Zum Inhalt springen
Inhalt

Erbschaftssteuer-Initiative Gehört ein Erbe der Familie oder auch ein bisschen dem Staat?

Die Initiative «Millionen-Erbschaften besteuern für unsere AHV» hat zum Ziel, das so genannte Volksvermögen in der Schweiz anders zu verteilen. Die Ärmeren sollen von den Erbschaften der Begüterten via AHV profitieren. Und Nachlässe von weniger als zwei Millionen Franken wären steuerfrei.

Broschüre: Wegleitung in einem Todesfall
Legende: Wer erbt was? Diese Frage soll mit der Initiative national geklärt werden. Keystone/Archiv

Das private Volksvermögen in der Schweiz beträgt laut dem Initiativkomitee 15‘000 Milliarden Franken. Davon gehörte im Jahr 2011 ein Anteil von 40 Prozent einem einzigen Prozent der Steuerzahlenden. Nimmt man die zwei reichsten Prozent der Steuerpflichtigen, besitzen sie einen Anteil von 50 Prozent am Volksvermögen in der Schweiz. Diese Berechnungen stammen von Angaben des eidgenössischen Steueramts, des Global Wealth Report der Credit Suisse und Magazins «Bilanz».

Dagegen besitzen rund 56 Prozent der Steuerpflichtigen gemäss der Steuerverwaltung weniger als 50‘000 Franken Vermögen, und 26 Prozent der Steuerpflichtigen besitzen überhaupt kein Vermögen. Diese Verteilung des Vermögens sei ungerecht, schreibt das Initiativkomitee der Erbschaftssteuer-Initiative. Es sieht einen Ansatz in der Reform des Erbschaftssteuerrechts mit rückwirkenden Bestimmungen zur Schenkungssteuer.

Der Vorschlag will ab einem Erbe von zwei Millionen Franken eine nationale Erbschaftssteuer einführen, die 20 Prozent betragen und deren Ertrag zu zwei Dritteln in die AHV fliesst und zu einem Drittel an die Kantone geht. Für KMUs und Landwirtschaftsbetriebe sollen andere Regeln gelten. Die bis anhin geltenden kantonalen Erbschafts- und Schenkungssteuern würden damit aufgehoben. Die Kantone würden die Finanzautonomie in diesem Bereich verlieren.

Ärmere Nachkommen erben weiter steuerfrei

Dass die direkten Nachkommen eines Erblassers bei Beträgen von über zwei Millionen nicht mehr steuerfrei beerbt würden, erachtet das Komitee als richtig; damit werde eine breitere Verteilung des Besitzes angestrebt. Denn die Steuerbefreiung von Abkömmlingen führe zu einer Konzentration des Vermögens in einzelnen Familien.

Um Familienunternehmen und KMU von diesem Effekt bewusst auszunehmen, wird das Parlament nach Annahme der Initiative einen Vererbungsfreibetrag festlegen, der gewährleistet, dass kleine und mittlere Betriebe steuerfrei an die nächste Generation übertragen werden können.

Entlastet würden bei Annahme der Initiative die kleinen und mittleren Erbschaften Dritter; da nur Nachlässe von mehr als zwei Millionen Franken besteuert würden, fielen sie unter diese Grenze.

Würden die Reichen wegziehen?

Der Bundesrat und das Parlament haben sich gegen die Initiative entschieden. Zwar erhielte die AHV von der Erbschafts- und Schenkungssteuer einen Zustupf, doch damit könnten die Finanzierungsprobleme nicht gelöst werden. Der Bundesrat hingegen wolle eine dauerhafte und nachhaltige Lösung für die AHV, wie er im Abstimmungsbüchlein schreibt.

Die Einschränkung der Finanzhoheit der Kantone will der Bundesrat nicht hinnehmen. Und er ist der Meinung, dass mit einer Regelung, wie sie das Initiativkomitee vorsieht, die Entscheidung der Kantone, direkte Abkömmlinge von einer Erbschaftssteuer zu befreien, umgangen wird.

Die Einführung einer einheitlichen Steuer von 20 Prozent auf Erbschaften von über zwei Millionen Franken würde bei den meisten Erbgängen zu einer höheren Steuerbelastung, und schlimmstenfalls würden die vermögenden Personen deshalb aus der Schweiz wegziehen oder gar nie in die Schweiz ziehen wollen, schreibt der Bundesrat. Auf den Standort Schweiz würde sich eine solche Entwicklung deshalb negativ auswirken.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

86 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Die Linken und Grünen befürworten natürlich die Erbschaftssteuer, sprich Mehrfachsteuer, damit sie noch mehr am Staatsnuggi saugen können. Betreffend Mehrfachstier: Die Erbschaftssteuer ist nichts anderes als eine zusätzliche Steuer, die bereits als Einkommens- und Vermögenssteuer erhoben wurde. Die Erbschaftsteuer ist deshalb strikte abzulehnen, weil sie zudem der Wirtschaft schadet. Die linken und grünen Fantasten sollten endlich auf den Boden der Realität zurückkehren. .
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von F.Fischer, Basel
    Haben sich die Gegner hier auch schon die Frage gestellt wie die Vermögensumschichtung gebremst werden kann? Warum Arbeit härter als Vermögen besteuert wird? Wie die AHV zusätzlich finanziert werden soll (Überalterung der Bevölkerung)? Wie grosse Vermögen entstehen, wenn nicht tausende von Arbeitern dahinter stehen würden? Es scheint mir, dass viele Gegner mit den dünnen Argumenten aus Parteiparolen kämpfen. Wer gibt aber diese Parteiparolen raus? Die Bonzen am Zürichsee die für das Volk denken?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von W. Helfer, Zürich
      F. Fischer. Haben sich die Befürworter auch schon die Frage gestellt, wie man erfundenes Vermögen bremsen kann? Finden Sie es etwa fair, dass erfundenes Vermögen versteuert werden muss? Finden Sie es fair, dass irgendwelche Schreibtischtäter, resp. geldgiere Abzocker einfach behaupten können, was Eigenheimbesitzer für ein Vermögen haben? Wo stehen tausende Arbeiter hinter den erfundenen Vermögen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Wer gegen diese Steuer ist, will zusätzlich in die AHV zahlen, ändert das Geldverschwenden in Bern nicht, ändert die rassant ansteigende Vermögensumschichtung nicht, geht Parteiparolen der Parteioligarchen aus FDP u. SVP auf den Leim und löst auch nicht das Problem von rückwirkenden Initiativen welche heute rechtens sind. 98% der Schweizer sollten den Fokus nicht aus dem Auge verlieren und der ist die Vermögensumschichtung zu bremsen und die AHV zu unterstützen. Die Logik kann nur ein JA sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen