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Schweiz Alt-Bundesrat Pierre Aubert gestorben

Der ehemalige Schweizer Aussenminister Pierre Aubert ist im Alter von 89 Jahren verstorben. Das berichten Westschweizer Medien. Sie berufen sich auf Angaben seiner Familie. Der Sozialdemokrat sass von 1977 bis 1987 in der Landesregierung.

Legende: Video Ein Blick zurück auf Pierre Auberts Leben abspielen. Laufzeit 01:57 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 09.06.2016.

Alt SP-Bundesrat Pierre Aubert ist am Mittwoch im Alter von 89 Jahren verstorben, wie die Familie am Donnerstag durch ein Bestattungsunternehmen bekanntgab. In der Landesregierung war er Aussenminister und bekleidete zweimal das Amt des Bundespräsidenten.

Studierter Jurist

Pierre Aubert wurde 1927 in La-Chaux-de-Fonds (NE) geboren. Er studierte Jura und schloss mit dem Lizenziat ab. Von 1952 bis 1977 war Aubert als selbständiger Rechtsanwalt tätig. In der gleichen Zeit war er Präsident des Rates der Universität Neuenburg.

Seine politische Karriere begann im Grossen Rat von Neuenburg, welchem er von 1961 bis 1975 angehörte. Ständerat war er von 1971 bis 1977. In den Siebzigerjahren war Aubert zudem Delegierter im Europarat in Strassburg.

Vergebliches Engagement für UNO-Beitritt

Am 7. Dezember 1977 wurde Pierre Aubert in den Bundesrat gewählt. Er gehörte der SP an und stand während seiner Amtszeit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten vor. 1983 und 1987 war Aubert Bundespräsident. Er trat 1987 zurück.

Aubert engagierte sich stark für die Entwicklungspolitik sowie für die Menschenrechte. Er setzte sich ein für einen UNO-Beitritt, welcher jedoch in der Abstimmung von 1986 zunächst abgelehnt wurde.

Er hat mich inspiriert
Autor: Johann Schneider-AmmannBundespräsident

Mit Trauer nehme die Schweiz Kenntnis vom Tod von Alt Bundesrat Pierre Aubert, schreibt Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in einer Würdigung. «Er wird uns fehlen.»

An der Spitze des Aussendepartements habe sich Aubert für eine offene und menschliche Schweiz eingesetzt. Für die dem Land geleisteten Dienste «schulden wir ihm Dank und Respekt», heisst es in der Erklärung des Bundespräsidenten weiter.

Persönlich habe er Pierre Aubert sehr gemocht, schrieb Schneider-Ammann. Selbst als Auberts Kräfte zu schwinden begonnen hätten, habe er nicht aufgehört, sich für alles zu interessieren, «und er hat mich inspiriert mit seinen freundschaftlichen Ratschlägen und seinem Humor».

Bei der SP nicht sehr beliebt

Weniger begeistert war die damalige SP-Fraktion mit ihrem Bundesrat Aubert: «Er war ein eher schwacher Bundesrat», sagt der ehemalige SP-Parteipräsident und Nationalrat Helmut Hubacher gegenüber Radio SRF. Aubert sei kein Meinungsmacher gewesen: «Er hat praktisch keine Rolle gespielt und das Terrain Willy Ritschard überlassen.» Dieser sei Aubert «hochüberlegen» gewesen.

Zwar habe Aussenminister Aubert als einer der ersten Bundesräte überhaupt deutlich Stellung gegen das Apartheid-Regime in Südafrika bezogen. Doch sein Elan, eine dynamische Aussenpolitik zu führen, sei rasch erlahmt. Hubacher selber forderte später in einer Fraktionssitzung sogar den Rücktritt Auberts. Doch dort habe es geheissen, so etwas mache man nicht.

Aubert selber habe ihm seine Forderung keineswegs übel genommen. «Wir hatten nach der Fraktionssitzung unser Weihnachts-Fraktionsessen. Dabei sass Aubert neben mir und schenkte mir den Wein ein. Ich dachte mir: Hätte ich den Rücktritt von Willy Ritschard gefordert, er hätte Hackfleisch aus mir gemacht. Das zeigt, Aubert war als Bundesrat eine eher schwache Figur.»

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    So ein Zufall: "«Je savais qu’il n’allait pas bien, mais la nouvelle de son décès m’a profondément attristé lorsque je l’ai apprise mercredi soir quand nous avons atterri», a confié le chef du DFAE, Didier Burkhalter, en déplacement officiel au Canada. «C’était d’ailleurs étrange, car j’étais en train de lire un document dans lequel il était précisé que la dernière visite d’un chef de la diplomatie suisse remontait à 1981, et que c’était justement Pierre Aubert», a-t-il souligné." (Le Matin)
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  • Kommentar von Fredy Bösch (Fredy Bösch)
    Die peinlichsten 4 Minuten des Helmut Hubacher. Wer nichts Positives über einen soeben verstorbenen „Parteikollegen“ zu sagen hat schweigt! Es sei denn, man ist selber ein frustrierter, vergrämter alter Mann.
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Dabei sass Aubert neben mir und schenkte mir den Wein ein. Ich dachte mir: Hätte ich den Rücktritt von Willy Ritschard gefordert, er hätte Hackfleisch aus mir gemacht. Das zeigt, Aubert war als Bundesrat eine eher schwache Figur.»" Diese Schlussfolgerung kann ich nicht nachvollziehen. Aber die alten SP-Kämpen wissen ja auch sonst vieles besser.
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