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Angst vor Entwaffnung: Waffenfreunde machen mobil
Aus Rundschau vom 17.04.2019.
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Abstimmung zum Waffenrecht Angst vor Entwaffnung: Waffenfreunde machen mobil

  • Die Gegner der Vorlage vom 19. Mai befürchten die Entwaffnung.
  • Die Befürworter aus der Schiessszene geraten unter Druck.
  • Frauen könnten bei Abstimmung zur neuen EU-Waffenrichtlinie ausschlaggebend sein.

Theo Schneider hat eine Vorliebe für grosskalibrige Pistolen. Er sammelt sie seit vielen Jahren. 20 Stück hat er bereits. «Mir gefällt die Ästhetik. Schon als kleiner Junge war ich fasziniert davon», sagt Schneider, während er an der Waffenbörse in Luzern die Auslagen an den Ständen begutachtet.

Er teilt mit den Messebesuchern zwar seine Leidenschaft für Waffen, ist aber einer der wenigen hier, die die neue EU-Waffenrichtlinie befürworten. «Die Schützen und Sammler können die Hobbies und die Schiesserei weiter betreiben», sagt der Rentner. «Es gibt kein Grund gegen diese Verschärfung zu sein.»

«Verrat an Schweizer Werten»

Er weiss, dass diese Meinung an der Messe nur von wenigen geteilt wird. Im Gespräch mit anderen Waffenfreunden erntet er im besten Fall Kopfschütteln. Sie kritisieren ihn offen für seine Haltung. «Wer so denkt, verrät die Werte der Schweiz», entgegnet ihm René Koller. «Letztendlich geht es um Entwaffnung.»

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René Koller: «Ich glaube, dass es langfristig zu einer Enteignung kommt»
Aus News-Clip vom 17.04.2019.
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Der ehemalige Oberst im Generalstab gehört zu den wenigen an der Waffenbörse in Luzern, die gegenüber der «Rundschau» offen ihre Meinung sagen. Die Allermeisten winken bei Fragen zur bevorstehenden Abstimmung ab. Offen spricht auch Vorlagenbefürworter Theo Schneider. «Sollte tatsächlich irgendwann eine Entwaffnung anstehen, werden wir vorher auf demokratischen Weg darüber abstimmen können.»

Ausschlaggebende Frauen

Daran glauben die meisten Gegner der Waffenrechts-Verschärfung jedoch nicht. Was René Koller von den Schützen und Waffenfreunden erwartet, teilt er einige Tage zuvor bei der Generalversammlung des Schützenvereins Zürich-Leimbach als Präsident unmissverständlich mit: «Ich erwarte von euch, dass ihr sicher zu unseren Gunsten abstimmt – und alle, die ihr kennt, überzeugt.»

Befürworter der Vorlage haben es in der Schiess- und Waffensammlerszene schwer. Theo Schneider gilt an der Waffenbörse in Luzern mit seiner Meinung für viele als Nestbeschmutzer. «Es ist wahnsinnig schwierig zu argumentieren. Viele haben einen Tunnelblick», sagt der Rentner.

Doch: Ob Druck und Mobilmachung reichen, ist fraglich. Laut der ersten Umfrage des Forschungsinstituts GFS Bern tendieren aktuell zwei Drittel der Stimmbürger zu einer Annahme der Vorlage. Deutlich mehr Frauen als Männer sprechen sich für die Vorlage aus. Sie könnten das verschärfte Waffenrecht ermöglichen.

Anpassung läuft vielen Schützenverbanden zuwider

Am 19. Mai wird das Schweizer Stimmvolk über das Referendum zur neuen EU-Waffenrichtlinie entscheiden. Damit soll das Schweizer Waffenrecht an das EU-Recht angepasst werden, welches die EU nach den Pariser Terroranschlägen im November 2015 revidiert hat. Der Grund: Die Schweiz ist ein assoziiertes Schengen-Mitglied. Diese Anpassung läuft vielen Schützenverbänden zuwider, deshalb haben sie erfolgreich das Referendum dagegen ergriffen.

Was würde das neue Waffenrecht ändern?

Die Richtlinie sieht vor, dass halbautomatische Schusswaffen mit grossen Magazinen verboten werden. Sie können nur noch mit Ausnahmebewilligungen erworben werden. Sportschützen müssen nachweisen, dass sie Mitglied in einem Schützenverein sind oder regelmässig üben. Ordonnanzwaffen dürfen wegen einer speziellen Regelung für die Schweiz nach Dienstende wie bisher übernommen werden.

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98 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Balmer  (WalBal)
    Wer sich vom Bundesrat einschüchtern lässt, das wir bei einer Ablehnung Schengen/Dublin verlieren sollte sich einmal überlegen, ob die Aussengrenze der EU so geschützt ist, wie sie es laut Vertrag sein müsste. Schengen/Dublin ist gescheitert, was Tatsache ist. Wer sich heute nur auf das SIS (EU Informationssystem) verlässt muss wisssen, dass die grössten Verbrecher dies mit falschen Pässen und Identitäten zu umgehen wissen, was zu einer falschen Sicherheit bei den Behörden führt.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      Niemand verlässt sich nur auf die Schengen Datenbanken. Aber sie sind eine Hilfe. Sieht man ja deutlich an den fallenden Verbrechenszahlen.
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  • Kommentar von Søren Ehlers  (Søren)
    Ich werde JA stimmen, obwohl ich diese Abstimmung für überflüssig halte. In der Schweiz passieren wenige Unfälle und Morde mit Waffen, die Schützenvereine sind gut organisiert, das klappt alles ja jetzt schon gut. Ich denke daher nicht, dass es ein neues Gesetz braucht. Leider wird diese Abstimmung extrem hochstilisiert: Freiheit oder Knechtschaft? Landesverteidigung oder Kriegsopfer?
    Das Gesetz hat nichts damit zu tun.
    Ein NEIN wäre drum ein Ja zu diesem Mythenzeugs. Das mache ich nicht.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger  (Ädu)
    Aufschlussreicher Beitrag. Auch, wenn es für mich von allem Anfang klar war, dass ich diese Verschärfung gerechtfertigt finde, zeigt er, wie wichtig hier ein JA ist. Nicht wegen dem Sturmgewehr das man nach dem Dienst behalten kann oder den Jagdflinten an sich, sondern wegen Leuten wie diesem Koller und der Frau Nationalrätin. Beiden geht es nicht um diese Gesetzesanpassung sondern um ihre Verblendung gegenüber allem was mit EU und der Welt zu tun hat.
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    1. Antwort von Ivo Schmucki  (Jetzt oder nie)
      Sehr geehrter Herr Flückiger. Hier ist wieder der typische Schweizer Reflex zu beobachten; kaum droht die EU mit Rauswurf, schon zuckt man zusammen und nickt ergebungsvoll. Wer machte dieses Gesetz; nicht die Schweiz im Grundsatz, dass sicher nicht. Und darum müssen wir diese Kröte so einfach schlucken, die uns Aussenstehende aufgezwungen haben? Da müssen wir wohl in Zukunft noch viele Gesetze der EU so einfach durchwinken. Koste es was es wolle, wir haben das Geld. Bis kein Franken mehr da ist.
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    2. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      @ Schmucki: ach was, niemand nickt. Allerdings ist es schade, dass wir nicht von Anfang an bei neuen Gesetzen mitreden dürfen. Das verdanken wir jener Partei, die gegen den EWR Beitritt ins Feld gezogen ist und ist ein riesiger Fehler.
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