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Veranstalter sind vom Grossveranstaltungs-Verbot betroffen
Aus 10vor10 vom 04.03.2020.
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Angst vor Corona Keine Party im Krisenland

Zum Schutz der Allgemeinheit sollte auch die Planungssicherheit für tausende Angestellte von Eventveranstaltern gehören.

Fast 100 Corona-Fälle in der Schweiz, 200 weitere in Abklärung. «Die Lage ist ernst und wird immer ernster», teilt heute das BAG mit. Italien schliesst alle Schulen und Universitäten bis Mitte März und ein ETH-Epidemiologe warnt vor 40'000 Menschen mit «kritischem Krankheitsverlauf» allein in der Schweiz.

In diese Gemengelage kommen nun Eventveranstalter und Clubbetreiber und sagen: so nicht! Das Verbot von grossen Veranstaltungen sei unverhältnismässig, die Massnahmen der Kantone unverständlich.

Die Welt des Amüsements trifft auf eine Welt im Krisenmodus, die mit Todesopfer-Zahlen und Ad-hoc-Massnahmen umgehen muss. Schlechte Karten für die Unterhaltungsbranche, denn Leben retten geht vor Abtanzen.

Gravierende Konsequenzen in der Branche

Wer aber die massiven Auswirkungen eines Verbots von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmenden für die ganze Event- und Veranstaltungsbranche kennt, der versteht die Panik – dieses Wort brauchen Branchenvertreter – der Direktbetroffenen: Buchungsagenturen, Lokalbetreiber, Kunstmanagements, Messebauer oder Sportveranstalter.

Allein die Messebranche beschäftigt fast 6000 Personen. Über ein halbes Dutzend Messen sind in den letzten Tagen bereits abgeblasen worden. 60 Millionen Franken Schaden in nicht einmal zwei Wochen. Bereits gibt es Entlassungen. Tausende sind im Stundenlohn als Türsteher, Barangestellte oder Kassiers angestellt. Dazu kommen Musikerinnen, Kleinkünstler und natürlich die ganze Profi-Sportwelt.

Sie alle stehen tatsächlich vor einer ungewissen Zukunft: Wie lange noch sind grössere Veranstaltungen verboten? Trifft es bald auch kleinere Events? Kantone haben diese bereits im Visier und die Stadt Chur möchte keine Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen.

Wer bezahlt die laufenden Löhne und womit? Denn Einnahmen sind per sofort weggebrochen. Womit sollen die AHV bezahlt, die laufenden Zinsen bedient und Mieten beglichen werden?

Fehlende Planungssicherheit

Die Existenzangst einer ganzen Branche kann nicht auf den marktwirtschaftlichen Mechanismus reduziert werden. Die Branche ist nicht «selber schuld», hat sich nicht verspekuliert. Der Bund beschloss notwendigerweise und mit gutem Recht Massnahmen zum Schutz der Allgemeinheit. Wie lange diese Massnahmen gelten und ob sie noch verschärft werden müssen, weiss zurzeit niemand.

Aber Tausende Angestellte können nicht einfach warten, ob ihnen heute oder Morgen wegen fehlender Geschäftsgrundlage gekündigt wird. Die Politik muss sich eingestehen, dass zur Allgemeinheit, die zu schützen ist, auch wirtschaftlich betroffene Unternehmen und Arbeitnehmer gehören. Diese brauchen wenigstens eine halbwegs verlässliche Planungssicherheit.

Michael Perricone

Michael Perricone

Stv. Leiter Inlandredaktion, SRF

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Michael Perricone ist stellvertretender Leiter der Inlandredaktion von SRF TV. Zuvor arbeitete er als Autor und Produzent bei der «Rundschau» und war stellvertretender Redaktionsleiter von «10vor10».

«10vor10», 04.03.2020, 21:50 Uhr; kurn; frol

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Wacek  (TexxBomb)
    "Knapp daneben ist auch vorbei". Etwa die Hälfte der Kommentierenden regen sich über die auf, die nicht auf "Spass" verzichten wollen. Erstens geht es im Artikel um die Veranstalter, nicht um die Besucher. Zweitens sind Kulturveranstaltungen kein Luxus. Drittens können "Events" auch Messen etc. sein, z.B. der Autosalon. Aber wenn der Staat Geld hat, um bei ungünstigen Wetterbedingungen die Bauern zu entschädigen, sollte auch ein Kässeli für die Eventveranstalter da sein.
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  • Kommentar von Witold Ming  (Witold Ming)
    Ich dachte die Party- und Konzertbranche verdiene viel Geld und hätte Reserven. Schlimmer ist‘s bestimmt bei den Hotels...
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  • Kommentar von Margrit Berger  (mberger)
    Wenn das Szenario eintrifft wie der ETH-Epidemiologe warnt, dann wird der Schaden ins Unermessliche gehen und der Einzelne wird kaum noch behandelt werden können und sich irgendwie zuhause durchseuchen müssen. Tausende würden sterben. Existenzen würden physisch und finanziell vernichtet, Familien auseinanderbrechen. Ist ja wohl klar, was wichtiger ist - auf den Unterhaltungs-Spass zu verzichten für die folgenden Wochen, ev. Monate, oder eine unkontrollierbare Epidemie zu riskieren?
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