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Alte Reithalle, neuer Konzertsaal: Erste Klangprobe in Aarau
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 30.08.2021.
abspielen. Laufzeit 07:14 Minuten.
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Alte Reithalle Aarau Wenn man statt Pferdehufe die Philharmonie klingen hört

Die Reithalle in Aarau wurde früher für die Kavallerie des Militärs genutzt. Nun ist ein Profi-Konzertsaal entstanden.

Früher galoppierten die Pferde des Militärs durch die Reithalle im Zentrum der Aargauer Kantonshauptstadt. Ab Oktober ist sie das neue Zuhause der Aargauer Philharmonie, die seit vielen Jahren keinen festen Konzertort hat; kein KKL wie in Luzern, keine Tonhalle wie in Zürich, keine Stadtcasino-Säle wie in Basel oder Bern. Seit 2012 wurde die Halle kulturell zwischengenutzt. Nun erhielt sie für gut 20 Millionen Franken eine gründliche Auffrischung.

Legende: Die alte Reithalle wurde seit 2012 kulturell zwischengenutzt. Das Militär nutzt die Halle nicht mehr. SRF

«Ende Oktober dürfen wir endlich unsere neue Heimat in Aarau musikalisch einweihen», freut sich Argovia Philharmonic, so der offizielle Name des Profi-Orchesters, über den Bezug der alten Reithalle Aarau. Diese Woche fand die erste Klangprobe in der Halle statt. Für Orchester, Dirigenten, Architekten und Akustiker ein spannender Moment, schliesslich ist die alte Reithalle kein idealer Konzertsaal.

«Rein aus architektonischen Gründen würde man den guten Klang nicht vermuten. Die Proportionen sind nicht so, wie man einen Konzertsaal aus dem Lehrbuch entwerfen würden», sagt Architekt Peter Hutter. Der Saal ist für Konzerte mit 70 Metern zu lang. Aber: «Die Oberflächen, das Holz, der Staub, das Sägemehl, der Kalk, die leere Luft – das ist eigentlich auf viele Kommastellen genau das, was viele berühmte Konzertsäle akustisch auch haben», schwärmt der Architekt.

Argovia Philharmonic

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Legende: Das Aargauer Symphonieorchester (heute Argovia Philharmonic) im neuen Zuhause in der Reithalle Aarau. zvg/argovia philharmonic
  • Das Aargauer Sinfonie Orchester wurde 1963 gegründet. Heute zählt es rund 60 Musikerinnen und Musiker.
  • Es ist das einzige professionelle Sinfonieorchester des Kantons Aargau.
  • 2008 trat es erstmals in der Tonhalle in Zürich auf. 2018 spielte es erstmals im KKL Luzern.
  • Argovia Philharmonic tritt national und international auf.
  • Der langjährige, britische Dirigent Douglas Bostock hörte 2018 nach 18 Jahren auf. Auf ihn folgte 2019 der Norweger Rune Bergmann.
  • Argovia Philharmonic bestreitet auch Kammer- und Familienkonzerte, bringt klassische Musik in die Schulen, macht Kulturreisen, spielte an Openair-Opern oder im Saldome zwischen den Salzbergen in Möhlin.
  • Das Orchester wird durch den Kanton, Gemeinden, Sponsoren und private Gönnerinnen und Unterstützer mitfinanziert.

Der Sägemehl-Boden wurde beim Umbau entfernt. Das Architekten-Team versuchte den Klang in der alten Reithalle Aarau zu bewahren oder gar verbessern. Kein einfaches Unterfangen: «Wir haben keine Referenzen. Wir können nicht in der Architekturgeschichte oder bei Kollegen nachfragen, wie man das macht. Das Gebäude ist viel zu speziell», sagt Architekt Hutter.

