Von aussen? Ein normales Haus mit Wohnungen, vielleicht Büros oder Arztpraxen, mitten in der St. Galler Innenstadt. Von innen? Eine auf den ersten Blick gewöhnliche Wohnung, durch eine offene Türe kann man einen Blick in ein Zimmer erhaschen.
Auf den zweiten Blick hängen mancherorts Kabel, ein Knopf hier, ein Schalter da. Schnell wird klar: Hier wird an Technik herumgetüftelt. Technik, die älteren Leuten im Alltag helfen könnte. Die Fachhochschule OST mietet diese Wohnung und benutzt sie als Hörsaal und Labor in einem. Hier ist das sogenannte SimDeC, wo Studierende unter dem Kompetenzzentrum Demenz unterrichtet werden.
Schon am Eingang fällt das Schloss auf, es ist motorisiert. Eine ältere Person muss so nur auf einen Knopf drücken, schon ist die Tür auf oder zu. Einen Schlüssel ins Schloss zu schieben oder die Kraft aufzubringen, ihn zu drehen – da können bereits erste Hürden im Alltag auftauchen.
«Für uns mag der Motor Lärm sein. Wenn ich es aber als Zeichen der Freiheit sehe, wenn ich mühelos die Tür aufschliessen kann, ist dies Musik in den Ohren», sagt Josef Huber, Leiter des SimDeC.
Akzeptanz der Betroffenen im Vordergrund
Beim Rundgang, der im Rahmen einer Roadshow zur Altersforschung durchgeführt wurde, fällt auf: Es sind oft Details, die herausstechen. Vom Alltagsgegenstand bis zu Hightech-Robotern und Virtual-Reality-Brillen ist alles zu sehen.
Ein Blick in die Hightech-Wohnung
In einem Raum lugt ein Roboterkopf auf einer Kiste hervor. Ein täuschend echtes Gesicht blickt ins Zimmer. Huber erklärt, dass die Tüftelei stets unter dem Credo einer Akzeptanz der dementen Person liege. Akzeptiert der Betagte die technische Hilfe oder lehnt er sie ab? Wie muss ein Hilfsmittel «verpackt» sein, dass die Akzeptanz steigt?
Aufgepasst auf das Kabel
Im Schlafzimmer fällt eine Lichterkette unter dem Bett auf. Sie leuchtet dank eines Sensors auf, sobald jemand vom Bett aufsteht. Es ist ein Nachtlicht und dient als Beispiel für oft pragmatische und einfache Anforderungen an technische Hilfsmittel: Nirgends darf ein Kabel herunterhängen, damit es nicht beim Staubsaugen stört.
«Ich als Wissenschaftler achte auf die Helligkeit oder die Farbe des Lichts. Dafür ist die Technik gut genug. Aber die negativen Aspekte der Technik dürfen nicht den Alltag dominieren», erklärt Huber.
Hinfall-Sensoren und Klebeband
Die Bodenleiste im Schlafzimmer ist rundherum mit einem schwarzen Streifen überzogen. Das sind Sensoren, die bemerken sollen, wenn jemand hinfällt. Aber geht der Alarm los, wenn zum Beispiel ein Handtuch am Boden liegt? Beim Testen sei man schonungslos, sagt Huber. Man sei auch offen für simple Lösungsvorschläge.
In der Küche liegt ein Messer neben rotem Isolierband. Der Hintergrund: Eine demente Frau konnte wegen Wahrnehmungsstörungen das Besteck auf dem Tisch nicht mehr erkennen. Daraufhin wickelten die Forscher rotes Isolierband um den Messergriff, das Problem war gelöst. So einfach kann Wissenschaft auch sein.
«Kein Problem ist zu klein oder zu banal, um es zu lösen», sagt Huber. Das sei das Wichtige an der Forschung. Jede Technik sei immer nur gut, wenn sie den Leuten helfe. Egal ob ein Roboter, Sensor oder ein einfaches Klebeband.
Mit Robotern nach Genf touren
Die Roadshow unter der Führung des Instituts für Altersforschung der OST, das Technologien den Menschen näher bringen will, tourt nach dem Start in St. Gallen durch die Schweiz: Zürich, Bern, Lausanne, Genf und Lugano stehen bis am Dienstag auf dem Programm.