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Rennen trotzdem offen Überraschend hohe Zustimmung zur Ernährungssouveränität

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Initiative für Ernährungssouveränität geniesst Anfang August eine hohe Zustimmung. Die Ablehnung dürfte im Abstimmungskampf aber noch stärker werden.
  • Argumente für die Zustimmung sind der Schutz des Bodens für künftige Generationen sowie der Wille, das Bauernsterben zu stoppen.
  • Zum Befragungszeitpunkt stimmten Anhänger sämtlicher Parteien der Initiative zu. Die Meinungsbildung ist jedoch noch nicht weit fortgeschritten.
Legende: Video Die Initiative für Ernährungssouveränität kurz erklärt abspielen. Laufzeit 00:40 Minuten.
Aus News-Clip vom 02.03.2018.

Neben zwei weiteren Vorlagen stimmen die Schweizer am 23. September über die Initiative zur Ernährungssouveränität ab. Anfang August hätten 75 Prozent der Stimmberechtigten die Initiative angenommen. Dagegen waren zum gleichen Zeitpunkt 22 Prozent, wie die Umfrage zeigt, die das Institut gfs.bern im Auftrag der SRG durchgeführt hat.

Ausgang lässt sich nicht vorhersagen

Eine so hohe Zustimmung haben selbst Initiativen, die später angenommen werden, kaum am Anfang eines Abstimmungskampfes. Dennoch ist der Ausgang der Abstimmung alles andere als gewiss. Denn die Meinungsbildung ist noch nicht weit fortgeschritten. Das liege daran, dass bisher kaum über die Initiative debattiert worden sei und auch die Kampagne erst jetzt – nach der Ferienzeit – anlaufe, sagt Politikwissenschafterin Martina Mousson von gfs.bern.

Legende: Video Martina Mousson: «Es ist noch kein Schwung in den Kampagnen» abspielen. Laufzeit 00:12 Minuten.
Aus News-Clip vom 16.08.2018.

Der Nein-Anteil dürfte deshalb zunehmen, je intensiver die Debatte wird. Entscheidend wird sein, wie viele der Stimmenden, die zurzeit nicht bestimmt, sondern nur «eher für» die Initiative sind, sich von den Argumenten des Nein-Lagers überzeugen lassen. Ihr Anteil ist mit 39 Prozent relativ hoch.

Je länger der Abstimmungskampf dauert, desto wichtiger werden die Argumente. Besonders das Argument, landwirtschaftliche Produkte könnten nach Annahme der Initiative mehr kosten, könnte wichtig werden. Denn Anfang war die Zustimmung zur Initiative bei den Haushalten mit den tiefsten Einkommen am grössten. Haushalte der höchsten Einkommensklasse stimmten der Initiative hingegen am wenigsten zu.

Legende: Video Martina Mousson: «Man möchte den Boden schützen und das Bauernsterben stoppen» abspielen. Laufzeit 00:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 16.08.2018.

Dass die Initiative den landwirtschaftlichen Boden für künftige Generationen schütze, ist das Argument, das bei den Befragten die höchste Zustimmung geniesst. Auch die Aussage, dass die Initiative das Bauernsterben bremsen könne, kommt bei den Befragten an.

Stimmabsichten schwach abgestützt

Von den Gegenargumenten überzeugt insbesondere die Aussage, Schweizer Konsumenten seien mündig und könnten selber entscheiden, was auf den Teller komme. Die argumentative Abstützung der Stimmabsichten sei jedoch schwach, halten die Studienleiter fest.

Zum Befragungszeitpunkt stimmten die Anhänger aller grossen Parteien der Initiative zu. CVP und FDP sind allerdings gespaltener als die Linksparteien und die SVP. Die SVP-Anhänger könnten deshalb eine entscheidende Rolle spielen, sagt Politikwissenschafter Lukas Golder von gfs.bern – je nach dem, ob sie auf der Seite der Bauern bleiben oder nicht.

Legende: Video Lukas Golder: «SVP-Anhänger sind wohl entscheidend» abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus News-Clip vom 16.08.2018.

So befragt das Institut gfs.bern

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Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 30. Juli und 10. August 2018 durchgeführt. Befragt wurden 1200 stimmberechtigte Personen mit Wohnsitz in der Schweiz: 700 Personen aus der Deutschschweiz, 300 aus der Romandie und 200 aus der italienischsprachigen Schweiz.

Die Stichprobe ist sprachregional gewichtet und repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten. Der statistische Fehler bei der gesamten Stichprobengrösse beträgt ± 2,9 Prozentpunkte.

