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Im Altersheim gibts Eigenbräu
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 29.09.2022.
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Altersheim geht neue Wege Bier brauen hält Altersheimbewohner fit

Hühner, Schafe und Eigenbräu tun den Bewohnerinnen und Bewohnern in einem Baselbieter Altersheim gut.

«Jetzt müssen wir das Malz einrühren!» Corinna Bähler schaut gespannt in die Runde – in die Gesichter der Bewohnerinnen und Bewohner des Alters- und Pflegeheims Hofmatt in der Baselbieter Gemeinde Münchenstein. Zusammen stehen sie um einen Bottich und brauen Bier – zum ersten Mal in ihrem Leben.

Man ist nie zu alt, um etwas Neues zu lernen.
Autor: Dorli Biedert Bewohnerin Alters- und Pflegeheim Hofmatt

Gebraut wird ein helles Schweizer Lagerbier. «Jetzt maischen wir das ein», führt Bähler die Anweisungen fort. Man müsse nun viel rühren.

Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der Hofmatt kommt das Bierbrauen sehr gut an. «Links oder rechts rumrühren?», fragt eine ältere Frau und legt dann sofort los. Sie habe noch nie Bier gebraut, sagt Dorli Biedert und fügt an: «Man ist nie zu alt, um etwas Neues zu lernen.» Auch wenn sie selber nicht viel Bier trinke, sei es «lässig» mitzubekommen, wie Bier gemacht werde.

Auch ein Senior schaut zufrieden in den Bierbottich. Man komme beim Bierbrauen zusammen und «kann ein bisschen mit den Menschen reden», sagt Erwin Liechti. «Das ist gut.»

Hühner füttern lockt Leute in den Garten

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Das Bierbrauen ist Teil der «Green-Care-Strategie», die das Pflegeheim Hofmatt verfolgt. Sie besagt, dass ältere Menschen so viel wie möglich mit der Natur in Kontakt kommen sollten, um geistig und körperlich fit zu bleiben. Äpfel pflücken, den Garten bestellen, Hühner füttern, Schweine pflegen und andere naturgestützte Aktivitäten – das alles seien Gründe für die älteren Leute, um in die Natur zu gehen. Gerade bei Dementen können die Pflegenden so leichter an Themen anknüpfen, die diese von früher kennen, beispielsweise Gartenarbeit. Neu gehört in der Hofmatt auch Bierbrauen zum Angebot der «Green-Care-Strategie».

Unter anderem um dieses Zusammenkommen gehe es beim Bierbrauen, heisst es beim Alters- und Pflegeheim Hofmatt. Seit Jahren hält das Heim die «Green-Care-Strategie» hoch. Diese besagt, dass es Menschen in Altersheimen besser geht, wenn sie das Haus verlassen und draussen im Garten und mit Tieren arbeiten können.

Mehr Tiere und weniger Schmerztabletten

Während die Leute Bier brauen, sehen sie Schafen beim Grasen zu, Hühner spazieren umher, auch Schweine hat es. «An einem Nachmittag wie diesem verlangt kaum eine Bewohnerin oder ein Bewohner nach einer Schmerztablette», sagt Heimleiter Marc Boutellier.

«Es fördert die Lebensfreude, wenn man draussen etwas zusammen unternimmt», erklärt Gabi Zbinden das Interesse des Heims an der Green-Care-Strategie, für die sie in der Hofmatt zuständig ist. Im Garten würden die Menschen beispielsweise die Jahreszeiten mitbekommen, was sonst nicht immer der Fall sei. Und wenn die Hühner Hunger hätten, sei allen klar, dass man sie füttern müsse, egal wie das Wetter sei.

Bier-Fest mit Eigenbräu

Das Bierbrauen dauert den ganzen Tag. Am Abend wird das Gebräu in ein Fass gefüllt. Es muss zuerst einige Wochen lagern, bevor es in die selber etikettierten Flaschen abgefüllt wird. «Danach machen wir ein Fest», sagt Corinna Bähler. Ein Fest, bei dem die Bewohnerinnen und Bewohner mit einem speziellen Getränk anstossen: dem selbst gebrauten «Green Care Bier – hundert Prozent natürlich».

Regionaljournal Basel, 27.9.2022, 17:30 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von SRF (SRF)
    Guten Abend, liebe Userinnen und User, vielen Dank für die spannende Debatte - für heute schliessen wir die Kommentarspalte und wünschen Ihnen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Roger Oskar Werner Marty  (ROMAPS)
    Die Gedanken sind frei und frei sollte auch der Wunsch über Leben oder Sterben sein. Wenn Jemand nicht mehr will, soll er doch m.E. auch sterben dürfen und nicht mit Pharmaunterstützung an seinem Willen gehindert werden.
  • Kommentar von Katharina Graf  (aarengemurmel)
    Es stimmt mich traurig und ärgerlich zugleich, daß Mensch sich so eine Strategie überhaupt ausdenken muß, wo es für mein Empfinden für jedes Heim selbstverständlich sein sollte ein solches Miteinander zu pflegen. Das Bedürfnis nach Bindung/Kontakt, des sich einbringens und wirken ist natürlich in uns angelegt und verschwindet doch nicht einfach im Alter! Stattdessen ist das ruhig stellen oder irgendwo abstellen immer noch Usus. Wo bleibt da die Würde? Verdrehte Welt!
    1. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Frau Graf: stimme Ihnen zu! hier noch zwei Gedanken: aktuell bin ich relativ häufig in Alters- und Pflegezentren unterwegs: beruflich, freiwillig, persönlich. Ich treffe nirgendwo einen Betrieb, in dem die von Ihnen gewünschte Strategie nicht vorhanden wäre und dies nicht nur auf dem Papier. Manchmal höre ich sogar: "was jetzt müssen wir schon wieder.. es ist zu viel". Die Gefahr vom "Ruhigstellen" wird mMn erkannt und ihr nach Möglichkeit begegnet, oft gar gegen den Wille/Wunsch der Bewohnenden
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Mein Vater war während vier Jahren im Alters- und Pflegeheim. Wenn ich dann den Beitrag 'Bier brauen hält Altersheimbewohner fit' lese, geht bei mir nicht mehr als ein müdes Lächeln übers Gesicht. Der Alltag in Schweizer Alters- und Pflegeheimen sieht allerallerallergrösstenteils ganz anders aus, als im SRF-Beitrag suggeriert oder in Aussicht gestellt. Lasst uns realistisch bleiben!