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Mobilmachung: Korpskommandant zieht positive erste Bilanz
Aus HeuteMorgen vom 18.03.2020.
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Armeeeinsatz wegen Coronavirus Grösste Mobilmachung seit dem 2. Weltkrieg ist gut gelaufen

Die Schweizer Armee erlebt im Moment die grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Hilfsanfragen aus den Kantonen dürften in nächster Zeit noch deutlich zunehmen, sagt Korpskommandant Aldo Schellenberg.

Aldo C. Schellenberg

Aldo C. Schellenberg

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Aldo C. Schellenberg ist Chef Operationen der Schweizer Armee und Stellvertreter des Chefs der Armee.

SRF News: Das erste Spitalbataillon wurde per SMS einberufen und ist am Dienstag eingerückt. Wie ist das gelaufen?

Aldo Schellenberg: Die Mobilmachung ist sehr gut gelaufen: ruhig, ernsthaft, sehr professionell und sehr zügig. Etwa zwei Drittel der Aufgebotenen werden tatsächlich im Dienst bleiben. Das ist im Rahmen der langjährigen Erwartungen.

Ein zweites Bataillon wird am Donnerstag in der Westschweiz einrücken. 400 Männer auf engem Raum. Wie verhindern Sie, dass sie Teil des Virus-Problems werden. Es gibt ja schon fünf positive Fälle in der Armee?

Wir wenden dieselben Hygienevorschriften an, wie sie vom Bundesamt für Gesundheit für die ganze Schweiz befohlen sind. Dazu gehört der Abstand von zwei Metern. Wir überprüfen zurzeit alle Unterkünfte, ob sie diesen Hygienevorschriften standhalten. Unterirdische Unterkünfte sollen möglichst keine bezogen werden.

Wir überprüfen zurzeit alle Unterkünfte, ob sie den aktuellen Hygienevorschriften standhalten.
Autor: Aldo SchellenbergKorpskommandant

Armeeangehörige waren bisher schon im Tessin im Einsatz. Haben Sie Anfragen aus weiteren Kantonen?

Immer mehr Kantone kommen jetzt mit konkreten Anfragen. Diese werden laufend durch den Bundesstab Bevölkerungsschutz beurteilt. Wir gehen davon aus, dass die Anfragen in den nächsten Tagen noch deutlich zunehmen werden.

Die Mitglieder der Spitalbataillone stammen meist nicht aus Gesundheitsberufen. Sind sie genügend ausgebildet für die Leistung?

Alle haben eine Sanitätsrekrutenschule besucht. Diese schliesst mit einem eidgenössisch zertifizierten Lehrgang ab. Nach dem Einrücken in den WK oder bei der Mobilmachung rezertifizieren sie sich während einiger Stunden und sind dann in Spitälern für Hilfspflegeleistungen zugelassen. Wir nennen das «Low Level Care».

In den Abteilungen gibt es auch Ärzte und Gesundheitspersonal. Wie ist garantiert, dass sie nicht dem Gesundheitssystem entzogen werden?

Ungefähr 90 Prozent der Armeeangehörigen der Spitalbataillone sind keine Fachpersonen des Gesundheitswesens. Die Ärzte und das spezialisierte Pflegepersonal bieten wir auf, setzen es aber nur für die Rezertifizierung mit den Soldatinnen und Soldaten ein. Dann werden sie nach Möglichkeit an ihre Arbeitsplätze zurückgeschickt.

Das Militär führt Anti-Terrorübungen durch und simuliert Kriege. Haben Sie auch für den Pandemie-Fall geübt?

Die spezialisierten Sanitätsformationen üben in der Rekrutenschule und auch in den Wiederholungskursen genau diese Fälle. Dazu gehört die Unterstützung von Spitälern in der Pflege oder in der Logistik. Sie sind also hervorragend vorbereitet für genau diese Aufgabe.

Die Soldatinnen und Soldaten sind hervorragend vorbereitet für genau diese Aufgabe.
Autor: Aldo SchellenbergKorpskommandant

Bis zu 8000 Armeeangehörige könnten in den nächsten Monaten aufgeboten werden. Ist das nicht etwas viel?

Die Armee wird von den zivilen Behörden beauftragt. Wie viele Armeeangehörige notwendig sind, wird sich zeigen. In erster Priorität setzen wir Personal ein, das bereits im Dienst ist: In der Spital- oder Sanitäts-RS gibt es Hunderte, die ihre Grundausbildung abgeschlossen haben, zertifiziert sind und sehr rasch mit grosser Wirkung eingesetzt werden können.

