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Präimplantationsdiagnostik Die Furcht vor dem «Kind nach Mass»

Ein Ja zur Präimplantationsdiagnostik PID könnte Tür und Tor öffnen für die Selektion zwischen wertem und minderwertigem Leben. So die Befürchtung der Gegner dieser Vorlage. Die Angst vor Missbrauch sitzt tief. Das zeigt die Debatte der letzten Jahrzehnte.

Abstimmungsplakat «Stopp der Fremdbesamung» vor dem Urnengang im März 2000.
Legende: Im März 2000 entschied das Schweizer Stimmvolk über die Initiative «für eine menschenwürdige Fortpflanzung». Keystone

Bereits in den 80er Jahren, zu den Anfängen der Debatte um die künstliche Befruchtung, fühlte sich manch ein Parlamentarier klein angesichts der grossen Fragen der Schöpfung. Der Mensch dürfe nicht in die Natur eingreifen, warnte zum Beispiel der damalige SP-Ständerat Otto Piller.

«Wehret den Anfängen», sagte auch CVP-Ständerätin Josi Meier. Bereits 1987 in der Ratsdebatte um die künstliche Befruchtung war die Angst gross vor dem Missbrauch, der mit dem medizinischen Fortschritt einher gehen könnte.

Restriktive Bestimmungen konnten die Kritiker nicht beruhigen

1992 dann nahm das Schweizer Stimmvolk jenen Bundesverfassungsartikel an, der noch heute gilt: Er erlaubt die künstliche Befruchtung, jedoch keine Eingriffe am menschlichen Erbgut, keine Leihmutterschaft.

Die restriktiven Bestimmungen sollten die Kritiker beruhigen, taten es aber nicht. Nur zwei Jahre später reichten die Gegner eine Initiative für ein komplettes Verbot der künstlichen Befruchtung ein. Unter diesem Druck wurde eine Gegeninitiative erarbeitet, die auf die Initianten einging, gleichzeitig aber auch den medizinischen Fortschritt berücksichtigte. Auch die PID stand zur Debatte und sorgte 1998 für Diskussionen, die an die heutige Debatte erinnern und zeigen, wie tief die Angst vor Missbrauch sitzt.

Noch im Jahr 2000 hatte die PID vor dem Volk keine Chance

Nach langem politischem Hin und Her sagte das Volk im Jahr 2000 Ja zu einem restriktiven Gesetz, das die künstliche Befruchtung mit Einschränkungen weiter erlaubte. Ein Verbot hatte keine Chance. Die Präimplantationsdiagnostik aber auch nicht.

Es ging nicht lange bis erneut die Forderung kam, die PID zu erlauben. Eine Forderung, die nun zur Abstimmung gelangt. Die Gegner werfen den Befürwortern vor, die Grenzen für die Fortpflanungstechnologie Schritt für Schritt auszudehnen. «Das ist eine Art Salamitaktik», kritisiert EVP-Nationalrätin Marianne Streiff vom Nein-Komitee.

CVP-Nationalrätin Ruth Humbel vom Pro-Komitee kann diesen Vorwurf zwar nachvollziehen. Aber: «Es liegt in der Natur der Sache, dass gesellschaftliche und medizinische Entwicklungen nicht für alle Zeit vorweg genommen werden können.» Und wir hätten den grossen Vorteil, dass das Stimmvolk bei jedem Schritt Ja oder Nein sagen kann.

