Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Angespannte Haushaltbudgets Hohe Wohnkosten: Wie viele finanzielle Reserven sollte man haben?

Viele Familien in der Schweiz leisten sich eine Wohnung, die gemäss den Empfehlungen der Budgetberatung zu teuer ist.

Viel Geld für Mieten – woher stammen die Zahlen? Aus dem neuen Miet-Barometer, das am Dienstag vorgestellt wurde. Im Auftrag des Schweizer Mieterinnen- und Mieterverbandes hat das Forschungsinstitut Sotomo eine Umfrage durchgeführt, an der sich fast 35'000 Mieterinnen und Mieter beteiligt haben. Fast 40 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mittlerweile 30 Prozent oder mehr ihres Haushaltsbudgets für die Miete ausgeben.

Ist das zu viel? Manche kennen vielleicht noch die Faustregel, dass man maximal ein Drittel seines Budgets für die Wohnung ausgeben sollte. Nur ist diese Regel inzwischen überholt. Philipp Frei, Geschäftsführer des Dachverbandes Budgetberatung Schweiz, sagt, man habe diese Empfehlung bereits vor einiger Zeit revidiert. Sie habe nicht mehr der Realität entsprochen, weil andere Budgetposten gestiegen seien. «Wir raten heute, dass die Wohnkosten nicht mehr als 25 Prozent der Nettoeinnahmen betragen sollten», sagt Frei.

Wohngebäude mit Schweizer Flagge auf Balkon.
Legende: Zwei von fünf Haushalten geben laut dem aktuellen Miet-Barometer mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus. Keystone / GIAN EHRENZELLER

Wie realistisch ist das, ein Viertel für die Miete? «Für viele Menschen, die bei uns in die Beratung kommen, ist das leider unrealistisch», sagt Frei. In vielen Regionen der Schweiz sei es unwahrscheinlich, dass man schnell eine preisgünstige Wohnung findet. Und diese Leute könnten meist auch nicht sofort in eine andere Gegend ziehen, weil beispielsweise ihre Kinder am aktuellen Wohnort in die Schule gehen. Daher seien manche Mieterinnen und Mieter quasi «gezwungen», in einer Wohnung zu leben, die eigentlich nicht ihrem Budget entspreche.

Wir sehen Fälle, in denen Menschen rund die Hälfte ihres Einkommens für die Miete ausgeben.
Autor: Philipp Frei Geschäftsführer des Dachverbandes Budgetberatung Schweiz

Was bedeutet es, wenn die Wohnung «zu teuer» ist? Wenn 30 Prozent oder mehr des Einkommens für die Miete draufgehen, heisst das, dass man an anderen Orten sparen muss. Bei den Ferien, den Freizeitaktivitäten, der privaten Vorsorge und so weiter. «Wir sehen auch Fälle, in denen Menschen rund die Hälfte ihres Einkommens für die Miete ausgeben», sagt Frei. Da liege dann ausserhalb des Lebensnotwendigen praktisch gar nichts mehr drin.

Haben die Leute generell weniger Geld zur Verfügung? «Für die untere Mittelschicht ist dies eindeutig so», sagt Philipp Frei. Vor dreissig Jahren hätten die Menschen im Verhältnis zu ihrem Einkommen mehr Geld «zur freien Verfügung» gehabt. Dieses Geld konnte man sparen, oder sich ein Haus kaufen. Heute könnten viele Familien nur noch rund zehn Prozent ihres Haushaltseinkommens frei verwenden. «Und wir sprechen hier nicht von Luxusausgaben», sagt Frei, es gehe eher um alltägliche Dinge wie Schullager, Sportvereine oder elektronische Geräte.

Eine Hand hält eine Schweizer 50-Rappen-Münze von 2026.
Legende: Im Verhältnis zum Einkommen geben die Menschen heute deutlich mehr Geld für Mieten und für Krankenkassenprämien aus als früher. Keystone / CHRISTIAN BEUTLER

Wofür geht das Geld denn sonst drauf? Ein grosser Budgetposten seien mittlerweile die Krankenkassenprämien. Vor 30 bis 40 Jahren habe eine mittelständische Einzelperson rund 5 Prozent des Einkommens für die Krankenkasse bezahlt, mittlerweile seien es eher 10 Prozent. «Bei Familien ist der Anstieg noch deutlicher», sagt Frei. «Für sie ist der prozentuale Anteil der Krankenkassenkosten im Vergleich zum Einkommen im Schnitt von 6 Prozent auf fast 16 Prozent gestiegen.»

Wie viele finanzielle Reserven sollte man haben? Die Budgetberatung empfiehlt drei Monatslöhne für Einzelpersonen und sechs Monatslöhne für Familien. «Aber wenn ich ehrlich bin, entspricht das in vielen Fällen, die wir beraten, nicht mehr der Realität», sagt Frei. Und auch die Reserven für medizinische Notfälle, die mindestens der Franchise und dem Selbstbehalt entsprechen sollten, hätten viele Familien nicht mehr zur Hand.

Diskutieren Sie mit:

Rendez-Vous, 31.03.2026, 12:30 Uhr; noes

Meistgelesene Artikel