Auch andere Rekrutenschulen absolvieren Zusatzausbildungen im Sanitätsbereich, sodass sie als helfende Hände im Gesundheitswesen ihre Dienste erbringen können. Dazu gehören auch Logistikleistungen wie Patiententransporte. Wir bieten also nicht 8000 Soldaten per Mobilmachung auf.

Das Gespräch führte Priscilla Imboden.

Heute Morgen, 18.03.2020, 6.00 Uhr;

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Ruth Perracini-Liechti  (RuPeLi)
    Spitalpersonal aufgeboten!
    Den Ablauf der Mobilmachung nennt Herr Schellenberg sehr professionell. Ist es professionell, wenn in der momentanen Situation Spitalmitarbeitende aufgeboten werde? Wir brauchen auch unsere Köche, Techniker,IT-Spezialisten, etc., um den Betrieb aufrecht zu erhalten und gute Rahmenbedingungen für die Ärzte und das Pflegepersonal zu schaffen! Und jetzt macht ein IT-Mitarbeiter von uns in einem anderen Spital die Eingangskontrolle! Bitte zuerst denken, dann Handeln!
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Ruth Perracini-Liechti: Ihrer Kritik folgend hätte also Herr Schellenberg mit jedem der 8000 Soldaten ein Einzelgespräch führen sollen, um herauszufinden, ob er etwas wichtigeres zu tun gehabt hätte statt einzurücken. So funktioniert eine Armee nicht. Eine Teilmobilmachung ist ein Befehl für die betroffenen Soldaten. Wenn Sie zu Hause bleiben, handeln Sie illegal. Wie wollen Sie sonst in Notsituationen rasch handeln, wenn Sie zuerst auf die Befindlichkeiten jedes einzelnen eingehen müssen?
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    2. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Was tut denn Ihre Firma so wichtiges, dass es Priorität vor der Entlastung des med. Personals hat?
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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Früher gab es Samaritervereine und ähnlich Hilfsorganisationen in der heutigen „modernen Zeit“ braucht es den Staat, und da ist die Armee am einfachsten,
    Aufgebot weisenden und es funktioniert
    gleichzeitig eine ideale Reklame für unsere Armee die Gegner der
    6Milliardenmodernisierung an Waffen und Kampfjets werden
    aktuell einen steinigen Boden beim Stimmvolk haben
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    1. Antwort von Matthias Schönenberger  (matthisch)
      Naja, genau im Gegenteil. Der einzige grosse Einsatz, den die Armee seit fast 80 Jahren hat, benötigt weder Waffen noch Kampfjets... Ich denke das ist eher ein Punkt, den sich die Gegner zu ihrem Nutzen auslegen können.
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    2. Antwort von Markus Hunziker  (MH1)
      Die Armee braut es zur Beältigung dieser Krise. Gut haben wir sie. Die Waffen und Kampfjets nicht! Die Schweizer Bevölkerung ist intelligent genug, dies unterscheiden zu können.
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    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Matthias Schönenberger: Und wenn morgen statt eines Coronavirus Flüchtlinge in solch hoher Zahl nach Europa strömen, dass die Stabilität und die abgemachten Regeln Europas auseinanderbrechen? Wenn dann auch wieder jedes Land nur für sich schaut, die Grenzen dicht gemacht werden und die Flüchtlinge hin und her geschoben werden? Wer soll die Grenzbeamten unterstützen, der Samariterverein?
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  • Kommentar von Ernesto Asher Meng  (Ashi Ernesto)
    Habe bereits seit Anfang des Corona Virus Ausbruchs hier geschrieben, dass sich die Armee vorbereiten sollte. Danke, dass das gut geklappt hat. Viele Leser haben meine Meinung negativ bewertet. Es scheint mir,dass noch nicht allen die Lage realisiert haben. Leider gehöre ich ich zur Hochrisiko Gruppe mot meiner angeborenen Herzerkrankung und Diabetes. Bleibe wirklich wie verlangt zu Hause. Lebensmittel kann man gut Online bestellen. Bin froh, dass in der CH so vieles so gut klappt.
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    1. Antwort von Nico Stäger  (Nico Stäger)
      Danke, dass sie zu Hause bleiben. So sollten es alle machen die berechtigt oder unberechtigt Angst haben vor diesem Virus. So tun es viele Risikopersonen jedes Jahr in der Grippesaison. Und es ist tatsächlich die einzige sinnvolle Variante, um die Krise zu bewältigen. Denn wenn die Wirtschaft am Boden ist, können es sich viele Risikopersonengruppen nicht mehr leisten zu Hause zu bleiben.
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