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Schweiz Amok-Schloss und Notfall-App: Wie sich Unis vor Terror schützen

Die jüngsten Amoktaten und Terroranschläge zielten auf Menschenmengen ab. Das fordert auch hiesige Universitäten heraus, wo sich jeden Tag Tausende Studenten versammeln. Den Bedrohungen begegnen sie mit obligaten Strategien, aber auch je mit besonderen Massnahmen. Geheimniskrämerei? Fehlanzeige.

Das Audimax ist der grösste Hörsaal an der Universität St. Gallen.
Legende: Die Universität St. Gallen hat zusammen mit den «Blaulichtorganisationen» Notfallkonzepte erarbeitet. Keystone

Texas erlaubt Studenten neuerdings, mit der Waffe auf den Campus zu kommen. Die Veranlassung des US-Staates: Mit dem Gesetz sollen Amoktäter, wie sie die amerikanischen Universitäten schon einige gezählt haben, abgeschreckt werden.

Auch die Schweizer Bildungsstätten haben die Vorlesungssäle und den Campus als sensible Orte erkannt. Denn zum einen können auch sie einen Amoklauf nicht ausschliessen. Zum anderen haben die jüngsten Terroranschläge in Europa Menschenmengen getroffen – wie sie eben auch in Universitäten und Hochschulen vorkommen.

Vereinzelte Studenten sind ausgerastet, weil sie die Examina nicht bestanden haben.
Autor: Thomas WerrenSicherheitbeauftragter der Universität Freiburg

Sie schützen sich indes nicht, indem sie wie Texas den Selbstschutz tolerierten. Sondern indem sie einer Bewaffnung grundsätzlich zuvorkommen wollen. Ein Überblick über besondere Massnahmen gegen diverse Bedrohungen.

Universität Freiburg: Elektronische Überwachung des Campus

Die Universität Freiburg schickt voraus, dass bisher keine grösseren Gewaltakte, wohl aber «kleinere Vorfälle» vorgekommen seien. Thomas Werren, Leiter Dienst für Ausrüstung Logistik und Sicherheit, berichtet: «Vereinzelte Studenten sind ausgerastet, weil sie die Examina nicht bestanden haben. Sie haben Professoren kontaktiert, belästigt oder den Unterricht gestört.»

Zwar sei die Universität nicht abgeschlossen, so Werren. Doch der Campus werde nach Möglichkeit elektronisch überwacht.

ETH Zürich: Ausrüstung der Hörsäle mit Amokschlössern

Das Bedrohungsmanagement der ETH fokussiert laut Katharina Timmel, Leiterin Abteilung Sicherheit, Gesundheit und Umwelt (SGU) auf Prävention. «Wir versuchen, die Individuen, die problematisch werden könnten, frühzeitig zu erkennen». Dabei spiele die Erfahrung hinein, dass die meisten Amoktäter, bereits in früheren Phasen an verschiedenen Stellen auffällig gewesen seien.

Doch auch physische Massnahmen hat die ETH ergriffen. Bis 2017 sind unpersönliche Räume, also etwa Hörsäle, mit Amokschlössern ausgerüstet. «Diese ermöglichen, sich bei einem Akt zielgerichteter Gewalt per Drehknopf in den Raum einzuschliessen.»

Wir versuchen, die Individuen, die problematisch werden könnten, frühzeitig zu erkennen.
Autor: Katharina TimmelSicherheitsbeauftrage ETH

Universität Zürich: Standortspezifische Notfall-App

Die Universität Zürich hat laut Mediensprecherin Melanie Ryfeler die meisten Gebäude mit Evakuierungsanlagen ausgestatten. Und «die Informationen, wie man sich im Ereignisfall verhalten soll, werden situativ über Lautsprecher, über die grossen Informations-Bildschirme, per Email, Social Media und die Website kommuniziert.»

Für den Ernstfall hat die grösste Uni der Schweiz gar eine Notfall-App installiert, über die Studierende und Lehrende im Ernstfall «standortspezifische Informationen und Anweisungen zum Verhalten» beziehen können.

Massnahmen geheim halten? Eben nicht

Während die Universität Luzern die Universitätsangehörigen und «insbesondere die Studienberatung» für das Thema Amok sensibilisiert, kennen sowohl die Universität Bern wie auch die Fachhochschule Nordwestschweiz ein «Krisen-» bzw. ein «Verhaltenshandbuch». Der Rektor der Universität Genf hat mögliche Bedrohungen – im Rahmen der Liga Europäischer Forschungsuniversitäten – mit europäischen Kollegen diskutiert, und die EPFL unterhält auf dem Campus ein jederzeit beziehbares Büro für die Kantonspolizei.

Die befragten Universitäten sind im stetigen Austausch. Ihre Strategien machen sie online publik. Auf die Frage, ob denn die Massnahmen nicht geheim gehalten werden sollten, entgegnet Thomas Werren, Sicherheitsbeauftragter der Universität Freiburg: «Es ist ja in unserem Sinn, dass Personen, die etwa Suizidgedanken haben oder jemanden bedrohen wollen, wissen, dass wir ein Auge auf solche Probleme haben.»

Sendebezug: SRF4 News, 15 Uhr; 1. August 2016

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    die Sicherheitsmassnahmen sind sicher zu begrüssen und zu diskutieren. Ein Konzept, welches auch mit anderen europ. Universitäten diskutiert wird. Schon mal etwas davon gehört, dass es noch zwei andere Grosse Universitäten in der Schweiz gibt, und die zudem sehr Grenznah liegen. Basel und St. Gallen.
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