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Schweizer Reiseverband appelliert an die Kulanz der Kundinnen und Kunden
Aus Espresso vom 24.04.2020.
abspielen. Laufzeit 07:34 Minuten.
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Annullierte Reisen Soll man mit dem Reisebüro kulant sein?

Reisebüros bitten Kunden um Kulanz. Dazu müssten die Reisebüros aber fair kommunizieren, sagt der Konsumentenschutz.

Die Schweizer Reisebüros leiden unter der Coronakrise. Neue Buchungen gibt es kaum – gleichzeitig sehen sie sich mit Forderungen von Kundinnen und Kunden konfrontiert, die Geld für annullierte Reisen zurückverlangen. Der Reiseverband wollte daher eine vorübergehende Änderung des Pauschalreisegesetzes erreichen. Dies hätte beispielsweise ermöglichen können, dass sich Kundinnen und Kunden mit einer Erstattung per Gutschein zufriedengeben müssen. Doch so eine Lösung ist vom Tisch. Der Bundesrat hat Spezialregelungen für die Reisebranche abgelehnt.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) sagt auf Anfrage des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso», der Bundesrat sei sich der besonders schwierigen Situation bewusst, in welcher sich Reisebüros aufgrund des Pauschalreisegesetzes befänden. Und das Seco gibt den Ball weiter ans Parlament. Dieses müsse nun entscheiden, ob die Zahlungsverpflichtungen der Reisebüros auch mit «einer allfälligen Unterstützung des Bundes» beglichen werden.

Wer kulant ist, «hilft Konkurse zu vermeiden»

Vorerst bleibt es aber dabei: Reisebüros müssen Geld für annullierte Reisen zurückbezahlen, wenn Kunden dies wünschen. «Selbstverständlich wollen wir uns an die Gesetzgebung halten», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reiseverbandes. Er appelliert jedoch an die Kulanz der Kundinnen und Kunden: «Jeder, der einen Gutschein akzeptiert, hilft Konkurse zu vermeiden.» Es fehle schlicht an Liquidität, so Kunz weiter. «Und es ist ja nicht so, dass wir das selbst verschuldet haben.»

Ein Problem stellen insbesondere bezahlte Flüge dar. Dieses Geld ist von den Reiseanbietern längst an die Fluggesellschaften überwiesen – doch diese bezahlen nicht zurück. Die Dachorganisation der Fluggesellschaften (Iata) hatte in einem offenen Brief an die Reisebüros geschrieben, man benötige die verbleibenden Mittel für Löhne und andere Fixkosten.

«Es braucht auf beiden Seiten Kulanz»

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz hat Geschäftsleiterin Sara Stalder zwar ein gewisses Verständnis für die Bitte der Reisebüros, Kunden sollen doch wenn möglich kulant sein. Es brauche aber auf beide Seiten Kulanz: «Der Reiseveranstalter muss den Kunden sämtliche Möglichkeiten aufzeigen – also Rückerstattung, Verschiebung der Reise oder eben einen Gutschein.» Denn nur wenn der Kunde die Wahl habe, könne er auch kulant sein.

Zum Teil würden Reisende von den Reisebüros jedoch falsch informiert, sagt Sara Stalder. «Das hören wir aus den vielen Rückmeldungen, die wir derzeit erhalten.» So gebe es Anbieter, die ihre Kunden gar nicht erst auf die Möglichkeit der Rückerstattung hinweisen würden. «Und das ist natürlich nicht korrekt.»

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

Espresso, 24.04.20, 08:13 Uhr

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Cindy Meyer  (Bürger wissen)
    Ein Grossteil aller, welche direkt im Internet gebucht & bezahlt hatten - weil es angeblich viel günstiger ist, oft dank zuvor eingeholten Reisebüroofferten... - haben wohl kaum die Wahl, ob ein Gutschein ok ist; sie sehen das Geld nie wieder. Insofern ist dies bereits als Geste der Branche zu verstehen und darf auch honoriert werden.
    Mich würde interessieren, wieviele der Neinsager nach dem 13.3. ohne Unterstützung von Reisebüro oder Rückhol-Aktionen noch sicher nachhause gekommen wären?!
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  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    Moment mal: viele Airlines werden staatlich unterstützt, die Reisebüros hingegen kaum (mit Kurzarbeit). Warum wird der Druck auf die Airlines nicht erhöht? Als Kunde würde euch mich auf keinen Gutschein einlassen. Bei Konkurs ist das Geld weg. Dafür auf Teilzahlungen. So muss das Reisebüro nichts „vorauszahlen“.
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  • Kommentar von Jorge Lugar  (Chorche)
    Jaja, Kulanz... ein Wort aus den 90ern.

    Seither scheuen die meisten Industrien dieses Wort wie der Teufel das Weihwasser und berufen sich stattdessen auf ihre AGBs.

    Aber wehe, Kulanz würde den Firmen was bringen - dann erinnert man sich doch gerne wieder daran.

    Der Normalbürger hat schon längstens verstanden, dass der neoliberale Kapitalismus am Ende ist - nur unsere Wirtschaftsführer und Politiker halten noch daran fest.

    Warum? Weil sie damit massiv Kohle machen... bäh
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