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Die Idylle auf den Toggenburger Alpen ist gestört
Aus Echo der Zeit vom 24.03.2022.
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Alphütten im Kanton St. Gallen Und plötzlich gehört dem Eigentümer seine Alphütte nicht mehr

Im Kanton St. Gallen ist ein Streit darum entbrannt, wem die Alphütten gehören. Sehr zum Ärger der Eigentümer.

Josef Koller ist bekannt unter dem Namen «Schöfli-Sepp». Er zeigt ausgedruckte Fotos seiner Alphütte. «Ich habe sie übernommen aus einem Erbvertrag von meinem Grossvater.» Vor ein paar Monaten schrieb ihm jedoch die Gebäudeversicherung, er sei gar nicht der Eigentümer der Gebäude. Eigentümerin sei die Alpkorporation. Josef Koller fiel aus allen Wolken.

Mann steht in Restaurant
Legende: «Schöfli-Sepp» sagt von sich, er schreibe seit September nur noch eingeschriebene Briefe. SRF / Selina Etter

Es ist aber nicht so, dass es eine Gesetzesänderung gab. Der Kanton St. Gallen setzt nur ein Gesetz um, das besagt, dass die Gebäude demjenigen gehören, dem der Boden gehört. Und der Boden gehört nicht den Älplerinnen und Älplern, sondern den Alpkorporationen. Das Gesetz gilt eigentlich schon lange. Es wurde nur bisher nicht angewendet. Ungefähr 800 Gebäude sind von diesem Wechsel betroffen.

Eigentümer der Alphütten sind empört

Josef Koller fühlt sich enteignet. «Wir haben die Hütte umgebaut und immer wieder etwas gemacht.» Vor drei Jahren zerstörte eine Lawine die Gebäude. Er hat sie wieder aufgebaut. Für eine halbe Million Franken. Nun schreibt er viele Briefe: «Ein Bundesordner ist voll mit eingeschriebenen Briefen und den Antworten.»

Alp mit mehreren neuen Gebäuden
Legende: Diese Alphütte hat Eigentümer Josef Koller nach einem Lawinengang vor drei Jahren neu aufgebaut. zvg / Josef Koller

Der Unmut und das Unverständnis der Alphütten-Besitzer war so gross, dass der Kanton St. Gallen reagierte. Um seine Sicht zu erklären, hat er Informationsveranstaltungen organisiert.

Kanton St. Gallen erklärt seine Sicht auf die Eigentümerschaft

Sie hätten nichts Falsches gemacht, ist Alexander Gulde überzeugt, der Leiter des Amts für Gemeinden und Bürgerrecht im Kanton St. Gallen. «Nach unserer Einschätzung gehören diese Alpgebäude seit Jahrzehnten – seit der Einführung des Zivilgesetzbuches in der Schweiz – den Alpkorporationen.» In der Praxis habe man die Besitzer der Gebäude lange wie Eigentümer behandelt, rechtlich stimme das aber nicht.

Saal mit vielen Leuten und vorne Präsentation
Legende: Eine Infoveranstaltung am Mittwoch stiess auf grosses Interesse. Etwa 150 Personen kamen. SRF / Selina Etter

Der Kanton St. Gallen wolle Hand bieten für Lösungen. Auch Alexander Gulde sagt: «Ich habe sehr grosses Verständnis. Diese Leute haben sehr viel Zeit, Mühen und Geld investiert in diese Gebäude. In den Unterhalt der Gebäude, auch teilweise in den Aufbau dieser Gebäude. Und deshalb ist es eine grosse Unsicherheit für sie, dass sie nicht Eigentümer dieser Gebäude sind.»

Individuelle Lösungen für die Eigentümer der Alphütten

Das Gesetz ist klar. Denkbar wären jedoch einzelne Verträge zwischen den Älplern und den Korporationen oder Baurechtsverträge. Vermutlich müssen jedoch für jede Korporation unterschiedliche Lösungen gefunden werden.

Lösungen in anderen Kantonen

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In Uri kennt man für Alpen ein Baurecht auf Allmend. Und der Kanton Bern schreibt auf Anfrage von SRF:
«Im Kanton Bern wird in der Regel von überlieferten Baurechten ausgegangen, soweit diese nicht in das Grundbuch aufgenommen worden sind. Unseres Wissens sind jedoch für sämtliche bernischen Alphütten, die nicht der Alpgenossenschaft zuzuordnen sind, Baurechte eingetragen worden.»

Video
St. Gallen: Kanton enteignet Alphütten-Besitzer
Aus Schweiz aktuell vom 25.03.2022.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 55 Sekunden.

Echo der Zeit, 24.03.2022, 18:00 Uhr;

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87 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, wir schliessen die Diskussionsrunde an dieser Stelle. Einen schönen Abend und liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Tja, das wird teuer für die Korporationen wenn diese nun plötzlich zu Eigentümer on hunderten von Häusern werden. Steuern, Versicherungen, Unterhalt und Investitionen etc, etc. Und dem Kanton der eine solche "Neu"regelung einfach mal so rauswirft... Ich weis nicht. Aber wundern tut es mich nicht, denn was da so alles in den Beamtenbüros läuft tagein tagaus - irgendwie müssen sich diese hundertschaften ja beschäftigen. Und solcherlei Firlefanz beschäftigt den Beamtenapparat um weitere Jahrzehnte
    1. Antwort von Hans Hegetschweiler  (hansicomment)
      Je weniger man vom Recht versteht, desto saftiger sind die Kommentare. Seit 1912 ist separates EWigentum an Gebäuden auf fremdem Land nur möglich, wenn ein Baurecht ins Grundbuch eingetragen wird. Wenn nun in 110 Jahren einfach so getan wird, wie wenn das ZGB auf einer Alp keine Gültigkeit hat und nicht - wie in anderen Kantonen - ein Lösung gesucht wird, dann ist das kein Beamten-Firlefanz sondern Dummheit der Gebäudebesitzer, die keine Lösung mit den Korporationen suchten.
    2. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      @hansicomment: Wie auch immer die rechtliche Ausgangslage ist, es geht nicht an, dass mit einer Verordnungsänderung zack-bum, via Infoveranstaltung vorgegangen wird. Wo doch für weit geringeres, ausgiebige Vernehmlassungen durchgeführt werden.
      Derart tradierte Umstände erledigt, oder korrigiert man nicht einfach so auf dem Verordnungsweg, auch wenn dies rechtlich genügen würde. Hier fehlt es am nötigen Fingerspitzengefühl.
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Wehe, wenn plötzlich der "Amts Schimmel" sich wieder besinnt zu "wiehern"!