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Schweiz Arbeitgeber wollen Zuwanderung deutlich reduzieren

Der Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands überrascht mit einer harten Forderung: In der «Samstagsrundschau» von Radio SRF verlangt er eine deutliche Senkung der Nettozuwanderung.

Dass sich Valentin Vogt für eine spürbare Reduktion der Zuwanderung ausspricht, ist nicht neu. In der «Samstagsrundschau» von Radio SRF aber zieht der Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands die Schraube weiter an: Je schlechter die Wirtschaftslage sei, desto stärker müsse die Zuwanderung sinken, sagt Vogt.

Bei einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent und einer Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent liege vielleicht noch eine Netto-Zuwanderung von 50‘000 Menschen drin. «Wenn es aber deutlich schlechter läuft, dann müssten es klar weniger sein. Vielleicht 20‘000 oder 30‘000 Menschen», sagt der Präsident des Arbeitgeberverbands.

Nahe an Forderungen der SVP

Letztes Jahr wuchs die ausländische Bevölkerung in der Schweiz um 71‘495 Menschen, in den Jahren zuvor gar um rund 80‘000. Mit seiner Forderung für wirtschaftlich schlechte Jahre nähert sich Arbeitgeber-Präsident Vogt den Vorstellungen der SVP an: Fraktionschef Adrian Amstutz hatte im Abstimmungskampf rund um die Masseneinwanderungsinitiative von 40‘000 Zuwanderern gesprochen. SVP-Vizepräsident Christoph Blocher brachte unlängst die Zahl von «etwas über 20‘000 Zuwanderern» ins Spiel.

Der Bundesrat diskutiert zurzeit mit der EU-Kommission über eine Schutzklausel. Die Idee: Sobald die Zuwanderung ein bestimmtes Mass überschreitet, soll die Schweiz den Zugang von EU-Arbeitskräften im darauf folgenden Jahr beschränken dürfen. Eine Einigung ist nicht in Sicht.

Kein Kompromiss beim Lohnschutz

Der Bundesrat möchte parallel zur Schutzklausel die Massnahmen gegen Lohndumping ausbauen: Konkret sollen Gesamtarbeitsverträge einfacher allgemein verbindlich für eine ganze Branche erklärt werden können.

Verhandlungen zwischen den Wirtschaftsverbänden, den Gewerkschaften, den Kantonen und dem Bund sind allerdings unlängst am Widerstand der Wirtschaftsverbände gescheitert. Arbeitgeberverbands-Präsident Valentin Vogt bekräftigt den Widerstand: Ein solcher Eingriff in den Arbeitsmarkt sei nicht nötig.

Ebenso wenig will Vogt von einem Ausbau des Kündigungsschutzes für ältere Arbeitnehmende wissen. Eine verlängerte Kündigungsfrist für Über-55-Jährige etwa würde Firmen davon abhalten, überhaupt ältere Menschen anzustellen, sagt Vogt.

Stellenabbau geht weiter

Die Perspektiven für den Schweizer Arbeitsmarkt sieht der Arbeitgeber-Präsident und Unternehmer kurzfristig ziemlich düster. Er erwarte, dass bis im Sommer weitere 10‘000 Stellen verloren gingen in der Schweiz. Betroffen seien die Maschinenindustrie, die Finanzbranche und vermutlich auch der Detailhandel.

Valentin Vogt

Valentin Vogt, Verwaltungsratspräsident von Burckhardt Compression
Legende: keystone

Vogt ist seit vier Jahren Verwaltungsratspräsident und Miteigentümer der Burckhardt Compression sowie Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands. Zuvor übte er verschiedene Tätigkeiten im Finanz- und Rechnungswesen im In- und Ausland aus.

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Berner (Markus Berner)
    Wenn die Arbeitgeben gegen Zuwanderung sind, so brauchen sie lediglich keine Ausländer einzustellen. Ausländer bekommen nur eine Niederlassungsbewilligung, wenn sie eine Arbeit vorweisen können - das gilt auch für EU Bürger. Wenn nun Arbeitgeben gegen Zuwanderung sind, so klingt das für mich äusserst scheinheilig - wieso stellen sie denn überrhaupt Ausländer ein? Es sind ja die Arbeitgeber, welche die Zuwanderung produzieren!
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    1. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      Die Berufe mit den meisten Zuwanderer sind Gastronomie, Reinigung und Bau. Gerade in diesen Branchen gibt es viele selbstständige ausl. Inländer. Gefälligkeits- und Scheinarbeitsverträge mit Landsleuten gibt es zuhauf. Das kann man nur verhindern, wenn die Arbeitgeber bei den Folgekosten eingebunden werden.
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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Die "Masseneinwanderungsinitiative" hat dick rot unterstrichen, dass in der Schweiz Ressentiments weiter Bevölkerungskreise gegen Ausländer virulent sind, was abschreckend wirkt.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Die Masseneinwanderungsinitiative hat dick & rot unterstrichen, dass es kein Erfolgsmodell sein kann. Es richtet sich nicht gegen die Ausländer, sondern gegen eine Fehlentwicklung. Da gilt es einzuschreiten und Limiten zu setzen. - Es wäre übrigens wünschenswert, die EU würde endlich die Grundlagen schaffen, die eine PFZ vertretbar möglich machen würde. Allein sie tut es gar nicht. Auf dem Verordnungsweg eine PFZ zu verfügen funktioniert einfach nicht.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      @Haller: Die EU wird einen Teufel tun, wegen der Schweiz ihr Regelwerk zu ändern, das ist in der EU politisch nicht machbar. In der EU gibt es Probleme genug. Ausgerechnet wegen der Schweiz wird man sich nicht noch ein tödliches Problem aufhalsen, eine Rolle rückwärts zu Nationalstaaten ins 19. Jahrhundert machen. Ihnen in der Schweiz ist es natürlich unbenommen nach eigenem Gusto zu verfahren, aber eben OHNE bilaterale Verträge. Das müsse eigentlich dem letzten Ignoranten klar sein.
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  • Kommentar von Beat Gurzeler (B.Gurzeler)
    Es ist schon erstaunlich wie schnell es gehen kann, zuerst geben die Arbeitgeber viel Geld aus gegen Abstimmungen bevor Sie durchgeführt wird, so sieht man wie das Volk angelogen wird, wenn der Bedarf nicht mehr vorhanden ist, dieser Herr hat schon lange die Glaubwürdigkeit verloren bei mir.
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