Zum Inhalt springen
Inhalt

Nein-Trend bei «No Billag» «Sympathien wurden früh zunichte gemacht»

Legende: Audio Einschätzungen von Martina Mousson von gfs.bern abspielen. Laufzeit 04:09 Minuten.
04:09 min, aus SRF 4 News aktuell vom 26.01.2018.

60 Prozent Nein, 38 Prozent Ja, 2 Prozent Unentschlossene: Das ergibt die aktuelle Umfrage zur No-Billag-Initiative, die am 4. März an die Urne kommt. Martina Mousson vom Forschungsinstitut gfs.bern ordnet die Zahlen ein.

SRF News: Worin sehen Sie die Gründe für den hohen Nein-Anteil?

Martina Mousson: Die Gründe sehen wir darin, dass – anders als üblich bei Initiativen – die Sympathien für dieses Anliegen sehr früh zunichte gemacht wurden, weil die Kampagne viel früher startete als in anderen Fällen. Es gab keine eidgenössische Abstimmung im November. Das heisst, nach der letzten Abstimmung im September entstand eine Art Loch, in das die No-Billag-Kampagnen beidseitig reinpreschen konnten. Seither läuft die Debatte. Das heisst: Die Meinungsbildung ist entsprechend weit fortgeschritten.

Heisst das, dass bis am 4. März nur noch wenig Bewegung zu erwarten ist?

Es ist sicher weniger Spiel drin als bei anderen Initiativen, die mit sehr hohen Sympathiewerte starten und dann erst im Verlauf der Kampagne an Zuspruch einbüssen, weil erst dann die Lösungsansätze sehr breit und medienwirksam diskutiert werden. Das ist bei «No Billag» bereits passiert, entsprechend ist das Bild.

Was ist das stärkste Argument der Gegner?

Sie können mit den Befürchtungen, was bei einer Annahme der Initiative geschieht, sehr gut punkten. Das ist geschehen: Man fürchtet um die Qualität des Schweizer Mediensystems und die Einflussnahme beispielsweise von finanzkräftigen Investoren. Und man hat auch Angst davor, dass die Landesteile nicht mehr gleichermassen bedient werden können.

Was ist das Hauptargument der Unterstützer?

Wichtig ist das Argument, dass die SRG zu gross geworden sei, dass sie sparen und ihre Leistungen reduzieren soll.

Das Argument, wonach eine Zwangsgebühr in Zeiten von Netflix nicht mehr zeitgemäss sei, wird von Menschen unter 30 mehrheitlich akzeptiert.

Gibt es sprachregionale Unterschiede?

Es wurde sehr viel darüber diskutiert, wer profitiert und – noch viel wichtiger – wer was verliert bei einer Annahme der Initiative. Wir finden in allen Landesteilen ablehnende Mehrheiten. Die Deutschschweiz zeigt aber doch etwas mehr Sympathien für das Anliegen als die Romandie und das Tessin.

Zeigt sich auch ein Unterschied zwischen älteren Menschen und den Jungen, die den Service Public nicht mehr so stark nutzen?

Es geht weniger darum, dass sie den Service Public weniger nutzen, sondern vielmehr darum, dass sie einfach andere Mediennutzungsgewohnheiten haben, sich viel im Internet bewegen und eine Art Gratismentalität entwickelt haben. Das Argument, wonach eine Zwangsgebühr in Zeiten von Netflix nicht mehr zeitgemäss sei, wird von Menschen unter 30 mehrheitlich akzeptiert. Entsprechend sind sie auch eher für diese Vorlage.

Könnten die Jungen die Abstimmung noch beeinflussen?

Dass sie das Blatt wenden, ist bei den Jungen eher unwahrscheinlich. Sie sind die Gruppe, die sich in der Regel am wenigsten an Abstimmungen beteiligt.

Was man in einer Umfrage sagt, ist ja manchmal nicht dasselbe wie das, was man tut. Könnte so eine Verfälschung in der Befragung drin sein?

