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Schweiz Ärzte sollen kranke Piloten melden dürfen

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl will prüfen, ob ein Melderecht auch in der zivilen Luftfahrt gelten soll.

Legende: Video Arztgeheimnis unter Druck abspielen. Laufzeit 02:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.03.2015.

Die Vertrauensärztin einer Fluggesellschaft meldet einen fluguntauglichen Piloten nicht, weil sie dem Arztgeheimnis untersteht. Das könnte auch in der Schweiz passieren – Ärzte sind grundsätzlich zum Schweigen verpflichtet.

Nun aber werden Stimmen laut, die eine Lockerung des Arztgeheimnisses bei Piloten fordern, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Der Präsident der Ärztevereinigung FMH, Jürg Schlup, verweist auf das Strassenverkehrsgesetz: Dieses regelt bereits heute, dass Ärzte fahruntaugliche Personen der Aufsichtsbehörde melden dürfen.«Das ist im Strassengesetz der Schweiz so eingebaut», so Schlup, «Nicht aber im Zivilluftfahrtsgesetz. Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, ein Melderecht auch in der Zivilluftfahrt einzuführen.»

Widerstand gegen Meldepflicht

Er unterstützte aber nur ein Melderecht, nicht eine Meldepflicht, betont der FMH-Präsident. Das bedeutet: Der Arzt kann den alkoholkranken Chauffeur melden, ohne dass er dafür das Okay des Chauffeurs oder seiner Aufsichtsbehörde einholen muss. Eine Pflicht besteht allerdings nicht. «Eine Meldepflicht wäre kontraproduktiv», so Schlup.

Damit meint der oberste FMH-Arzt: Ein psychisch kranker Pilot, der genau weiss, dass ihn seine Ärztin bei der Airline meldet, wird sich vielleicht völlig verschliessen und der Ärztin gar nichts mehr anvertrauen.

Allerdings wird auch mit einem Melderecht das Arztgeheimnis bereits geritzt. Wie weit sich ein Patient, zum Beispiel ein Pilot, unter diesen Umständen seinem Arzt noch anvertraut, bleibt offen. Dennoch: Druck für eine zumindest schwache Lockerung des Arztgeheimnisses bei Piloten kommt jetzt auch aus der Politik. FDP-Nationalrat Kurt Fluri zum Beispiel, Mitglied der zuständigen Verkehrskommission, plädiert für eine Überprüfung der Lage: Er ist für ein Melderecht, warnt aber auch vor einer Pflicht. Diese bürde Ärzten zu viel Verantwortung auf.

Bazl will System neu überdenken

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl will nun prüfen, ob Änderungen nötig sind – in Absprache mit den anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Flugsicherheitsbehörde. Bazl-Sprecher Urs Holderegger gibt dabei zu bedenken: «Im Falle des Germanwings-Piloten sieht es nach heutigem Kenntnisstand so aus, dass das System ausgehebelt wurde. Hier stellt sich die Frage, ob das System grösserer Reformen bedarf wegen eines sehr extremen Einzelfalles.»

Es ist das Dilemma nach jeder Katastrophe: Die Gesellschaft will Sicherheitslücken schliessen – und muss dabei aufpassen, dass neue Massnahmen im schlimmsten Fall nicht neues Unglück bewirken.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von N. Burri, Solothurn
    Es geht um die Sicherheit der Passagiere im Flugzeug. Wenn man alleine im Cockpit ist und man Psychisch oder gesundheitlich nicht in Ordnung ist, ist das Fahrlässig. Wenn ein Pilot dies also nicht freiwillig meldet, gibt es ansonsten keine Möglichkeit, dies zu überprüfen. Wollen Sie also in ein Flugzeug steigen, dass von einem Menschen geflogen wird, der Gesundheitlich oder Psychisch angeschlagen ist, und genau deswegen eventuell in den Tod stürzen? Das glaub ich persönlich nicht! Safety first!
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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Wieso sollen nicht alle ArbeitgeberInnen alle medizinischen Daten potentieller ArbeitnehmerInnen erhalten? Dazu die Bankkontoauszüge jeden Monat, Cumulus-etc-Angaben zum Konsum, die GPS-Aufzeichnung von Körper, Velo, Auto, etc? Wenn schon, denn schon. Immer dieses Affentheater um paar Daten. Wer nix zu verbergen hat, hat sicher nix gegen volle Transparenz! NB: Die ArbeitgeberInnen werden gegenüber Steuerbehörden etc. genau so gläsern gemacht! Immerhin haben wir dann volle Staatskassen!
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  • Kommentar von Alfred Abplanalp, Schliern
    Die Aufhebung des Arztgeheimnis erscheint mir problematisch. Die ständige 2-Personen Besetzung des Cockpits, wie sie bereit bei vielen Airlines eingeführt ist, scheint mir gut geeignet zu sein. Wie wäre es, wenn man die Daten, welche die Flugschreiber aufzeichenen nicht auch an die Flugsicherungsstellen gesendet werden. Dies möglichst in real time und da wo es nicht möglich ist, zeitverzögert. Technisch keine Unmöglichkeit. Die Daten wären gesichert.
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    1. Antwort von Hz. imBoden, Ringgenberg
      Wenn ein Arzt dem Patienten eine Arbeitsunfähigkeit verschreibt und gleichzeitig dem Arbeitgeber eine Kopie zustellt, ohne Hinweis auf den Grund der Krankheit, dann ist noch kein Arztgeheimnis verletzt! Wichtig ist aber, dass weitere Vereinbarungen im Arbeitsvertrag festgeschrieben sind!
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