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Mehr Bussengelder dank einfacher Sprache
Aus Rendez-vous vom 15.03.2021.
abspielen. Laufzeit 04:15 Minuten.
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Anstrengungen in den Kantonen Behördensprache soll verständlicher werden

«Gefängnis» statt «Ersatzfreiheitsstrafe»: Mit solchen Umformulierungen sollen die Menschen einfacher erreicht werden.

Laut Schätzungen verfügen rund 15 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz nur über rudimentäre Lesefähigkeiten. Deshalb sind sie oft überfordert, wenn sie zum Beispiel eine amtliche Website besuchen, das Abstimmungsbüchlein lesen oder einen Brief der Behörden erhalten.

Letztes Jahr stellte das Winterthurer Stadtrichteramt fest: Viele Bussen, zum Beispiel für Verkehrsdelikte, wurden nicht bezahlt – und zwar, weil die Gebüssten die Strafbefehle der Behörden nicht richtig verstanden hatten. Stadtrichterin Sylvia Huber sagt dazu: «Ich sah, dass unsere Texte in den Verfügungen und Rechnungen schwerfällig und unverständlich formuliert waren.»

«Gefängnis» statt «Ersatzfreiheitsstrafe»

Deshalb begannen Huber und ihr Team, die Beamtensprache zu übersetzen. Sie vereinfachten Formulierungen, bauten die Texte klarer auf, suchten Alternativen für ungewohnte Begriffe: «Gefängnis» statt «Ersatzfreiheitsstrafe», zum Beispiel.

Dies führte zu einer deutlich besseren Zahlungsmoral – und laut «Tagesanzeiger» zu Mehreinnahmen von rund 200'000 Franken im Jahr 2020. Dies ist aber nur ein Nebeneffekt der einfachen Sprache. Es gehe in erster Linie darum, mit den Leuten auf Augenhöhe zu kommunizieren, sagt Gabriela Antener, Professorin an der Hochschule für Soziale Arbeit in Olten.

Kommunikation hat sich verbessert

Antener hat für ein Forschungsprojekt die Korrespondenzen und Informationsbroschüren der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Solothurn in einfache Sprache übersetzt – mit grossem Erfolg: «Die Behörde hat weniger empörte Anrufe bekommen. Die Klienten haben formuliert, dass wenn sie solche Briefe erhalten, sie davon ausgehen, dass sie mit der Kesb auch sprechen können. In diesem Sinne hat sich die Kommunikation verbessert.»

In den letzten Jahren haben verschiedene Verwaltungen und Behörden damit begonnen, ihre Inhalte in einfacher Sprache anzubieten – vor allem im Internet. So finden sich zum Beispiel auf den Websites der Kantone Zürich, Bern und St. Gallen immer wieder Bereiche, in denen die Inhalte vereinfacht zusammengefasst werden.

Einfache Sprache sollte in der öffentlichen Verwaltung selbstverständlich werden.
Autor: Helena JansenKompetenzzentrum «Leicht & Einfach»

Und auch der Bund bereitet seine aktuellen Informationen zum Coronavirus jeweils auch in leichter Sprache auf. Hingegen lehnte der Bundesrat 2018 einen Vorstoss für Abstimmungsinformationen in leichter Sprache ab. Ein Abstimmungstext müsse gesetzlichen Anforderungen genügen und könne nicht beliebig vereinfacht werden, so die Begründung.

Alle profitieren

Mit dabei ist Helena Jansen, die mit ihrem Kompetenzzentrum «Leicht & Einfach» Behörden und Verwaltungen überzeugt: «Einfache Sprache sollte in der öffentlichen Verwaltung selbstverständlich werden.»

Davon profitieren laut Jansen nicht nur Fremdsprachige, Behinderte oder Leute mit einer Leseschwäche, sondern wir alle. Denn wenn sie nicht verstanden wird – ist Kommunikation nutzlos.

Rendez-vous, 15.3.2021, 12:30 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Auch ich meine Einfache Sprache ist nicht nur für die 15% Betroffenen ein Segen. Amtsdeutsch oft mühsam zum Lesen/Verstehen. Schachtelsätze, in denen nach dem 7 Komma niemand mehr weiss, wie er begonnen hat. Formulierungen/Wörter, die nirgendwo anders gebraucht werden. Sprache verändert sich, dies sollte auch beim Amtsdeutsch sein. Ich gebe zu, manchmal ist es schwierig nicht selber abzuschweifen. Oft herausfordernd in Kommentaren mit «nur» 500 Zeichen seine Meinung/Ansichten mitzuteilen.
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    QR Code auf den Zettel und via Link kann jede*r selber wählen welche Sprache er will. Das kann dann vom Comic-Youtube-Film bis Latein über google-ransater alles sein.
    Ich hoffe alle Blocleser*innen verstanden was ich meine... Wer eine Parkbusse nicht lesen und verstehen kann soll sein Billet sogleich abgeben denn dann begreift er oder sie auch nicht was die runden Schilder am Strassenrand mit den Zahlen von 1 bis 9 und kleinen ovalen bedeuten.
    Ok, dafür gibts ja die autom. Schildererkennung.
  • Kommentar von Enrico von Walterskirchen  (Enrico von Walterskirchen)
    Gut, kommt 2022 eine ISO-Norm für Einfache Sprache = für Verständlichkeit. Ob es die braucht? Unternehmen behaupten, dass der Kunde im Zentrum ihres Handelns steht. Wirklich? Die Wahrheit ist: Im sprachlichen Auftritt gibt es eine Diskrepanz zwischen Marketing und Kundenerfahrung. Wenn es ernst wird, ziehen Unternehmen mit Fachjargon sprachlich die Zugbrücke hoch. Eine Versicherungs-Police oder ein Hypotheken-Download sind noch immer so geschrieben, dass der Empfänger das nicht gut versteht.