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Aktuelle ETH-Zahlen Was brachte der Lockdown wirklich?

Aktuelle ETH-Zahlen zeigen: Die einschneidenden Massnahmen des Bundes hatten einen klaren Einfluss auf die Zahl der Ansteckungen

Leere Strassen, geschlossene Restaurants und weniger Benutzer des öffentlichen Verkehrs. Mit dem Lockdown wurde die Schweizer Wirtschaft heruntergefahren und das gesellschaftliche Leben entschleunigt. Mit einem Ziel: Die Ansteckungen mit dem Coronavirus zu bremsen. Hinzu kommen Hygienemassnahmen wie Abstand halten und Hände waschen.

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Aus dem Archiv: Corona-Krise: Schutzmasken - Der Bedarf ist gross
Aus Tagesschau vom 20.04.2020.
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Die Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus sind vielfältig und einschneidend. Dabei steht auch immer die Frage im Raum: Was bringen sie wirklich? Die aktuellsten Zahlen der Wissenschaftler der ETH Zürich zeigen nun: Der Lockdown hatte einen klaren Einfluss auf die Reproduktionszahl. Also jene Zahl, die zeigt, wie viele Menschen durch eine Person angesteckt werden.

Die Massnahmen haben gewirkt

«Ab dem Zeitpunkt, an dem die Massnahmen tatsächlich eingeführt worden sind, sehen wir eine Reproduktionszahl von deutlich unter 1», sagt Tanja Stadler, Biostatistikerin an der ETH Zürich.

Aus den detaillierteren Messungen der Forscherin wird ersichtlich, dass die Reproduktionszahl erst nach den verschärften Massnahmen nach dem 17. März der Wert gegen 1 ging mit dem Lockdown und die 5-Personen-Regel.

«Bevor der Bundesrat diese sehr einschneidenden Massnahmen getroffen hat, hatten wir ein exponentielles Wachstum der Epidemie. Erst ab dem 21. März fiel die Zahl deutlich unter 1», sagt Stadler.

Kurve sank schon vor dem Lockdown

Bereits vor zwei Wochen zeigte die ETH Zürich sowie die Universität Bern, wie die Kurve der Reproduktionszahl im Verlauf des Monats März klar sank. Auffällig: Bereits vor dem Lockdown ab dem 17. März sank die Kurve. Schnell mehrten sich Stimmen, die den Nutzen des starken wirtschaftlichen Eingriffs infrage stellten.

Der Infektiologe und Chefarzt Pietro Vernazza vom Kantonsspital St. Gallen mahnt: Solche, vergleichsweise kleinen, Massnahmen seien in dieser Diskussion nicht zu unterschätzen. «Man sieht, einfache Hygienemassnahmen haben einen riesigen Effekt. Alles, was nachher kam, war noch eine Optimierung».

Die Lage bleibt angespannt

Biostatistikerin Tanja Stadler relativiert. Natürlich sei die Kurve schon vor dem Lockdown sinkend gewesen, aber «wir hatten noch immer ein exponentielles Wachstum. Es ist erfreulich, dass die Massnahmen vor dem Lockdown schon etwas gebracht hatten, aber es war nicht genug, um die Epidemie einzudämmen.» Ausserdem dürfe man sich jetzt nicht in falscher Sicherheit wiegen. Die Lage bleibe angespannt.

Sowohl für die ETH-Forscherin wie für den Infektiologen ist indes klar: Die einfachen Massnahmen wie Händewaschen oder Abstand halten bleiben auch in Zukunft zentral.

Tagesschau, 21.4.2020, 19:30 Uhr, srf/bern;

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154 Kommentare

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  • Kommentar von Toni Miotti  (Toni2)
    Ich schaue die Kurve der Reproduktionszahl an und staune: Die Kurve kommt steil herunter und einige Tage nach dem 17. 3. wird sie flacher. Folgerung ganz klar: Die Massnahme vom 17. 3. hat eine Verschlechterung gebracht !!!!
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Man täuscht sich in diesen Dingen leicht (auch schon passiert) - vermutl. wird es immer schwerer, R weiter zu drücken, je tiefer man gekommen ist. Beruhigend, dass es Anfang März nur bei zwei lag, weniger beruhigend, dass es nicht so leicht weiter zu drücken ist
  • Kommentar von Peter Holzer  (Peter Holzer)
    Wieder wird in Schwarz-Weiss gedacht und diskutiert.

    Jedem der mit den Massnahmen einverstanden ist und die Regeln einhält wirft man Angst vor. Er soll aus lauter Angst sogar freiwillig seine Bürgerrechte aufgegeben haben etc.!

    Super Logik! Jeder der also auf Autobahnen 120 einhält, sich angurtet, ABS, Airbag etc. hat, ist von Angst gezeichnet und lässt sich unterjochen?

    Wer dafür ist eine Armee zu haben ist auch von Angst geblendet? Versicherungen, Krankenkassen etc. abschaffen?
    1. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      Bin wohl aus grauem Holz geschnitzt, mit CH-Massnahmen einverstanden (ausser mit den anmassenden Regelungen im TI), fühl mich nicht eingeschränkt (ok, das ist ein Luxus), halte mich nicht nur auf Autobahn (da bin ich selten, für lange Strecken lieber im Zug) angegurtet inkl. ABS/Airbag etc. an Tempolimiten, hab übliche Versicherungen, halte aber einen besser ausgebauten Zivilschutz und einen echten Beitrag zur int. Friedensarbeit für wichtiger als 8 Mia. für übermotorisierte Luftraumpolizei!
    2. Antwort von Peter Holzer  (Peter Holzer)
      Herr Drack: ich bin hier bei Ihnen. Auch ich brauche teure Kampfjets um mich sicher zu fühlen und über die Aufgaben des Militärs soll und muss man im Jahre 2020 diskutieren.

      Es ging mir mehr um das leidige Thema alle die Vorsicht walten lassen seien von Angst geblendet. Dieser Tage das meist gehörte Scheinargument.
  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Man sollte sich bewusst sein, was Herrn Kochs Aussage, wir würden erst am Anfang dieser Krise stehen, zu bedeuten hat. Wie kann es weitergehen, falls weitere Lockdowns angesichts des Schutzauftrags des Bundes nicht zu verhindern sind? Haben wir dann ein Schutzkonzept für Menschen mit erhöhtem Risiko? Genügend Intensivbehandlungsplätze, zweifelhafte Schutzmassnahmen und die Hoffnung auf die Impfung oder wirkungsvolle Medikamente können nicht das einzige bleiben, das wir ihnen zu bieten haben.