Wir stecken mittendrin in dieser Debatte um die Zukunft der Fortpflanzungsmedizin in der Schweiz. Am 14. Juni muss die Stimmbevölkerung entscheiden, ob sie für den nächsten Schritt bereit ist oder nicht.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Es ist eine Schande, wenn man die Frauen zur PID rät mit dem Argument: lieber ein degeneriertes Embryo kübeln, als später abzutreiben. Die Befürworter denken an der Realität vorbei. Denn bereits nach der Zeugung ist Leben im Mutterbauch, welches sich entwickelt und nach 9 Monaten als MENSCH das Licht der Welt erblicken wird. Und auch bei der künstlichen Befruchtung entsteht Leben vom ersten Augenblick an. Es zu kübeln, ist ebenfalls Mord.
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    1. Antwort von Eduard Biner, Zermatt
      @Zelger, Aber, was ist den besser, ein Kind in der 12. Schwangerschaftswoche abzutreiben, wo es vermutlich bereits ein Bewusstsein hat?! Dies ist nämlich erlaubt und die PID könnte dies verhindern. Habt Ihr PID-Gegner eigentlich alle ein Brett vor dem Kopf?
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      E.B./Vermutlich ein Bewusstsein?Ein geborener Säugling,weiss noch nichts von einem Ich.Demzufolge kann er unmöglich bereits sein eigenes Bewusstsein(das bereits vor Zeugung und Geburt vorhanden war)weiter entwickeln.Befassen Sie sich mal mit Reinkarnation und dem UNENDLICHEN BEWUSSTSEIN des Menschen.Alles was ein Mensch braucht,wenn er sich hier auf DIESEM Planeten befindet,ist Liebe.Mit und durch ihr kann ihm geholfen werden,sein bereits vorhandenes Bewusstsein dahingehend weiter zu entwickeln.
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    3. Antwort von A.Käser, Zürich
      E.B./Was ist das Endziel einer PID?Jedes befruchtete Ei auf immer noch differenziertere,mögliche Defizite und Schädigungen überprüfen?Wo ist der Endpunkt?Bei der Zombie-Zucht?Schwangerschaft und Geburt sind ebenso Risiko behaftet.Was wenn die Frau bei der Geburt stirbt?Was wenn sie psychisch instabil wird?Nachbeiner Geburt nicht selten.Was mit sonst hilflosen oder schwierigen Kindern,die angebl.normal sind?Mit Kranken(Krebs;Herz;Nieren),Verunfalten(Amputationen,Lähmungen,Verl.Augen,Asthma,etc.)
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  • Kommentar von Markus Fuchs, Bern
    Zielgruppe der PID sind kinderlose Frauen. Das Beispiel der 65jährigen Berlinerin die in Ukraine gefahren ist, zeigt wohin eine Annahme dieses Gesetzes führt. Auch bei einem JA wird es Frauen geben die ins Ausland fahren. Dieses Gesetz hilft den Aerzten nur zu mehr EGO (die hoffen auf den Nobelpreis) und höheren Einnahmen.
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  • Kommentar von Michelle Frick, Triesen
    Wenn es somit keine behinderten kinder mehr gibt, dann bin ich dafür. Denn ein behindertes kind ist eine belastung für die eltern oder auch für das kind selber.
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    1. Antwort von Tom Duran, Basel
      Wie bitte? Ich arbeite mit "Behinderten" und kann Ihnen versichern das die sich selber garantiert nicht als "Belastung" empfinden. Im Gegenteil, die haben mit weniger mehr Lebensfreude als unsere geldgierigen Politiker oder unzufriedenen Bünzlibürger! Eine Aussage, Behinderte seinen eine Belastung ist ein Verstoss gegen die Menschenwürde. Trotzdem bin ich für die Vorlage, denn irgend ein Land wird eh damit beginnen und in 100 Jahren ist das Standard. Lieber jetzt schon Erfahrungen sammeln.
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    2. Antwort von Michelle Frick, Triesen
      @Tom Duran Das freut mich für Sie, dass sie nur solche kennen, die eine freude am leben haben, jedoch kenne ich andere, die ständig in der schule gemobbt wurden und nicht gut behandelt wurden. Auch die eltern hatten viele probleme weil es eine grosse verantwortung ist und in den fällen, die ich kenne, verlies der mann die frau umd das kind, weill er keine nerven mehr hatte, somit hatten diese kinder noch eine last zu tragen. Aber es freut mich, dass sie nur die gute seite kennen.
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    3. Antwort von A.Käser, Zürich
      M.F./Eltern können ein Genie zum Kind erhalten und nicht desto weniger "geplagt"sein.Denn der Mensch ist im Grundsatz eine Behinderung in sich.Es gibt Charaktere die nach Aussen hin als genial,toll,und ich weiss nicht was erscheinen,und dennoch für viele Menschen zu einer schlimmsten Behinderung/Verhinderung werden.Was tatsächlich eine Behinderung darstellt,ist eine individuelle Wahrnehmung,die nur in Interaktion und Reflexion zwischen einzelnen Idividuen wahrgenommen und gewertet werden kann.
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