Armee entfernt Sprengfallen aus dem zweiten Weltkrieg

Berichte über Schweizer Sprengstoff in der Brücke zwischen Bad Säckingen (D) und Stein sorgen für Aufregung. Dabei sind wichtige Grenzübergänge und Tunnels in der Schweiz seit dem zweiten Weltkrieg mit Sprengladungen versehen. Der Rückbau soll nun Ende November abgeschlossen sein.

Brücke zwischen Bad Säckingen (D) und Stein Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In zwei Brückenpfeilern der Brücke zwischen Bad Säckingen (D) und Stein war in Hohlräumen Sprengstoff deponiert ZVG

Die Schweiz hatte bis vor Kurzem noch die Möglichkeit, grenzüberschreitende Brücken jederzeit mit fix installierten Sprengladungen zu zerstören. Die Massnahme stammt aus dem Kalten Krieg und war damals gegen die Panzer des Warschauer Pakts gerichtet. Wie der deutsche Fernsehsender SWR berichtete, wurde mit der Entschärfung der Rheinbrücke zwischen Bad Säckingen (D) und Stein die letzte Brücke von Sprengstoff befreit.

Wussten Behörden von Sprengladungen?

Die Meldung sorgte in Deutschland für Überraschung. Obwohl die Brücke bei Bad Säckingen vollständig im Besitz der deutschen Gemeinde ist, hätten die Behörden nichts von den Sprengladungen gewusst.

Armee entfernt Sprengfallen aus dem 2. Weltkrieg

5:21 min, aus SRF 4 News aktuell vom 18.11.2014

Militärhistoriker Gerhard Wyss hält dies für unwahrscheinlich: «Das System der Sprengobjekte war generell bekannt – ebenso, dass die Schweiz über viele Sprengobjekte verfügte. Mich würde es überraschen, wenn die deutschen Gemeinden auf der Nordseite des Rheins nichts gewusst hätten.»

Das Verteidigungsdepartement VBS bestätigte die Berichte des deutschen Senders. Seit 2007 laufe die Desarmierung der Brücken, sagte ein Sprecher gegenüber SRF. Im Frühling entfernte die Armee bereits die Sprengladungen aus der Brücke beim Kraftwerk Laufenburg.

Mit Panzersperren gegen Sowjet-Panzer

Wichtige Engstellen, Brücken und Tunnels wurden bereits während dem zweiten Weltkrieg mit Sprengladungen versehen. Damals belief sich die Zahl der Sprengobjekte auf drei- bis viertausend, sagt Militärhistoriker Wyss. Diese sei während der Siebziger- und Achtzigerjahren auf rund 2000 reduziert worden. «Zusätzlich gab es noch Tausende Panzerhindernisse in Form von Stahlspinnen, Eisenbahnelementen, Panzergräben oder die als Toblerone bekannten Betonhöcker.»

Diese hätten während des Kalten Krieges das Vorankommen der Sowjet-Panzer behindern sollen. «Wenn die Armeen des Warschauer Pakts über den Bodensee Richtung Zürich angegriffen hätten, wären sie an der Limmat stehen geblieben», sagt Wyss. «Nicht primär, weil wir so tapfer gekämpft hätten, sondern wegen der Sprengung aller wichtigen Engnisse, Brücken und Tunnels.» Der Gegner hätte deswegen das Gros seines Genie-Materials verbauen müssen und wäre dann stecken geblieben.

Tunnelsprengung als Abschreckung

Eine Umgehung der Nato-Truppen über die Schweiz hätte über die Sprengung der Gotthard-, Simplon-, und Lötschbergtunnels erschwert werden können, sagt der ehemalige Offizier. Die Verkehrsachsen hatten im zweiten Weltkrieg noch eine grössere Bedeutung. «Deutschland und Italien waren wegen ihrer wirtschaftlichen Beziehungen auf diese Achsen angewiesen.» Weil die Schweizer Armee sicherstellen konnte, dass diese Verbindungen nur zerstört in Besitz der Achsenmächte gelangt wären, hatte dies eine abhaltende Wirkung, ist der Militärhistoriker überzeugt.

Der Abbau der Sprengladungen sei nicht erst in jüngster Zeit erfolgt. Die Schweizer Armee habe schon vor 1989 damit begonnen, jährlich rund 100 Sprengobjekte zu entschärfen. Die Arbeiten sollen nun laut dem VBS bis Ende November vollständig abgeschlossen sein