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Affäre RTS SRG-Generaldirektor: «Ich bedauere solches Verhalten zutiefst»

700 Mitarbeiter des Westschweizer Fernsehens RTS fordern von ihrer Direktion eine Untersuchung wegen sexueller Belästigung und Mobbing. Jahrelang soll die RTS-Spitze entsprechenden Anschuldigungen nicht konsequent nachgegangen sein. Jetzt nimmt SRG-Direktor Gilles Marchand Stellung.

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Aus dem Archiv: RTS und SRG wegen Vorwürfen unter Druck
Aus Tagesschau vom 04.11.2020.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 8 Sekunden.
Gilles Marchand

Gilles Marchand

Generaldirektor SRG

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Gilles Marchand studierte Soziologie (M.A.) und war von 1988 bis 1990 für die «Tribune de Genève» tätig. Später wechselte er zu Ringier Romandie, wo er die Forschungs-, Marketing- und Kommunikationsabteilung leitete und 1998 Direktor ­wurde. 2001 kam er zur SRG: Von 2001 bis 2010 war er Direktor von Télévision Suisse Romande (TSR) und von 2010 bis 2017 Direktor von Radio Télévision Suisse (RTS).

SRF News: Wie haben Sie reagiert, als Sie von den Belästigungsfällen bei RTS erfahren haben?

Gilles Marchand: Ich war schockiert. Diese Fälle sind für mich und für die SRG inakzeptabel und unerträglich. Ich verurteile vorbehaltlos übergriffiges Verhalten in jeder Form, es ist inakzeptabel. Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, damit solche Fälle nicht mehr möglich sind.

Konkret?

Der Verwaltungsrat SRG hat diese Woche eine unabhängige Untersuchung beschlossen, welche aufzeigen soll, ob die heute den Mitarbeitenden zur Verfügung stehenden Instrumente, um solch übergriffiges Verhalten zu melden, ausreichen.

Wir werden in der ganzen SRG rasch Verbesserungen vornehmen.

Es gibt heute eine Whistleblowing-Plattform, eine Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Movis und bei RTS eine Groupe de médiation, welche wir zusammen mit unserem Sozialpartner betreiben. Eine weitere Untersuchung soll die Verantwortungskette bei der Behandlung jener Fälle, die nun von «Le Temps» aufgedeckt wurden, aufarbeiten.

Ein Belästigungsfall bei RTS wurde bekannt, als Sie noch Direktor von RTS waren. Man wirft Ihnen vor, Sie hätten nicht die nötigen Konsequenzen gezogen.

Wir haben damals einen bestimmten Zeitraum untersucht, in welchem der Mitarbeiter eine Managementfunktion hatte. Im Nachhinein, mit den heutigen Informationen, hätte man einen grösseren Zeitraum abdecken sollen. Wir müssen hier nun aber die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchungen abwarten.

Bezüglich Darius Rochebin gab es bei RTS in Genf Gerüchte über sein Verhalten, das man zumindest als fragwürdig bezeichnete. Wie ist es möglich, dass dieses Verhalten jahrelang toleriert wurde, ohne dass jemand versucht hat, die Situation zu korrigieren?

Wir haben damals rasch auf die Informationen reagiert, die gesichert waren. Das betraf Darius Rochebins Profile unter falschem Namen in den sozialen Medien. Mein Nachfolger bei RTS hat Rochebin zu sich zitiert und ihn formell ermahnt. Seine Konten verstiessen gegen unsere journalistischen Standards. Aber auch hier kann ich mich heute nicht weiter zu diesem Fall äussern. Auch er wird Gegenstand der kommenden Überprüfungen sein.

Was passiert mit den beiden beschuldigten Mitarbeitern, die ja nach wie vor bei RTS arbeiten?

Sie sind für die Dauer der Untersuchungen suspendiert.

700 MitarbeiterInnen von RTS haben eine Petition unterzeichnet und fordern eine externe Untersuchung. Das zeigt das Ausmass der Probleme. Ist die aktuelle Direktion von RTS noch tragbar?

Ja, das ist sie. Die Direktion von RTS ist sehr engagiert in der Aufarbeitung der Fälle und hat meine volle Unterstützung. Schauen Sie: Ich bedauere zutiefst, dass es zu einem solchen Verhalten kommen konnte und möchte den Betroffenen meine volle Unterstützung aussprechen. Wir werden in der ganzen SRG rasch Verbesserungen vornehmen.

Das Gespräch mit Gilles Marchand wurde am Mittwoch für eine Stellungnahme gegenüber der «Tagesschau» von SRF geführt von Mirjam Spreiter und Mirjam Mathis.

Tagesschau, 04.11.2020, 19:30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Man stelle sich vor, ein Mann im Alter von sagen wir mal 50 Jahren, in derselben Postition, würde dasselbe mit jungen Frauen machen. Er würde geteert und gefedert, Vorgesetzte die nicht sofort reagieren würden, würden sofort freigestellt. Wir hätten weitere Me too Demonstrationen, das Parlament würde bemüht werden.
    Aber eben, es ist nicht Mann-Frau, sondern Mann-Mann ... und daher faktisch vernachlässigbar. Man merkt hier gut, dass das Gleiche nicht dasselbe ist!
  • Kommentar von Ernst von Allmen  (MEVA)
    Die SRG bedauert solches Verhalten. Die Frage ist wird er resolute Untersuchungen Starten oder versuchen es als banale Einzelfall abzuwürgen.
  • Kommentar von Beat Moor  (Beat Moor)
    Na sowas: Gilles Marchand, Generaldirektor der SRG, ist schockiert und findet die Fälle inakzeptabel. Dabei hiess der Direktor von RTS zur Zeit der Ereignisse: Gilles Marchand! Er ist also ob seiner eigenen Amtsführung schockiert und findet sie unerträglich... Das Ergebnis der angekündigten Untersuchung steht damit wohl schon jetzt fest: man habe es nicht wissen können! Wieder einmal ein typisches Beispiel für das Peter-Prinzip, leider.