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Wer Farbdrucker und Farbkopierer benutzt, ist auch später noch identifizierbar
Aus Espresso vom 23.12.2019.
abspielen. Laufzeit 07:07 Minuten.
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Anonym ausdrucken kaum möglich Der Spion im Farbdrucker

Geheime Informationen in Farbkopien verraten deren Herkunft.

«Yellow Dots» oder «Secret Dots» heissen die mikroskopisch kleinen, für das blosse Auge nicht sichtbaren gelben Punkte, die einen Ausdruck so eindeutig kennzeichnen, dass er bis zum Drucker zurückverfolgt werden kann. Die Markierung besteht aus einem Punktraster, das über das ganze Druckfeld verteilt ist. Die Punkte sind gelb und haben einen Durchmesser von einem Zehntel Millimeter und einen Abstand von rund einem Millimeter.

Anwender wissen nichts vom «Spion im Drucker»

Die winzigen gelben Punkte sind mit dem Mikroskop oder sogar mit einer guten Lupe erkennbar. Recherchen des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» zeigen, dass diese Identifikationscodes wohl auf Wunsch der amerikanischen Sicherheitsbehörden bereits vor rund 20 Jahren eingeführt wurden. Die zuständigen Stellen und die Produzenten der Kopiersysteme hüllen sich in Schweigen.

Auch die Harddisk speichert Informationen

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Ein ehemals in der Branche tätiger SRF-1-Hörer hat «Espresso» zudem darüber informiert, dass moderne Geräte heute auch über eine Harddisk verfügen, die aufzeichnet, was wann kopiert oder im Netzwerk ausgedruckt wird. Das Löschen dieser Daten sei für Laien fast unmöglich, weshalb die Festplatte vor einem allfälligen Austausch oder Verkauf von einem Profi gelöscht werden sollte. Dieser Tipp wird von Datenschützern unterstützt.

Wichtig ist aber der Hinweis, dass der kleine Tintendrucker für zu Hause üblicherweise weder über eine Festplatte noch über einen Festspeicher verfügt. Ob diese Geräte für den Privatgebrauch mit Geheimcodes arbeiten, ist nicht bekannt. Etliche Heimgeräte erkennen allerdings die auf Banknoten enthaltenen Merkmale und verweigern die Kopie eines Scheins.

Die Rückverfolgbarkeit ist kaum einem Anwender bekannt, und es wird in den Handbüchern auch nicht explizit darauf hingewiesen. Xerox ist einer der wenigen Hersteller, die auf die Markierung der Seiten hinweisen. Zugeknöpft zeigen sich auch die Verkaufs- und Reparaturfirmen von Druckersystemen. «Öffentlich wird nicht über dieses Identifikations-System informiert», heisst es bei einer schweizweit tätigen Verkaufs- und Reparaturfirma, die nicht namentlich genannt sein will.

Auch Datenschützer tappen im Dunkeln

«Wer Zugang zu diesen Informationen hat und wer die gelben Punkteraster lesen kann ist gänzlich unbekannt», erklärt die Leiterin des Unabhängigen Datenschutzzentrums des Deutschen Bundeslandes Schleswig-Holstein Marit Hansen. Hansen, die auch Schweizer Datenschützer berät, geht davon aus, dass diese Informationen bei Drohbriefen und Erpresserschreiben für die Polizei von Bedeutung sein könnten.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie , Link öffnet in einem neuen Fensterkritisiert Hansen die Tatsache, dass Kopier- und Multifunktionsgeräte weltweit ohne das Wissen der Nutzer Daten sammeln können. «Wir gehen davon aus, dass diese Informationen von Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten ausgewertet werden», bilanziert die norddeutsche Datenschützerin.

Die Recherche des Spezialisten-Teams rund um die geheimen Punkte auf Laserdruckerkopien blieb bisher ergebnislos. Dies sei «absolut unbefriedigend und einer Demokratie unwürdig», kritisiert Marit Hansen. Sie warnt deshalb Behörden, Verwaltungen und private Nutzer und fordert alle auf, bewusst mit Dokumenten und Kopiergeräten umzugehen.

Hersteller schweigen oder bleiben schwammig

«Espresso» wollte von Kopier- und Druckgeräte-Herstellern wissen, in welchen Geräten sie Yellow Dots einsetzen, welche Daten dabei gespeichert werden und wozu diese verwendet werden.

Xerox und Canon geben an, dass es sich um eine Massnahme gegen kriminelle Aktivitäten handle – insbesondere gegen die Fälschung von Banknoten. «Die Funktion dient der Identifizierung von Geräten, nicht von Personen», heisst es etwa bei Canon. Die dem System zugrunde liegende Technologie könne «aus Sicherheitsgründen nicht offengelegt werden». Xerox betont, Informationen würden ausschliesslich an Ermittlungsbehörden weitergegeben – und zwar nur im Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten. Vorerst keine Antwort gab es von den Herstellern Brother und HP.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser  (Klarsicht)
    Diesen versteckten Überwachungen mit sämtlichen Geräten, kann man in der Zukunft nur entgehen , wenn endlich sich IT- Fachleute in Europa zusammen tun und ein eigenes Geräteset entwickeln und in Masse produzieren, in dem die Menschenrechte auf das Briefgeheimnis gesichert sind . Dann können die Chinesen und die Amis ihren Mist bei sich selbst behalten und weiter bei ihrem Volk, Spionage bis ins Ehebett betreiben . Wie lange schaut die Politik bei uns diesem rechtswidrigen Treiben noch zu ?
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    1. Antwort von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
      Sie unterschätzen die Macht der geheimen Seilschaften in den USA. Nehmen wir an, dass so ein Projekt, wie sie es vorschlagen, gemacht wird. Sie können sicher sein, dass es von den Häschern der oben genannten Gruppen solange torpediert wird, dass es nie auf den Markt kommen würde. Smartphones: Das letzte unabhängige OS war von Blackberry. Und was haben die neuem Modelle: Android von Google! Wir haben auch als Bürger eines angeblich freien u. unabhängigen Landes gegen die keine Chance.
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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    Und was ist mit Tintenstrahldruckern? Die Kostenunterschiede für Heimanwender zwischen Tinte und Laser sind jetzt sehr klein, wenn man das richtige Modell hat. In keinem Artikel stand, ob auch Tintenstrahldrucker betroffen sind.
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  • Kommentar von Peter Hirschi  (phirschi)
    So so .. nun ist es also möglich heraus zu finden auf welchem Drucker das Blatt gedruckt wurde. Einerseits ist das ein alter Hut da dies schon seit X Jahren bekannt ist, und andererseits .. so what? Das konnte man schon bei den alten Schreibmaschinen da dort auch jede einzelne ihre eigenen Charakteristischen Eigenschaften hatte.

    In Zeiten wo wir unser ganzes Leben freiwillig in den sozialen Medien Preis geben erscheint mir das Geschrei nach Privatsphäre eh als eine Farce.
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