Bei 1200 Befragten und einem Befragungsergebnis von 50 Prozent liegt der effektive Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 47,1 und 52,9 Prozent. Dabei sind kleinere Abweichungen wahrscheinlicher, grössere unwahrscheinlicher.

Wie wird gefragt?

Alle Interviews wurden telefonisch durchgeführt, mehrheitlich per Festnetz, aber auch per Handy. Die befragten Stimmberechtigten hatten jeweils fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung: «bestimmt dafür», «eher dafür», «weiss nicht/keine Antwort», «bestimmt dagegen» und «eher dagegen».

Für eine vereinfachte Darstellung im Artikel wurden in den meisten Fällen die Antworten «bestimmt dafür» und «eher dafür» zusammengezählt – entsprechend wurde auch mit den Antworten «bestimmt dagegen» und «eher dagegen» verfahren.

Konkret wurde etwa gefragt: «Ganz unabhängig davon, wie sicher Sie sind, dass Sie an dieser Volksabstimmung teilnehmen würden: Wenn morgen schon über die Vorlage abgestimmt würde, wären Sie dann bestimmt dafür, eher dafür, eher dagegen oder bestimmt dagegen?»

Umfragen sind Momentaufnahmen

Das Forschungsinstitut gfs.bern führt zwei Umfragen zur Abstimmung vom 23. September 2018 durch. Die erste Umfrage, wie sie jetzt vorliegt, ist eine Momentaufnahme und widerspiegelt die gegenwärtige Situation, wie die Autoren betonen: Die Ergebnisse seien kein vorweg genommenes Abstimmungsergebnis; sie geben den Stand der Meinungsbildung nach Eröffnung des Abstimmungskampfes wieder. Erst nach Vorliegen der zweiten Befragung sind allenfalls Aussagen über den Trend möglich.

Detaillierte Informationen zur Befragungsart und den Interpretationen der Ergebnisse finden Sie auf der Site des Instituts gfs.bern, Link öffnet in einem neuen Fenster.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von pius winiger (süsse maus)
    Der heutige moderne CH-Bauer muss sehr multifunktional denken. Seine Zukunft liegt zunehmend in der Landschaftspflege. Besonders in der Bergen/im Jura verschiebt sich die Kernaufgabe in diese Richtung. Erhaltung der Biodiversität soll ihre Kernaufgabe sein. Davon ist der Mittellandlandwirt zu unterscheiden. Dort ist die Nahrungsmittelproduktion noch einigermassen rentabel. Jedoch nur solange wie Monokulturen bzw. Massenhaltung aufrecht gehalten werden & die Ökologie mehrheitlich ignoriert wird.
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    1. Antwort von pius winiger (süsse maus)
      ...was allerdings nicht sehr nachhaltig ist. Es ist deshalb zu wünschen, dass sich die Agrarwirtschaft europaweit und global schnell in eine vernünftige Richtung entwickelt. Die Schweiz kann hier vorangehen und auf dem Markt eine Vorreiterrolle einnehmen. Dafür müssen aber die Bürger dieses Landes diese Veränderung angehen, Verantwortung übernehmen und folglich mit der Initiative ein Zeichen setzen.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Mit Abstand am wichtigsten ist die Ernaehrungssuveraenitaet. Aber dieses Argument wird in der veroeffentlichten Meinung sorgfaeltig unterschlagen....
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    1. Antwort von Peter Singer (P.S.)
      Dann aber bitte kein Fleisch mehr essen. Nur noch Kartoffeln und vielleicht noch Bohnen. Nein mit Ernährungssouveränität hat die Initiative nichts zu tun. Einige unproduktiven Grossbauern wollen sich bloss noch mehr bereichern durch die Bürger.
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  • Kommentar von Peter Singer (P.S.)
    Natürlich denken die Leute hier an den netten Kleinbauern. Aber tatsächlich schenknen wir jährlich Milliarden an Grossbauern, um ein Geschäftsmodell am Leben zu erhalten, das schlicht nicht rentabel ist. Die Grossbauern werden so immer reicher und immer unproduktiver.
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    1. Antwort von August Meier (And007)
      Meine Erfahrungen bestätigen ihre Aussage zu 100%. Eine Handvoll Grossbauern kassiert heute schon über 80 Prozent der Subventionen. Und selbst wenn wir zu dieser Initiative ja sagen werden wir im Krisenfall keine Ernährungssicherheit haben. Unflexible, sozialistisch- sowjetisch geprägte Produktion hat sich noch in keinem einzigen Fall in Krisen bewährt.
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