Legende: Vor der Sanierung: Die alte Reithalle soll als Mehrspartenhaus (Theater, Tanz, Musik, moderner Zirkus) über die Kantonsgrenzen hinausstrahlen. SRF

Ein wichtiges Element beim Umbau war das Dach, über welches ein weiteres Dach gebaut wurde, damit die Aussengeräusche der Stadt nicht durchdringen. Spezielle Schallschutz-Fensterläden decken die grossen Fenster ab.

Legende: Für 20 Millionen Franken ein Ort für Klassikfans statt Pferde: Die alte Reithalle in Aarau. zvg/argovia philharmonic

Die lange Halle kann mit einer verstellbaren Spezialwand aus den USA unterteilt werden. 600 Plätze bietet der Konzertsaal.

Das Auge hört mit

Für einen guten Klang hat in Aarau auch Akustiker Martin Lachmann gesorgt. Der Charakter einer Konzerthalle sei wichtig für den Klang: «Das Auge hört mit. Entstanden ist ein Raum, der optisch gefällt, atmosphärisch ist und den Klang unterstützt», so Lachmann. «Die Reithalle hat Charme.»

Lachmann hat die Akustik in der Halle bei der Klangprobe vermessen und ist zufrieden. Nun müssten noch Orchester und Raum zusammenspielen. Der Raum sei wie ein Ferrari, und Musikerinnen und Musiker müssten den Ferrari noch einfahren, dann stehe dem Klangerlebnis nichts mehr im Wege.

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So klingt die erste Klangprobe in der alten Reithalle Aarau
00:19 min, aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 31.08.2021.
abspielen. Laufzeit 00:19 Minuten.

Chefdirigent Rune Bergmann hat schon mit vielen Orchestern in Skandinavien und auf der ganzen Welt gearbeitet. Er ist aktuell auch Chefdirigent in Kanada und Polen. Für ihn ist die Halle in Aarau besonders. «Von der ersten Note an konnte ich klar hören, dass das die beste Halle ist, in der wir gespielt haben, sicherlich seit ich dabei bin. Diese Konzerthalle hat enormes Potenzial.»

Ich glaube, das wird einer der wichtigen Säle in der Schweiz

«Es klingt sehr klar», sagt eine Musikerin bei der Klangprobe. «Ich höre einen sehr klaren Sound. Es ist angenehm», sagt ihr Orchester-Kollege. «Es ist noch etwas ungewohnt. Man muss sich orientieren. Aber das Alte ist gut mit dem Neuen kombiniert. Ich glaube, das wird einer der wichtigen Säle in der Schweiz», sagt ein weiterer Musiker.

Umgenutze Hallen in der Schweiz

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Wo wurden Gebäude für die Kultur umgenutzt? Ein paar Beispiele:

  • In Basel wurde die Don Bosco Kirche zum Musik- und Kulturzentrum umfunktioniert. Hier spielt im grossen Saal unter anderem das Basler Kammerorchester.
  • In Bern wurde die altehrwürdige Reithalle schon für eine Opernaufführung genutzt. Die grosse Halle des graffitiverzierten Kulturzentrums wurde 2015 zur Klassikbühne.
  • In Zürich wird das Hallenstadion vom Velorenn-und Eishockeystadion regelmässig zur Konzertarena umgewandelt. Es gastieren allerdings kaum Klassik-Orchester hier.

Nun gilt es nebst den leisen Tönen, die gemäss den Verantwortlichen bereits perfekt klingen, auch die lauten Stellen noch genauer einzufangen. Stoffsegel an der Decke können hierzu verstellt werden. Bis zum Konzertstart im Oktober bleibt noch etwas Zeit dafür.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 30.08.2021, 17:30 Uhr;

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Ja die Zeiten der Kavallerie ist vorbei Nostalgie das zeigt bereits die Überschrift des Beitrages
    Pferdehufe haben in der Reithalle nicht geklungen, der Boden war
    Torf, dafür auf den Pflastersteinen in den Dörfer und Stadtgassen und sich alle Fenster öffneten, wenn 600 Pferdehufe klangen.