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Heiratsstrafe «Wir zahlen über 4000 Franken Heiratsstrafe»

Rund 80'000 Ehepaare in der Schweiz sind von der Heiratsstrafe betroffen. Das heisst, beide sind berufstätig, und sie müssen mehr Steuern bezahlen als ein Paar im Konkubinat. Besuch bei einem Ehepaar, das von einem Ja zur CVP-Initiative gegen die Heiratsstrafe profitieren würde.

Ein Mann und eine Frau gehen an einem Plakat vorbei, das für ein Ja zur Initiative gegen die Heiratsstrafe wirbt.
Legende: «Unser Steuersystem sollte grundsätzlich für alle gerecht sein», sagt Beat Häfeli (Symbolbild). Keystone

Altstadt von Olten, eine grosse Duplexwohnung im vierten Stock. Auf der einen Seite sieht man historische Häuser, auf der anderen schweift der Blick über die Aare. Hier wohnen Chantal Müller und Beat Häfeli. Ihre Abstimmungscouverts haben beide schon abgeschickt. Natürlich hätten sie der CVP-Initiative gegen die Heiratsstrafe zugestimmt, sagt Müller. «Als wir vor zweieinhalb Jahren heirateten, war uns bewusst, dass wir deswegen mehr Steuern bezahlen. Aber das ist einfach nicht gerecht.»

«System sollte für alle gerecht sein»

Die Buchhalterin, die auch für Bekannte Steuererklärungen ausfüllt, kann genau beziffern, um wie viel höher die Steuerrechnung durch ihre Heirat ausfällt. «Wir zahlen gut 4000 Franken mehr Steuern, weil wir verheiratet sind.» Insgesamt liefern die beiden pro Jahr dem Steueramt 45'000 Franken ab. Entsprechend gut verdienen sie in ihren Jobs. Sie arbeiten in Leitungspositionen an zwei Schulen.

Linke Politikerinnen und Politiker kritisieren denn auch, die CVP-Initiative sei vor allem für die Reichen. Häfeli lässt dieses Argument nicht gelten: «Unser Steuersystem sollte grundsätzlich für alle gerecht sein.»

Als ungerecht empfinden jedoch Kritikerinnen und Kritiker die Initiative, weil sie die Ehe als Gemeinschaft zwischen Mann und Frau definiert. Die Homo-Ehe wäre damit definitiv vom Tisch, lautet die Befürchtung. Müller hat dafür Verständnis. Aber die Verfassung könne ja später wieder angepasst werden. «Das hat primär nichts mit dieser Abstimmung zu tun.»

Weniger AHV-Rente

Müller ist 49, Häfeli 54 Jahre alt. Sie werden noch einige Jahre arbeiten. Mit der Pensionierung warte aber bereits die nächste Ungerechtigkeit, sagen sie. Denn die AHV bezahlt Ehepaaren höchstens 150 Prozent der Maximalrente. Konkubinatspaare erhalten bis zu 200 Prozent.

Müller und Häfeli wären enttäuscht, wenn die Initiative am 28. Februar abgelehnt würde. «Ich könnte es nicht nachvollziehen», sagt Müller. Einen Trost gäbe es für sie: Der Bundesrat will, unabhängig von der Initiative, Zweiverdiener-Ehepaare bei den Bundessteuern – wo die Heiratsstrafe heute fast ausschliesslich besteht – entlasten. So oder so: «Wir würden uns bei einem Nein nicht scheiden lassen», sagt Häfeli.

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Edwin Habegger (vonwegen)
    VOAUSSEHBAR ! Was 'gut betuchte' Doppelverdiener - Ehepaare allenfalls künftig weniger an Bundessteuern zahlen, wird schliesslich auch Ehepaaren mit geringem Einkommen - nicht nur einzeln Steuerpflichtigen - über erhöhte Steuersätze in Rechnung gestellt. Ob diese hier von manchen „treu beschworene“ Gerechtigkeit dann noch ist was sie ihrem Publikum heute verspricht ? ! Ein weiterer Abbau von Solidarität in diesem Staat wird es auf jeden Fall sein bei Annahme dieser Initiative.
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Wieso steht nicht, dass die beiden mal ganz heftig bei den Erbschaftssteuern sparen werden, wenn eineR stirbt? Der Unterschied beträgt im Kanton Solothurn 30 %! Sie verdienen beide klar über 120'000.- und bilden sicher Vermögen. Sie müssen ziemlich lange leben, damit sie mit der Erbschaftssteuer insgesamt wirklich «bestraft» werden fürs Heiraten. Bitte alle Fakten zu den Steuern liefern, nicht nur die Einkommenssteuer!
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    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      A. Bauer mag sein, dass sie keine Erbschaftssteuer zahlen, da der Betrag aufgeteilt wird auf die Anzahl Kinder. Woher wissen Sie, dass die Eheleute, nur alles gut Betuchte sein sollen.Habe ein Beispiel, in früheren Jahren arbeitete die Ehefrau als Aushilfe im Stundenlohn, dies reichte nicht für die Pensionskasse. So fällt die Pension einer Ehefrau z.B. Verkäuferin aus. Erbschaftssteuer bezahlt man, bei Ableben deren Eltern, z.B Vater/Mutter von Verheirateten Paare, gilt für beide Seiten.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Das ist neu: Dass die Initianten nur mit halbem Herzen hinter ihrer eigenen Initiative stehen. Beispiel: Das in der initiative verankerte Familienbild Mann und Frau ist für die Befürworter der Ehevielfalt ein Stolperstein. Da könnte man diesbezüglich später eine neue Initiative starten, beruhigen die Initiatoren. . Die CVP ist halt doch eine Windfahnenpartei.
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