Zum Inhalt springen
Inhalt

Keine Änderungen für Bauern Deutliches Nein zur Initiative für Ernährungssouveränität

Die Schweizer Agrarpolitik wird nicht umgepflügt. 68,4 Prozent der Stimmbürger verwerfen die Vorlage an der Urne.

Initiative für Ernährungssouveränität

Eidg. Vorlage: Volksinitiative «Für Ernährungssouveränität. Die Landwirtschaft betrifft uns alle»

 

  • JA

    31.6%

    628'463 Stimmen

  • NEIN

    68.4%

    1'358'712 Stimmen

Standesstimmen

  • JA

    4.0

  • NEIN

    19.0

Die Initiative für Ernährungssouveränität ist gescheitert. 68,4 Prozent haben Nein gesagt zur Initiative, die eine kleinbäuerliche Landwirtschaft und faire Preise verlangt hat.

Knapp 628'500 Stimmende sagten Ja zur Verfassungsänderung, 1'358'700 sprachen sich dagegen aus. Das Ständemehr verfehlte die Initiative ebenfalls klar: Nur vier Kantone sprachen sich für die Initiative der Bauerngewerkschaft Uniterre aus. Es handelt sich um vier Westschweizer Kantone.

Deutschschweiz sagt Nein

Der Kanton Genf nahm die Initiative mit 60 Prozent an, Waadt mit 57,1 Prozent. Ja stimmten auch die Kantone Jura (54,1 %) und Neuenburg (52,7 %). Freiburg, das Wallis und das Tessin lehnten die Initiative zwar ab, jedoch mit tieferen Nein-Stimmenanteilen als alle Deutschschweizer Kantone.

Die Deutschschweiz lehnte die Initiative geschlossen ab, teils mit sehr hohen Nein-Stimmenanteilen. Obwalden lehnte das Anliegen mit 84 Prozent ab, Nidwalden mit 82,2 Prozent, Schwyz mit 82,1 Prozent. Die Stimmbeteiligung betrug landesweit 36,7 Prozent.

Preisaufschläge befürchtet

Die Ablehnung hatte sich abgezeichnet. In den ersten Umfragen sprach sich zwar noch eine grosse Mehrheit für die Initiative der Bauerngewerkschaft Uniterre aus. Ganz zu Beginn schien das Anliegen vielen sympathisch, doch letztlich stimmten die meisten doch mit dem Portemonnaie ab.

Das Argument der Gegner, die Lebensmittelpreise würden steigen, hatte sich im Lauf der Abstimmungskampagne durchgesetzt. Von Preisaufschlägen um bis zu 50 Prozent war die Rede. Das würde die Bürger hart treffen, warnte Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann.

Schwerer Stand für Initiativen

Initiativen haben es wieder deutlich schwerer an der Urne als auch schon. Waren zwischen 2002 und 2014 noch zehn Volksbegehren erfolgreich, schaffte seither kein einziges mehr die Abstimmungshürde.

Wie die beiden Landwirtschafts-Initiativen am Wochenende gehen im Schnitt neun von zehn Volksbegehren an der Urne bachab. Nur 22 von ihnen fanden in der bald 130-jährigen Geschichte des Initiativrechts Gnade bei den Stimmberechtigten. 191 scheiterten.

Die letzte erfolgreiche Initiative war die im Mai 2014 von Volk und Ständen angenommene Pädophilen-Initiative. Drei Monate zuvor hatten Bundesrat und Parlament mit dem Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative eine historische Schlappe erlitten.

Schachzug des Bundesrats

SRF-Bundeshaus-Korrespondent Christoph Nufer glaubt an ein «Trickli» des Bundesrats, der die beiden Vorlagen «Fair Food» und «Ernährungssouveränität» gemeinsam vors Volk gebracht hat. Der Bundesrat lehnte beide Vorlagen im Vorfeld ab. Durch den Schachzug habe er den Gegnern ein doppeltes Nein ermöglicht, glaubt Nufer. Grünen-Präsidentin Regula Rytz habe noch interveniert, doch ohne Erfolg.

Legende: Video Einschätzungen von Bundeshausredaktor Christoph Nufer abspielen. Laufzeit 02:33 Minuten.
Aus News-Clip vom 23.09.2018.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beno Trütsch (benotruetsch)
    Eine gesunde umweltverträgliche Schweizer Landwirtschaft liegt mir sehr am Herzen. Als ich jedoch den Initiativtext gelesen habe, standen mir die Haare zu Berge. Ich bin nun sehr erleichtert, dass dies so deutlich abgelehnt wurde. Allen die Ja gestimmt haben und allen anderen denen die Schweizer Landwirtschaft wichtig ist, empfehle ich: Kauft Schweizer Lebensmittel (ob Bio oder IP-Swiss, spielt nicht so eine Rolle) und geht auch mal beim Bauern direkt vorbei.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Raymond Klaus (Ray)
    Sogar mit der Werbung wurden falsche Aussagen und Informationen verbreitet. Abstimmungen werden langsam überflüssig.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Der letzte tenenzioese Propagandaschlag fuer die Hirnwaesche der Urnenwaehler. Dass es um das Verhindern des Verhungerns im Blockadefall geht, wird verschwiegen. Fuer den Aufwuchs und die Umstellung von Cowboyviehwirtschaft auf Ackerbau brauchts nicht nur genug Flaeche, sondern auch genug Bauern....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Mattias Derungs (Mattias Cristian Derungs)
      Abstimmung werden heutzutage nur noch mit Angstmacherei entschieden! In diesem Fall wurde dem Volk einmal mehr Sand in die Augen gestreut, indem man vor angeblichen Preissteigerungen warnte, was in Tat und Wahrheit überhaupt nicht zutreffen würde. Aber die wesentlichen Dinge wurden einmal mehr verschwiegen z.B. das der Selbstversorgungsgrad gerade mal bei ca. 50% liegt d.h. im Fall wirtschaftlicher EU-Sanktionen nicht einfach von heute auf morgen erhöht werden kann, mangels notw. Ressourcen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Patrik Müller (P.Müller)
      @ derungs: 30% der produzierten Lebensmittel werden heute weggeworfen. Wenn es ernst wird dürfen halt anstelle neuseeländischer Kiwia, argentinischer Rinder oder kalifornischer Ananas, halt zwei mal die Woche Kartoffeln auf den Teller. Ist nicht ungesund.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen