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Alkoholverbotszonen in Schweizer Städten?
Aus HeuteMorgen vom 15.10.2019.
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Alkoholverbot in Städten «Mit Bussen trifft man die falschen Leute»

In der Schweiz scheitern Versuche, Alkoholverbotszonen einzurichten. Jetzt setzt man auf Prävention statt Repression.

Soll Alkoholkonsum in bestimmten städtischen Zonen verboten werden? Könnten so Gewalt, Abfallprobleme und Lärm eingedämmt werden? Nach verschiedenen Vorfällen mit schwerer Gewalt in der Stadt Zürich stellt der Zürcher Polizeikommandant Daniel Blumer solche Zonen zur Diskussion. Eine alte Forderung erhält neuen Zuspruch.

Die Direktorin des schweizerischen Städteverbandes, Renate Amstutz, hat ein gewisses Verständnis für die Zürcher Forderung nach Alkoholverbotszonen, denn «Alkohol steht natürlich immer wieder in Zusammenhang mit Lärm, Gewalt, Littering und Vandalismus.»

Nur die Stadt Chur kennt ein Verbot

Der Städteverband forderte solche Zonen bereits vor über zehn Jahren, als es um die Revision des Alkoholgesetzes ging. Doch die Versuche, ein Alkoholkonsumverbot auf Bundesebene zu schaffen, scheiterten. Umgesetzt wurde es in der Folge nur in der Stadt Chur – seit 2008 gestützt auf das Polizeigesetz.

Ein Mann trinkt in einer städtischen Gasse aus einer Flasche Bier.
Legende: In Chur wurde zwar ein Alkoholverbot eingeführt, der gewünschte Effekt blieb aber aus. Keystone

Aber die Erfahrungen damit zeigten, dass es nicht funktioniert. «Das Alkoholverbot in öffentlichen Zonen ist schwierig durchzusetzen. Man trifft die falschen Leute, wenn man Bussen verteilt», sagt der Churer Stadtpräsident Urs Marti.

Lärm und Gewalt kann man mit anderen Gesetzen bekämpfen.
Autor: Urs MartiStadtpräsident, Chur

Die tatsächlichen Probleme seien eher Lärmbelästigungen oder Gewalttätigkeiten. Diese kann man mit anderen Gesetzen bekämpfen, so Marti. Deshalb wird das Churer Stadtparlament das Alkoholkonsumverbot auf der Strasse nächsten Februar höchstwahrscheinlich wieder aufheben.

Prävention statt Repression

Und auch der Städteverband setzt mittlerweile vermehrt auf Prävention statt Repression – mit Sozialarbeitern, die auf den Strassen unterwegs sind, wie Renate Amstutz erklärt: «Zum Beispiel ‹SIP›, ‹Pinto› oder ‹correspondants de nuit› sind im Nachtleben unterwegs, suchen das Gespräch mit jungen Menschen und arbeiten so viel stärker präventiv.»

In der Schweiz sind solche Zonen also momentan eher kein Thema. Ganz anders im benachbarten Ausland. In Städten wie Wien, Dresden oder München gibt es sie. Und auch nahe der Schweizer Grenze im süddeutschen Singen. Dort darf man seit einer Woche in der Fussgängerzone keinen Alkohol mehr konsumieren.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Lohri  (Patrick Lohri)
    Ich bin ganz klar für ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit! Unsere Gesellschaft muss wieder Anstand und Respekt lernen und das geht halt nicht mit ein wenig nett sein! Es gibt kein Menschenrecht auf saufen, pöbeln und randalieren!
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    1. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      Ein friedfertiger Betrunkener ist mir lieber als ein pöbelnder und randalierender Nüchterner. Inwiefern würde ein Alkoholverbot bei diesen beiden Beispielen der Gesellschaft wieder Anstand und Respekt lehren?

      Restaurantterrasse, Dorf-/Stadtfest, Wanderung … wo beginnt Öffentlichkeit? Ich gebe zu, dass Alkohol enthemmt und die Chance für Pöbeleien und Randale dadurch steigen. Es stören aber Pöbeleien und Randale und hier gilt es Anstand und Respekt zu lehren. Ein Verbot lehrt nichts.
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  • Kommentar von Kris Kronig  (Kris)
    Alkoholverbotszonen sind reine Symptombekämpfung. Solange das Bedürfnis nach Alltagsflucht per Rausch besteht, verlagert eine Verbotszone nur den Ort. Dann wird jemand anderes von nächtlichen Säufern gestört.

    Warum nicht eine Stufe tiefer ansetzen und Zonen schaffen, wo dies ungestört möglich ist? Oder das Problem gar bei der Wurzel packen und das Rauschbedürfnis bekämpfen?Überlegen, was den Alltag wieder lebenswert macht?

    Verbote lösen keine Probleme, sie verlagern diese nur.
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  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    In den ach so freien USA ist Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit fast überall verboten. Und das klappt auch problemlos. In California werden selbst Betrunkene eingesammelt und ausgenüchtert. Weshalb soll das hier nicht funktionieren. Wenn der Wille da ist, geht auch was.
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    1. Antwort von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
      Nur bekommt man mit Alkoholverbotszonen Gewaltverbrechen nicht in den Griff: Zum Beispiel: die Tötungsrate liegt in den USA pro 100000 Einwohner bei 5,4 in der CH bei 0,5.
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    2. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      Aus den Augen, aus dem Sinn?
      Wird so ein gesellschaftliches Problem gelöst?
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