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Schweiz Alt Bundesrat Friedrich gestorben

Alt Bundesrat Rudolf Friedrich ist im Alter von 90 Jahren verstorben. Der promovierte Jurist politisierte fast dreissig Jahre aktiv für die FDP. Sein Anliegen war der liberale Staat, der Eigenverantwortung und internationale Solidarität in ein Gleichgewicht bringen sollte.

Legende: Video «Rückblick auf Rudolf Friedrichs Leben » abspielen. Laufzeit 1:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.10.2013.

Alt Bundesrat Rudolf Friedrich ist am vergangenen Dienstag im Alter von 90 Jahren verstorben. Dies berichtet der Winterthurer «Landbote».

Vom Vaterland zum Leistungserbringer

Rudolf Friedrich war promovierter Jurist. Er begann seine politische Laufbahn 1957 als Parteisekretär der Winterthurer Freisinnigen. Friedrich wurde in den Gemeinderat, Kantonsrat und 1975 in den Nationalrat gewählt. In der grossen Kammer profilierte er sich vor allem als Verfechter einer starken Landesverteidigung und wurde damit zu einem Feindbild der Linken.

1982 wurde der Politiker Bundesrat, wo er das Polizei- und Justizdepartement übernahm. Seine wichtigsten Geschäfte waren das neue Eherecht und das Gesetz über den Grundstückverkauf an Ausländer («Lex Friedrich»). In der Asylpolitik verteidigte er die humanitäre Tradition. Wegen Herzbeschwerden trat Friedrich frühzeitig als Bundesrat zurück.

Nach dem Rücktritt und einer Rekonvaleszenzzeit entfaltete er wieder eine rege intensive politische und publizistische Tätigkeit. Friedrich engagierte sich in diversen Abstimmungskomitees, etwa für den EWR-Beitritt (1992) und bei der zweiten Abstimmung über den UNO-Beitritt (2002). Zudem übernahm er Präsidien in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen.

Liberaler Mahner gegen Rechtspopulismus

In der öffentlichen Wahrnehmung galt Friedrich bis in die 1980er-Jahre als Kalter Krieger und strammer Antikommunist. In Erinnerung bleibt beispielsweise, dass er das Berner Büro der sowjetischen Nachrichtenagentur «Nowosti» schliessen liess. Friedrich verdächtigte die Friedensbewegung, von Moskau gesteuert zu sein.

Seit den 1990er-Jahren trat Friedrich immer wieder als liberaler Mahner gegen den Rechtspopulismus und die Politik der SVP auf. Dabei schreckte er auch nicht davor zurück, Christoph Blocher direkt anzugreifen. Dessen Wahl in den Bundesrat nannte er «ein Unglück», die Abwahl hielt er für legitim.

Unter Friedrichs Federführung lancierten Politiker eine Inseratekampagne, als die SVP zum Angriff auf Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf blies. Auch in andere Themen mischte sich der alt Bundesrat mit deutlichen Worten ein – in Leserbriefspalten ebenso wie in redaktionellen Beiträgen. Unter anderem kritisierte er 2008 die gesamte UBS-Führung für das Debakel im amerikanischen Immobilienmarkt.

«Ehrlich und gradlinig»

«Die Partei hat mit grosser Trauer Kenntnis vom Tod von Rudolf Friedrich genommen», sagte FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher. «Er war eine herausragende Persönlichkeit, die immer ehrlich und gradlinig politisierte und sich enorm engagierte. Bis vor wenigen Wochen hat er sich mit Rat und Tat aktiv für eine liberale Schweiz und für unsere Partei eingesetzt.»

9 Kommentare

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  • Kommentar von P. Buchegger, 8810 Horgen
    Rudolf Friedrich hat als NR immer wieder gegen die Linken gewettert (Stichwort "Moskau einfach").Aber in seinen letzten Jahren hat er in vielen Leserbriefen in der NZZ immer wieder auch vor Christoph Blochers hemdsärmlieger Demagogie gewarnt.Die Vorstellung,dass einer als selbst ernannter "Vordenker der Nation" für sich die alleinige Wahrheit in Anspruch nimmt und andere,die ihm nicht folgen mögen,als Landesverräter hinstellt,war dem liberalen Geist eines Rudolf Friedrich zutiefst ein Gräuel.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Mein herzliches Beileid zum Hinschied von Rudolf Friedrich. Während seiner kurzen Amtszeit hat Alt-Bundesrat Friedrich einiges bewirkt. Aus Liebe zur Schweiz wollte der FDP Minister u. a. die Souveränität der Schweiz mit einem Beitritt zum EWR und zur EU begraben. Dies ist dem eher linkslastigen Bundesrat zum Glück nicht gelungen.
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    1. Antwort von Albert Planta, 6370 Stans
      Rudolf Friedrich war ein Freisinniger alter Schule, also alles Andere als Linkslastig.
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    2. Antwort von Leo Fink, 6370 Stans
      Genau: Er trat als Ausverkäufer der Schweiz an die EU an. Von Altersweisheit keine Spur!
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  • Kommentar von Dieter Wundrak, Frenkendorf
    Wenn man seinen Lebenslauf so verfolgt hat, dann kann man sagen ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle. Und interessant ist für mich auch gewesen seine Zustimmung zur UNO, so auch zum Deiss, einen CVP Politiker, der in der UNO später auch erfolgreich wirkte. Und die Aussagen zur SVP wie auch zum Blocher, so würde ich meinen, einfach richtig beurteilt von dieser Persönlichkeit. Und nur dies noch einmal für alle, dieser Mann war 2 Jahre ein BUNDESRAT, wegen der Gesundheit trat er jedoch zurück.
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    1. Antwort von Daniel Lehmann, Frenkendorf
      Nein; ein Gentleman plappert nicht kindischen Mist nach wie "Moskau einfach" oder "von Moskau ferngesteuert". Ein beträchtlicher Teil seines Wohlstandes war geerbt, nicht selbst erarbeitet; darum hat er verschiedene Entwicklungsstufen zum Erwachsenwerden nicht erreicht.
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