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Die Teilzeitlernende Selina Safiri will für andere Alleinerziehende ein Vorbild sein
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 19.04.2022.
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Armutsbekämpfung 25 Jahre alt, alleinerziehend und in der Lehre

Der Kanton Solothurn bietet eine Lehrstelle im Teilzeitpensum an, die sich explizit an Alleinerziehende richtet.

Selina Safiri ist eine der speziellsten Lernenden der Schweiz. Denn sie ist 25 Jahre alt, hat eine sechs Jahre alte Tochter und absolviert ihre Lehre zur Büroassistentin in einem 80-Prozent-Pensum. Möglich macht diese Teilzeitlehre ein neues Angebot des Kantons Solothurn.

Teilzeitlehre andernorts

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Beim Kanton Solothurn ist die Lehre im Teilzeitpensum eine Neuigkeit. Andernorts gibt es dies schon länger, so etwa beim Kanton Zürich.

Daneben bietet z.B. auch die «Stiftung Chance» seit 2014 pro Jahr zwei bis drei Teilzeitlehren an. Die Mütter sind dabei formell bei der Stiftung angestellt und werden dort unterstützt. Arbeitsplatz ist aber ein Partnerbetrieb.

Die meisten Mütter werden via Stiftung zur Büroassistentin EBA oder zur Hauswirtschaftspraktikerin EBA ausgebildet.

Die Lehre wird dabei in zwei Jahren absolviert, so wie das bei der Lehre zur Büroassistentin EBA üblich ist. Selina Safiri geht auch wie üblich zwei Tage in die Berufsschule. Daneben arbeitet sie aber bloss zwei anstatt drei Tage im Betrieb, in ihrem Fall im Amt für Gesellschaft und Soziales.

Junge Frau.
Legende: An zwei Tagen arbeitet Selina Safiri im Büro beim Amt für Gesellschaft und Soziales, zwei Tage besucht sie die Berufsschule. ZVG/Kanton Solothurn

Massnahme gegen Armut

«An meinem freien Tag erledige ich den Haushalt, plane Termine, mache Papierkram», erklärt Safiri. «Man darf nicht unterschätzen, was man alles zu tun hat, wenn man alleinerziehend ist.» Safiris Tochter geht in den Kindergarten und wird daneben in einer Kita betreut.

Diese spezielle Lehrstelle gibt es im Kanton Solothurn erst seit dem letzten Sommer. Sie richte sich explizit an Alleinerziehende, sagt Anne Birk vom Amt für Gesellschaft und Soziales. Birk hat das Projekt initiiert. Die Teilzeitlehre sei geschaffen worden, um die Armut zu bekämpfen. Denn Alleinerziehende sind besonders oft von Armut betroffen. Dies hängt teilweise auch mit der schlechten Ausbildung zusammen. Und mit einem Kind eine Ausbildung zu absolvieren, ist für viele unmöglich oder sie erhalten diese Chance von Arbeitgebern gar nicht erst.

Armutsrisiko Alleinerziehend

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Alleinerziehende Mütter und Väter sind besonders oft von Armut betroffen. Gemäss Zahlen des Bundesamtes für Statistik ist jede oder jeder sechste Alleinerziehende in der Schweiz von Armut betroffen.

Überproportional viele Alleinerziehende müssen Sozialhilfe beziehen. So sind 20 Prozent der Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger Alleinerziehende.

Trotz Tochter eine Lehre zu absolvieren, sei happig, sagt auch Selina Safiri. Sie meint aber, dass ein 80-Prozent-Pensum für sie als Mutter machbar sei. Eine Lehre, bei der sie an fünf Tagen die Woche arbeiten müsste bzw. in der Gewerbeschule sein müsste, wäre für sie zu viel. «Das könnte ich nicht», sagt Safiri.

Wir alleinerziehenden Mütter können das gleiche wie andere.
Autor: Selina Safiri Teilzeitlernende

Als Arbeitgeber brauche es ein besonderes Augenmerk auf Betreuung und Begleitung der Lernenden, sagt Anne Birk. Eine gewisse Flexibilität sei dabei nötig. Dies bestätigt auch Selina Safiri und sie windet ihrem Arbeitgeber ein Kränzchen. «Wenn meine Tochter einmal krank ist, dann merke ich, dass mein Team auf mich Rücksicht nimmt und mir Verständnis entgegenbringt. Das ist nicht selbstverständlich.»

Schliesslich betont Safiri, dass sie sehr dankbar sei für die Möglichkeit einer Lehre im 80-Prozent-Pensum. Und sie möchte ein Vorbild sein für andere alleinerziehende Mütter: «Wir alleinerziehende Mütter können das gleiche auch schaffen, wie die anderen, die nicht alleinerziehend sind. Das zu zeigen, ist mein Ansporn, diese Lehre abzuschliessen.»

Kanton Solothurn will Vorbild sein

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Die Teilzeitlehre startete im letzten Sommer beim Amt für Gesellschaft und Soziales des Kantons Solothurn als Pilotprojekt. Noch habe es keine abschliessende Beurteilung gegeben, ob man die Lehrstelle erneut ausschreiben möchte, so Anne Birk.

Das Ziel sei es, dass eine solche Lehrstelle, die auf Alleinerziehende zugeschnitten ist, nicht nur beim Kanton möglich sein soll. Noch habe sie deswegen allerdings kaum Anfragen von Firmen erhalten. «Wir waren bei der Kommunikation bisher aber auch zurückhaltend», sagt Anne Birk.

Während der 80-Prozent-Teilzeitlehre erhalten die Auszubildenden 80 Prozent des Ausbildungslohns. Es wäre auch möglich, die Lehre im 60-Prozent-Pensum zu absolvieren. Die zweijährige Ausbildung zur Büroassistentin würde sich dadurch auf drei Jahre verlängern.

Erfunden hat das Konzept der Teilzeitlehre nicht der Kanton Solothurn alleine. Auch bei der Zürcher Kantonsverwaltung gibt es ein ähnliches Angebot.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 19.04.2022, 06:31 Uhr;

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