Zum Inhalt springen
Inhalt

Andrang in Wintersportorten Skipisten sind kein rechtsfreier Raum

Der grosse Ansturm der Wintersportler in den Bergen hat zu mehr Unfällen geführt. Doch wer steht in der Verantwortung?

Legende: Video Wer haftet bei Skiunfällen? abspielen. Laufzeit 03:09 Minuten.
Aus 10vor10 vom 02.01.2019.

Vergangene Woche kam es zu einem tödlichen Skiunfall an der Lenk. Ein vierjähriges Mädchen verstarb am Freitag im Spital, nachdem es auf der Piste mit einem Skifahrer zusammengestossen war. Die Kantonspolizei Bern prüft, ob strafrechtlich relevantes Verhalten wie zum Beispiel überhöhte Geschwindigkeit vorlag.

Gerade bei Kollisionen liege häufig ein Fehlverhalten der Ski- oder Snowboardfahrer vor, sagt Stefan Siegrist, Direktor der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). In solchen Fällen ist der Fahrer im rechtlichen Sinn ganz klar auch in der Pflicht.

«Die Skipiste ist kein rechtsfreier Raum», betont Siegrist. «Die FIS-Regeln müssen eingehalten werden.» Das heisse vor allem, beim Überholen genügend Abstand halten, das Tempo drosseln und Rücksicht nehmen, wenn man von hinten angefahren komme.

Siegrist sieht grundsätzlich eine geteilte Verantwortlichkeit, um Unfälle auf der Skipiste zu verhindern: «In erster Linie ist es die Eigenverantwortung der Ski- und Snowboardfahrer. Aber auch die Pistenbetreiber können gewisse Vorkehrungen treffen.» Letztlich spiele auch das Material eine Rolle und wie sich dieses technisch weiterentwickeln werde.

Geschwindigkeitschild auf Skipiste
Legende: Im Skigebiet Grindelwald wurde schon 2006 eine Strecke mit Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt. Keystone / 2006

Gute Erfahrungen mit der «Slow Slope»

Eine solche Vorkehrung sind beispielsweise Pisten mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung. In Grindelwald (BE) hat man mit einer Piste, auf der höchstens 30 km/h erlaubt sind («Slow Slope»), gute Erfahrungen gemacht: «Wir haben diese Piste seit 14 Jahren und hatten seither keinen schweren Unfall mehr», sagt Andreas Heim, Leiter Pisten- und Rettungsdienst der Firstbahn.

Besonders ältere Gäste, Familien mit Kindern und die Skischule fühlten sich auf der Piste sehr wohl. «Sie werden dort nicht bedrängt und können so langsam fahren wie sie wollen», sagt Heim. Und es mache die Gäste, die schneller fahren wollten, aufmerksamer und halte sie dazu an, die dafür vorgesehenen roten und schwarzen Pisten zu benutzen.

Viel zu viele Skiunfälle

Laut der bfu kommt es jährlich zu über 60’000 Unfällen auf Schweizer Skipisten, der Grossteil ist selbstverschuldet. Zwar tragen die meisten Verunfallten nur leichte Verletzungen davon. Doch gerade über die Festtage, wenn in den Bergen Hochbetrieb herrscht, häufen sich die Unfälle.

Dieses Jahr flog die Rega über die Festtage rund 350 Einsätze, mehrheitlich wegen verunfallter Wintersportler. Die Spitze verzeichnete die Rega am 29. Dezember mit 80 Einsätzen.

Wegen des Hochnebels der letzten Tage zog es die Menschen in Massen in die sonnigen Berge: Die Bündner Bergbahnen verzeichneten 5,5 Prozent mehr Gäste über die Festtage. Die Engelberg-Titlis-Bergbahnen zählten 13 Prozent und Saas-Fee 24 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

43 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Für mich wäre schon ein Helm zu tragen ein reines Horrorszenario. Einen Helm! in der schönen Natur bei schönem Wetter, wo sind wir nur angekommen? Ich würde auch nicht mehr Velofahren, wenn ich einen Helm tragen müsste. Sollen die Raser einen Helm tragen, aber bestimmt nicht ich. Ich beherrsche ja meine Fahrt! Warum sollen wir uns dauernd von den "Dummen" in solche Zwänge drängen lassen? Da wird alles Recht völlig verdreht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Kluge Köpfe schützen sich! Es hat ausser ihnen niemand etwas von "Dummen" geschrieben. Im Sport gibt es viele Situationen wo ein guter Schutz notwendig ist. Haben Sie noch nie ein Football - Spiel gesehen?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Es ist ein Witz zu glauben, dass man die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen könnte. Die Verantwortlichen sind sehr schnell weg vom Geschehen und Zeugen wollen nicht ihre Freizeit dafür opfern, Aussagen abzugeben. Ich habe jedenfalls einfach Angst auf den normalen Pisten +verzichte deshalb gerne auf das Skifahren. Die haben auch so noch genügend rücksichtslose Raser. Früher hat man sich auch auf das Geniessen und die Natur gefreut, heute ist es der Geltungsdrang um die Ausrüstung zu zeigen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Wenn die Pisten auch ohne Sie noch genug Raser haben, dann waren Sie also einer? Wollten Sie das schreiben?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Felix Kunz (FelixKunzJr)
    Was kommt als nächstes? Skiblitzer??? Nein danke! Ich verstehe dass regeln auch beim Skifahren gelten müssen, aber wenn es so weit kommt wie im überregulierten Straßenverkehr, kann man die Schweiz nicht mehr ernst nehmen. Skifahren ist ein Sport! Solange man sich auf den weniger anspruchsvollen Pisten bewegt muss man sich vor “Rasern” keine sorgen machen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Wenn Ihr Wunschdenken nur der Realität entsprechen würde! Sie können sehen, dass ich zu Recht der Meinung bin, dass Raser sowieso eine kleine Minderheit sind. Aber leider sind die auf leichteren Pisten überhaupt nicht seltener als sonst irgendwo. Und da die leichteren Pisten sehr oft dichter befahren sind, gehört es leider dazu dass dort das Kollisionsrisiko sogar höher ist. Es liegt also an allen Sportlern zusammen, zu verhindern dass schärfere Regulierung und Kontrollen nötig werden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen