Zum Inhalt springen

Header

Audio
Uferschwalben nisten im Sandhaufen
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 19.06.2021.
abspielen. Laufzeit 03:34 Minuten.
Inhalt

Artenförderung in der Schweiz Ein Sandhaufen als Wohnung für seltene Schwalben

Uferschwalben sind zierliche, braune Vögel mit weissem Bauch. Beheimatet sind sie in der Schweiz, den Winter verbringen sie in Afrika. Wenn sie im Frühling zum Brüten zurückkehren, haben sie ein Problem: Sie stehen vor verschlossenen Türen. Ihnen fehlt der Lebensraum.

Braune Vögel vor Löchern in Sandwand.
Legende: SRF

Ursprünglich gruben die Vögel ihre Brutröhren in frisch abgebrochene Steilufer an Flüssen. Mit der Verbauung verloren die Fliessgewässer aber an Dynamik. Unterspülungen und die daraus resultierenden Uferabbrüche verschwanden, die Schwalben verloren ihre Nistplätze. Die Uferschwalben-Bestände gelten laut Vogelwarte , Link öffnet in einem neuen FensterSempach in der Schweiz als «verletzlich».

Grosser Sandhügel an einer Strasse.
Legende: SRF

Nun helfen künstliche Sandaufschüttungen, wie jene in der Kiesgrube im aargauischen Stetten. Kiesunternehmer Ueli Müller beobachtete vor zehn Jahren, wie Uferschwalben versuchten, Brutröhren in ein verkaufsfertiges Sanddepot zu graben. Müller schüttete als Ersatz einen grossen Sandhaufen auf, in den bald die ersten Schwalben einzogen.

Schwalben fleiegen vor Sandmauer mit Löchern.
Legende: SRF

Die Vögel hätten die Alternative sehr gut angenommen, so Ueli Müller. Von März bis September wohne die immer gleiche Schwalbenkolonie in der vier Meter hohen und 20 Meter breiten Sandwand. Im Herbst wird die Wand abgestochen, damit die Uferschwalben bei ihrer Rückkehr im Frühling neue Löcher graben können.

Sandberg mit Löchern.
Legende: SRF

Das Ganze sei mit Arbeit verbunden, meint Kiesunternehmer Ueli Müller, der in der Schweiz bereits mehrere Sandhaufen für die Schwalben gebaut hat. Diese Arbeit werde aber belohnt: «Jeden Abend, wenn man in die Grube hinunter spaziert und die Vögel sieht, dann ist das wunderbar.»

Schwalben vor Wand mit Löchern.
Legende: SRF

Das Aargauer Beispiel freut auch den Vogelschutzverband Birdlife Aargau. Birdlife propagiert die künstlichen Sandhaufen für Uferschwalben. In der Schweiz gibt es nun 26 Sandaufschüttungen für die Vögel. So brüteten 2020 rund zwei Fünftel der insgesamt 4200 Brutpaare in einem künstlich angelegten Sandhaufen.

Weniger Kiesgruben, weniger Schwalben

Box aufklappenBox zuklappen
Eine Kiesgrube in Staufen AG.
Legende: Eine Kiesgrube in Staufen AG. Keystone

In Kiesgruben fanden die Uferschwalben ebenfalls einen Lebensraum, weil die Maschinen ständig neue Steilhänge schufen. Wiesen diese Hänge geeigneten Sandschichten auf, konnten die Uferschwalben graben. Sie schaffen sich jedes Jahr eine neue Röhre.

Heute geschieht der Kiesabbau auf andere Weise als früher. Deshalb finden auch hier die Uferschwalben weniger Hänge. Die Anzahl Brut-Kolonien ging zurück: Lebten zwischen 1993 und 1996 noch 5500 bis 6500 Brutpaare in der Schweiz, waren es zwischen 2013 und 2016 noch 2300 bis 3000 Paare. In den letzten Jahren hat sich die Population leicht erholt.

Alleine mit Sandaufschüttungen kann der Bestand der Uferschwalben aber nicht gesichert werden. Birdlife sieht weiteren Handlungsbedarf. Seit 2011 schuf nämlich kein Renaturierungsprojekt eine ausreichende Dynamik von Fliessgewässern, damit Abbruchhänge und damit Brutplätze für die Vögel entstanden wären.

Der Verband hofft auf vermehrte Gewässer-Renaturierungen. Auch sie sollen genug Stellen schaffen, damit die Uferschwalben brüten können.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 19.06.2021, 17:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Schön zu wissen, es gibt nach wie vor Menschen wie Ueli Müller. Ich erlebe seit Jahren die Rückkehr der Rauchschwalben im März/April, praktisch Tür an Nest. Von Beginn an beobachten können, wie sie Werben, ihr Nest beziehen, ausbessern oder ein neues bauen. Ihr Brutverhalten, die unermüdliche Futterbeschaffung, das Flüggewerden und den Verlauf der Natur für die, die es nicht geschafft haben. Das jedes Jahr mit dem gleichen Elan. Ich bewundere ihre Flugkünste, mag ihr Gezwitscher. Toller Vogel.
  • Kommentar von Angela Nussbaumer  (Angela N.)
    Ein äusserst erfreulicher Bericht! Vielen Dank, SRF, und ein noch viel grösseres Dankeschön dem Herrn Müller in Stetten. Er lässt mich an das Gute im Menschen glauben und hoffen, weitere Beispiele folgten oder es existierten solche, von denen man (noch) nichts wisse.
    Solche Bemühungen für "Gottes Lohn", wie man so schön sagt, kommen für mich aus dem Herzen. Man sieht, Unternehmer sein UND umweltbewusst handeln und leben ist machbar. Ueli Müller ist einer der lebenden Beweise dafür.
    Chapeau!
  • Kommentar von Martin Haber  (Martinowitsch)
    Mehr davon, überall. Grösstes Lob für Herrn Müller und seine private Initiative!