Diese sogenannte soziale Erwünschtheit ist immer wieder ein Thema in der Wissenschaft, nicht nur bei Umfragen. Doch das eigentliche Problem ist nicht, dass die Leute nicht sagen, was sie denken. Wenn es ein Problem gibt, ist es das, dass sie gar nicht erst bei Umfragen mitmachen. Das ist viel gefährlicher.

Das Gespräch führte Rafael von Matt.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

24 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Benjamin Thiel (BThiel)
    @SRF: Ich muss euch mal Loben! Ich wüsste nicht ob ich so fair berichten könnte, wenn meine Exsitenz auf dem Spiel stehen würde. Euer Verhalten in dieser Situation ist der beste Beweis das es wuch dringend braucht!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Aufenast (Kritiker)
    Mit Genugtuung stelle ich fest, „No Billag“ Fan fallen zunehmend nicht mehr auf die Argumente der Initianten rein und realisieren langsam, dass knallharte wirtschaftliche und politische Interessen hinter der Initiative stecken! Es geht um nichts weniger als einen medienpolitischen Grundsatzentscheid. Zur Debatte steht ein radikaler Wechsel zu einer rein marktorientierten Radio- und TV-Landschaft. Die Initiative wird am 4. März von Stimmbürgern mit gesundem Menschenverstand im Nirwana versenkt!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von T. H. Isaak (cuibono)
    Ich bin kein SVP-Wähler, stimme aber trotzdem für die NoBillag-Initiative. Wir brauchen ein glaubwürdiges Staatsfernsehen für den Service public nur mit Informations- und Bildungssendungen. Keine blödsinnigen Quizshows, keine Feelgood-Reality-Doku-Soaps, keine Hudigägeler- und sonstigen Unterhaltungssendungen. Auch keinen Sport. Alles Opium fürs Volk, das sollen Private machen. Der Staat soll informieren und bilden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Ernst Boller (BOER)
      Hallo T.H. Isaak, die Sendungen, die Sie vom hohen Ross herunter abqualifizieren, werden offenbar von vielen Personen konsumiert, sonst würden sie nicht produziert. Diese Sendungen sind indessen wesentlich besser zu ertragen als viele der Werbespots, die ohne Gebühren wohl bald 50% der Sendezeit ausmachen werden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Sebastian Köhler (Tekk)
      Sie haben es auf den Punkt gebracht...und genau dies ist das Problem...man will sich halt nicht seine medialen Drogen wegnehmen lassen! Was macht man dann Abends wenn kein Sport oder Bestatter mehr läuft? Einen Abendspaziergang? Gesellschaftsspiele? Oder gar eine Unterhaltung mit der Liebsten? Total absurd! Ich bitte Sie Herr Isaak. ;)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von nathalie wernz (Frau Wer)
      Auch wenn ich ihrer Argumentation teilweise zustimme.. - ich werde ein nein einlegen. Weil ich die Motive der Initianten- 'der freie Markt regelt alles zum Besten'.. als nicht nur falsch, sondern gefährlich erachte. Ich hoffe aber schon auch, dass die Initiative Anstoss zu grundsätzlichen Diskussion + Reflexion zur Rolle und Auftrag. Ich wünschte mir vorallem Transparenz + eine Obergrenze in Sachen 'Kosten für Übertragungsrechte insbesondere von Olympia, Fifa etc !!!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      SRG ist aber kein Staatsfernsehen, sondern ein Öffentlich-Rechtliches Unternehmen, welches von Staat lediglich den Auftrag hat, den Konsumenten ein breites Angebot in 4 Landesprachen anzubieten, wo es für jeden Geschmack etwas dabei hat. Die Gebühren pro Haushalt erhoben werden, profitieren ja davon auch viele Familien mit Kindern, welche dort auch Unterhaltung für Kinder finden, ohne dass sie für verschiedene Packete viel Geld bezahlen müssen, damit die ganze Familie gut bedient ist.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen