlig abgelöst ist von der übrigen Bevölkerung, mit eigenen Schulen, eigenen Spitälern, einer eigenen Kultur».

Legende: Video Hans Kissling zur Umverteilung zugunsten der AHV abspielen. Laufzeit 00:49 Minuten.
Aus ECO vom 08.12.2014.

Allerdings: Pensionskassen-Guthaben erscheinen in der Vermögensstatistik nicht. Diese Guthaben sind gleichmässiger verteilt als die Reinvermögen, deshalb überschätzt die Statistik die Vermögens-Konzentration.

Dessen ungeachtet will ein Komitee mit Mitgliedern aus SP, Grünen, EVP, CVP und Gewerkschaftsbund das vorhandene Geld gerechter verteilen. Mit der Erbschaftssteuer-Initiative fordern sie, dass Erbschaften ab einem Freibetrag von 2 Millionen Franken mit 20 Prozent besteuert werden. Das Geld soll zu zwei Dritteln der AHV zugute kommen, zu einem Drittel den Kantonen. Bundesrat und Ständerat lehnen das Vorhaben ab, der Nationalrat debattiert heute Montag darüber.

KMU befürchten Notverkauf oder Verschuldung

Mit ihrem Vorhaben schrecken die Initianten Unternehmer auf, etwa Hans-Jörg Bertschi, Chef des Logistik-Betriebs Bertschi AG. «Wir haben als mittelständisches Unternehmen alle Mittel immer in die Entwicklung der Firma investiert, in die Weiterentwicklung und den Aufbau von Arbeitsplätzen», sagt Bertschi. Deshalb seien die Mittel gar nicht verfügbar, um eine allfällige Erbschaftssteuer bei einem Erbgang zu bezahlen, ohne wesentliche Teile der Firma zu verkaufen oder sich bei Banken massiv zu verschulden.

Hans-Jörg Bertschi engagiert sich zusammen mit anderen Unternehmern gegen die Erbschaftssteuer-Initiative in der «Unternehmergruppe Nein zur Bundeserbschaftssteuer».

Die Initiative sieht für Unternehmen, die vererbt werden, zwar einen höheren Freibetrag und tiefere Sätze vor. Sie knüpft die Steuererleichterung aber an die Bedingung, dass das Unternehmen von den Erben mindestens zehn Jahre weitergeführt wird.

Hans Kissling geht zwar davon aus, dass drei Viertel aller KMU von einer Erbschaftssteuer nicht betroffen wären. «Wir können uns vorstellen, dass der Freibetrag etwa 50 Millionen Franken beträgt und der Steuersatz nur 5 Prozent», so Kissling. Bei einem Ja zur Initiative würde allerdings das Parlament die Eckwerte festlegen.

«Grosse Unsicherheit»

«Grosse Unsicherheit»

Rund 1000 Betriebe antworteten der Stiftung KMU Next auf eine Umfrage zur Erbschaftssteuer-Initiative. Die Hälfte von ihnen plant, die Nachfolge familienintern zu regeln. Diese wären somit betroffen von einer allfälligen Erbschaftssteuer. Laut Geschäftsführer Lieni Füglistaller habe die Initiative zu grosser Unsicherheit geführt. Zum Interview

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler, Langnau am Albis
    Als gutverdienender Beamter, der noch nie real der Schweiz einen substanziellen Zuwachs gebracht hat, kann Herr Kissing sich für Erbschaftssteuern einsetzen. Diese ist aber unproduktiv, weil sie dem Geldkreislauf gutes Geld entzieht. Richtiger wäre es dem Geldkreislauf durch eine Kapitalgewinnsteuer die Spekulationsgewinne zu entziehen, die Leid verursachen. Bei Grundstücken ist dies mit der Grundstücksgewinnsteuer bereits geschehen.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Die Argumentation mit der Angst um die KMU ist wie bei der Unternehmenssteuerreform II nur vorgeschoben von den Bürgerlichen und Handlanger der Reichen, um deren Reichtum zu schützen. Reine Angstmacherei. Im Parlament wird die angenommene Initiative sicher KMU-freundlich gestaltet werden können. Wird die Initiative abgelehnt, ist dem CH-Volk nicht mehr zu helfen. Die Menschen lieben es offenbar, ausgebeutet und mit Scheinargumenten geknechtet zu werden. Wer's nicht kapiert muss halt leiden.
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  • Kommentar von D. Eber, Rheinfelden
    Die Sozialisten sind alles andere als Sozial, der Gegentail ist der Fall. Ich frage mich nur wo wir angekommen sind und wielange es geht, bis die Sozialisten realisieren, dass diese an den Leuten vorbei Politisieren.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Und ich frage mich, wie lange und welche Katastrophen es noch braucht, dass realisiert wird wie das heutige Wirtschaftssystem die Gesellschaft an die Wand fährt. Sogar die OECD hat es realisiert: je ungleicher die Verteilung, desto schlechter für die wirtschaftliche Entwicklung. Kapitalismuskritik ist übrigens nicht = Sozialismus. Es gibt auch andere Reformideen.
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