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Schweiz Arztzeugnis bald auch per Telefon

Kunden des telemedizinischen Dienstes Medgate können sich ab 2014 per Telefon ein Arbeitsunfähigkeits-Zeugnis ausstellen lassen. Dies maximal zwei Mal pro Jahr. Allerdings sollte man beim Arbeitgeber abklären, ob er solche Atteste akzeptiert.

Medgate wird ab kommendem Jahr nach telefonischer Konsultation neu auch Arztzeugnisse für ihre Patienten ausstellen. Das Attest wird aber nur dann beweiskräftig sein, wenn es vom Arbeitgeber akzeptiert wird, wie Medgate betont. Nach einer sechsmonatigen Pilotphase soll Mitte Jahr definitiv über die Einführung des Angebots entschieden werden.

Doppelspurigkeiten verhindern

«Wir sind für viele Kunden quasi der Hausarzt», sagt Medgate-Sprecher Cédric Berset. Viele Patienten würden am Telefon abschliessend behandelt, sie müssten eigentlich keinen Arzt mehr aufsuchen. Wenn sie aber ein Arztzeugnis für den Arbeitgeber brauchen, müssen sie trotzdem einen Termin bei ihrem Hausarzt vereinbaren.

So entstünden Doppelspurigkeiten, die unnötige Kosten generierten, heisst es von Medgate. Gleichzeitig sei der Gang zum Arzt für kranke Menschen oft mit Strapazen verbunden und das Ansteckungsrisiko für Mitmenschen werde erhöht.

Auch bei Hausärzten gang und gäbe

Im Sinne einer effizienten integrierten Versorgung sollen die Medgate-Ärzte deshalb im telemedizinischen Zentrum die Möglichkeit erhalten, ihren Patienten in gewissen Fällen ein Arbeitsunfähigkeits-Zeugnis auszustellen. Grundsätzlich sei dies den Ärzten in der Schweiz erlaubt. Viele Ärzte würden bereits heute telefonisch solche Zeugnisse ausstellen.

Darauf müsse vermerkt sein, dass es auf Grund einer telemedizinischen Beurteilung ausgestellt worden sei. Dies werde auch bei Medgate der Fall sein. Zwar sei der Arbeitgeber nicht verpflichtet das Zeugnis zu akzeptieren. Allerdings, betont der Medgate-Sprecher, sei das bei jedem Arztzeugnis so – auch wenn das Attest nach einem Praxisbesuch ausgestellt wurde.

Klare Richtlinien gegen Missbräuche

Um allfälligen Missbräuchen vorzubeugen, werden die Arztzeugnisse gemäss klar definierten internen Richtlinien ausgestellt. Trotzdem sei ein Missbrauch nie ganz auszuschliessen, gibt Berset zu. Er betont aber, dass clevere Betrüger auch einem Hausarzt eine Krankheit vortäuschen können. Um dem Missbrauch vorzubeugen wird Medgate einem Patienten telefonisch maximal zwei Atteste pro Kalenderjahr ausstellen.

