Initiative gegen Nahrungsmittel-Spekulation mit Ja-Vorsprung

Befürworter der Initiative haben mit einem Ja-Anteil von 48 Prozent die Nase vorn. Unterstützung erhält die Juso-Vorlage gemäss SRG-Umfrage vor allem von Wählern von Linksparteien, Frauen und Personen mit tiefem Bildungsabschluss. Trotz gutem Start dürfte es für die Initiative eng werden.

Für die Juso-Initiative würden aktuell 48 Prozent der teilnahmewilligen Stimmberechtigten stimmen. 39 Prozent würden sicher oder eher ein Nein in die Urne legen. Keine Meinung haben 13 Prozent der Befragten, die sicher abstimmen gehen wollen.

Die Meinungsbildung ist nicht fortgeschritten. Lediglich 47 Prozent der Teilnahmewilligen äusserten in der SRG-Umfrage eine bestimmte Stimmabsicht. Der geringe Stand an Meinungsbildung ist gemäss dem Forschungsinstitut gfs.Bern mit der Neuheit des Themas zu erklären. Die Nahrungsmittelspekulation sei bisher nicht Gegenstand breiter öffentlicher Debatten gewesen, zudem sei das Thema eher kompliziert.

Wenig Unterstützung von CVP-Wählern

Beistand erhält die Initiative vor allem von Wählern von Links-Parteien. 77 Prozent der stimmwilligen Grünen-Wähler würden der Vorlage bestimmt oder eher zustimmen. Etwas weniger Zuspruch erhält die Initiative von SP-Wählern: 65 Prozent würden sicher oder eher Ja stimmen.

Deutlich weniger Unterstützung erfährt die Initiative seitens der CVP-Wähler. Nur 37 Prozent der Stimmwilligen würden für die Vorlage stimmen, obschon verschiedene Kirchenverbände sie befürworten.

Wenig Unterstützung von CVP-Wählern

0:34 min, vom 22.1.2016

Politologe Claude Longchamp erklärt die Zurückhaltung der CVP-Wähler damit, dass bei der Initiative nicht wirklich die christlichen Werte im Vordergrund stünden. «Die Frage des Welthungers steht zwar zur Debatte, aber diese Initiative wird aus Sicht der Bürger das Problem des Welthungers nicht lösen», so Longchamp.

Im bürgerlichen Lager würde daher die ökonomischen Argumente mehr Gewicht haben: «In der jetzigen Situation vertritt die Mehrheit klar die Ansicht, man solle die Wirtschaft nicht zusätzlich belasten», sagt der Politologe.

Am wenigsten Zuspruch erhält die Initiative von FDP-Wählern: 31 Prozent würden Ja stimmen. Bei den SVP-Wählern liegt der Ja-Anteil aktuell bei 40 Prozent und damit höher als bei den CVP-Wählern.

Unentschlossenes Tessin

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Eckwerte der SRG-Umfrage

Ein Türschild mit dem Logo von gfs.bern vor einem Büro.

Keystone

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 5. und 13. Februar 2016 durchgeführt. Befragt wurden 1411 Personen. Mehr

Während der Ja-Anteil in den Sprachregionen insgesamt wenig variiert, zeigt sich das Tessin im Gegensatz zur Deutsch- und Westschweiz etwas ratlos: 31 Prozent der stimmwilligen Befragten haben keine Meinung zur Vorlage, 18 Prozent würden sie bestimmt oder eher ablehnen, 51 Prozent würden ein Ja in die Urne legen.

Auch in der Deutsch- und Westschweiz überwiegt der Ja-Anteil gegenüber dem Nein-Anteil, wenngleich weniger deutlich. Die 48 Prozent der Deutschschweizer Teilnahmewilligen würden die Vorlage sicher oder eher annehmen, 41 Prozent würden sie ablehnen. Bei den Romands würden 50 Prozent Ja stimmen und 33 Prozent ein Nein in die Urne legen.

Initiative überzeugt eher Frauen

Das Anliegen der Juso findet eher beim weiblichen Geschlecht Gehör: Von den stimmwilligen Frauen würden 54 Prozent bestimmt oder eher für die Vorlage stimmen, während sich nur 42 Prozent der befragten Männer mit Stimmbereitschaft für die Vorlage erwärmen können.

Männer lehnen die Initiative klarer ab als Frauen: 50 Prozent der Männer würde sie sicher oder eher ablehnen, wohingegen bloss 28 Prozent der Frauen bestimmt oder eher gegen die Vorlage sind.

Mehr Sympathien von Wählern mit tiefer Schuldbildung

Am meisten Zuspruch erhält die Initiative von stimmwilligen Wählern, die ihre Schulzeit auf der obligatorischen Stufe abgeschlossen haben: 58 Prozent von diesen sprechen sich zugunsten der Initiative aus. Stimmberechtigte mit Hochschulabschluss stimmen nur zu 45 Prozent der Vorlage zu.

Bei Personen mit hohem Bildungsniveau fällt der Nein-Anteil am deutlichsten aus: 41 Prozent würden die Initiative ablehnen. Bei Wählern mit tiefer Schuldbildung würden nur 22 Prozent die Initiative verwerfen.

Schlechte Chancen trotz gutem Start

Obschon das Ja-Lager aktuell mit 9 Prozentpunkten in Führung ist, erwartet Claude Longchamp nicht, dass die Vorlage angenommen wird. Es werde der Initiative vermutlich ergehen wie allen links-Initiativen, die im bürgerlichen Lager keine Zustimmung finden, so der Politologe.

«Voraussetzung für ein Ja wäre eine starke Zustimmung seitens der Bauern oder konservativen Wirtschaftskritikern. Wenn Konservative und Linke wie bei der Minder-Initiative zusammenspannen, ergibt sich ein explosives Gemisch. Davon sieht man bei der Initiative gegen Nahrungsmittelspekulation zu wenig», urteilt Longchamp.