Arzt am Telefon

Medgate betreibt seit dem Jahr 2000 ein telemedizinisches Zentrum in Basel. Dort beraten rund 70 Ärzte und Fachspezialisten täglich bis zu 4300 Patienten bei Fragen rund um die Gesundheit am Telefon. Medgate verfügt zudem über eigene Gesundheitszentren in Solothurn und Zürich.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Margrit Holzhammer, 8903 Birmensdorf
    Ein Patient kann nicht durch das Telefon beurteilt werden, da braucht es den direkten Kontakt zu einem Arzt.
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    1. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Aber dann bitte nicht über all die Bagatellfälle jammern, wenn Arbeitnehmer wegen jedem "Wehwechen" zum Arzt rennen, weil sie durch das "Wehwechen" eingeschränkt arbeitsfähig sind, und der Arbeitgeber die AN's ohne Zeugnis entlassen würde... Beispiele sind in den Beiträgen unten genannt... (Ein Arzt muss untersuchen, bevor er ein Zeugnis erteilt, auch wenn bsp. Heiserkeit oder Fieber offensichtlich sind. Kosten mind. 200 Franken - für ein simples Zeugnis...)
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    2. Antwort von h. anni, zürich
      @Keller Also 1. weiss ich nicht, wieso bei ihrem Arzt ein Zeugnis 200 CHF kostet, bei mir sind das 5 CHF. Des weiteren wollen sie einfach nicht verstehen, dass 41C Fieber KEINE kleine Erkältung ist und über die Heiserkeit habe ich bereits gesagt, dass natürlich niemand an einer Hotline arbeiten kann wenn er/sie nicht reden kann. Ist allen klar. Mein A'stress entsteht, wenn die Kollegin JEDEN Mt. mind. 1 x fehlt, weil sie sich den Magen am immer demselben Essen verdirbt. Dummheit od. Ausrede?
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    3. Antwort von M. Keller, Thurgau
      H. anni: weil mein Arzt ein "Landarzt" ist, und nebst Quasimonopol sehr viel Taxpunkte hat, was alles teuer macht. Zeugnis ohne Untersuch ist nicht. Ev. läuft dies in ZH ja anders? Und ICH verstehe das schon, nur sie scheinen ein Problem damit zu haben, was ein Arzt auf's Zeugnis schreibt, weil sie es ev. selber nicht so oft erleben... Nochmal: ES KOMMT AUF DIE BERUFLICHE SITUATION an, WANN jemand Arbeitsunfähig ist; sie können sagen "nicht wegen einer Erkältung zum Arzt"; um DAS ging es mir...
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  • Kommentar von M. Keller, Thurgau
    Endlich mal ein Schritt in die richtige Richtung. NUR muss dieses Zeugnis genau so verpflichtend sein wie die blauen Fötzeli beim Hausarzt... Ansonsten wird KEIN Arbeitgeber die Dinger akzeptieren, und man muss weiterhin wegen einer simplen Erkältung zum Arzt, der für die zeugnis-notwendige Untersuchung, viiieeel Geld will, nur damit dem Arbeitgeber ein Zettel vorliegt der sagt "Mitarbeiter ist krank, kann nicht arbeiten"... Wie immer: leben um zu arbeiten, leider nicht: arbeiten zum zu leben...
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    1. Antwort von h. anni, zürich
      @Keller Ich finde es auch gut, dass man nicht wegen einem Fötzel zum Arzt rennen sollte/muss. Aber einer, der wegen einer simplen Erkältung (wohl verstanden, sie reden von einer SIMPLEN Erkältung) nicht arbeiten kann/will und zu Hause bleibt, der ist meiner Meinung nach auch nicht krank. Wenn jeder, der sich mal nicht wohlfühlt zu Hause bleibt, dann arbeiten übers Jahr hinweg wohl höchstens 50% der Leute. Das kann es ja auch nicht sein, oder?
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    2. Antwort von M. Keller, Thurgau
      h. anni - ich musste mal ein Arztzeugnis holen wegen Heiserkeit; ich war arbeitsunfähig, weil ich damals an einer Hotline gearbeitet habe, wurde vom AG zum Arzt geschickt. Meinen ursprünglichen Beruf (nicht an der Hotline) hätte ich ausüben können, ohne mich nicht krank melden müssen. Stellen Sie sich einen LKW-, Busfahrer, Lok-/Tramführer vor, der mit 41° Fieber, Hustenanfälle, od. mit Bindehautentzündung (Auge) zur Arbeit geht... Wer kann DAS wollen? => Es kommt IMMER auf die Situation an...
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    3. Antwort von h. anni, zürich
      @Keller Natürlich kommt es auf die Situation an, aber sie sprachen von einer simplen Erkältung. 41 C Fieber hat nichts mit SIMPEL zu tun, Heiserkeit bei einem Hotline-Job auch nicht, ebenfalls eine Bindehautentzündung nicht. Ausser der Heiserkeit würde ich all diese Beschwerden als MUST für einen Arztbesuch anschauen (bei 41C Fieber eines Erwachsenen wäre wohl ein Hausbesuch angebracht). Was sie beschreiben sind keine simplen Krankheiten und die meinte ich auch gar nicht.
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    4. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Doch h. anni, genau um das geht es: simple Erkältungserscheinungen. Was ist denn Heiserkeit? Was ist Fieber? Erkältung. Und das schreibt der Arzt auf's Zeugnis.. Es freut mich, das Sie das nicht wissen; zeigt, das sie a) weder einen AG haben der ihnen aus Prinzip Misstraut b) nicht so häufig erkranken (je höher der Distress (im Sinn "der Job macht mich krank") der Arbeit, desto schneller erkrankt der Körper). Für diese Fälle soll das Telmed-Zeugnis kommen; damit man mit sowas nicht zum Arzt muss
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  • Kommentar von Theodor Himmel, Chur
    Wenn jemand Fieber hat und krank ist, soll er im Bett bleiben! Es ist normal zu der Jahreszeit, dass man halt mal krank wird und nach ein paar Tagen ist es wieder vorbei! Völlig blödsinnig finde ich es zum Arzt zu fahren! Nicht nur kostet das die Allgemeinheit viel Geld ohne dass man schneller gesund wird, man steckt auf dem Weg im ÖV auch noch andere Menschen an oder riskiert Unfälle wenn man fiebrig Auto fährt! Warum soll die Allgemeinheit für das Misstrauen einzelner Arbeitgeber zahlen?
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    1. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Herr Himmel - sie haben mit dem was sie schreiben vollkommen recht, aber EINZELNE Arbeitgeber? Schon länger nicht mehr auf Stellensuche gewesen, oder? In jedem Temporär-Vertrag wird die Zeugnispflicht ab 1. Tag festgelegt. GAV's beinhalten so eine Klausel. Und wer durch chron. Erkrankungen hald etwas mehr fehlt als der Normalgesunde, wird aus einem "Nichtigkeitsgrund" entlassen (weil: wg. Krankheit darf man niemanden entlassen)... Einzelne? Das war ev. in den 90ern noch so...
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