- Laut einem Bericht des Bundes ist ein achtzigjähriger Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt technisch möglich und in den allermeisten Fällen auch wirtschaftlich.
- Bisher hielt man einen Betrieb von bis zu sechzig Jahren für machbar.
- Eine finanzielle Förderung des Langzeitbetriebs erachtet die Landesregierung derzeit als nicht notwendig.
Eine Aktennotiz des Bundesamts für Energie (BFE) habe bereits im Jahr 2024 die technische und wirtschaftliche Machbarkeit des Langzeitbetriebs der Schweizer Kernkraftwerke bis zu sechzig Jahren bestätigt, schreibt die Landesregierung in einer Mitteilung.
Die erforderlichen Investitionen für technische Nachrüstungen beim 80-jährigen Langzeitbetrieb in Höhe von 0.7 bis 1.2 Milliarden Franken pro Werk würden sich voraussichtlich lohnen. «Aus heutiger Sicht erscheint eine substanzielle Wirtschaftlichkeitslücke als sehr unwahrscheinlich», so der Bericht.
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Bild 1 von 2. Das Kernkraftwerk Gösgen im Kanton Solothurn wird im Jahr 2039 die Schwelle von sechzig Betriebsjahren erreichen. Würde man einen Langzeitbetrieb von bis zu achtzig Jahren anstreben, würde der Reaktor bis 2059 am Netz bleiben können. Bildquelle: KEYSTONE/Sigi Tischler.
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Bild 2 von 2. Im Fall des Kernkraftwerks Leibstadt (Kanton Aargau) wäre die 60-Jahre-Marke 2044 erreicht. Ein allfälliger 80-jähriger Betrieb würde bis 2064 dauern. Bildquelle: Shutterstock/Franzisca Guedel.
Falls sich wider Erwarten eine Wirtschaftlichkeitslücke oder erhebliche Investitionshemmnisse ergeben sollten, erachtet der Bundesrat zweiseitige Differenzverträge über die «gleitende Marktprämie» oder Investitionsbeiträge als geeignete staatliche Fördermassnahmen.
FDP jubelt, Grüne schütteln den Kopf
Mit dem Bericht erfüllt der Bundesrat ein Postulat von FDP-Ständerat Thierry Burkart (AG). Seine Partei begrüsst die Aussagen im Bericht. «Das stärkt die Versorgungssicherheit, unterstützt die Erreichung der Klimaziele und entlastet Stromverbraucher», heisst es in einer Medienmitteilung. «Dank der FDP herrscht endlich Klarheit.»
Die GLP teilte mit, sie unterstütze eine Verlängerung der Laufzeiten unter zwei Bedingungen: Der Betrieb der AKWs müsse sicher sein und dürfe nur zur Überbrückung von Lücken bis zum Erreichen einer komplett erneuerbaren Stromversorgung dienen. «Keinesfalls» dürfe es einen energiepolitischen Richtungswechsel geben.
Die Grüne Nationalrätin Marionna Schlatter (ZH) bezeichnet den Langzeitbetrieb hingegen als gefährlich und als «eine massive Fehlinvestition». Diese Gelder würden für den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien fehlen, heisst es in einer Mitteilung der Partei.
Die Umweltorganisation Greenpeace hält eine allfällige Laufzeitverlängerung für ein «gefährliches Spiel». Sicherheitsrelevante Komponenten wie etwa der Reaktordruckbehälter würden Verschleiss unterliegen und könnten nicht ersetzt werden, schreibt Greenpeace in einer Medienmitteilung. «Jeder Reaktor hat ein Verfallsdatum.»
Option neuer AKWs offenhalten
Die Kernkraftwerke in der Schweiz verfügen über unbefristete Betriebsbewilligungen und können so lange betrieben werden, wie sie sicher sind. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) überprüft laufend, ob die Sicherheit gewährleistet ist. Dank umfangreicher Nachrüstungen weisen alle Schweizer Kernkraftwerke heute ein im internationalen Vergleich gutes Sicherheitsniveau auf, wie der Bundesrat schreibt.
Der Bericht des Bundesrats hält weiter fest, dass der Weiterbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke zusammen mit einem konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien die Importabhängigkeit im Winter reduzieren und die Versorgungssicherheit deutlich verbessern könne. Eine vertiefte Beurteilung dieser Fragen werde im Rahmen der Energieperspektiven 2060 erfolgen.
Derzeit berät das Parlament einen indirekten Gegenvorschlag des Bundesrats zur Volksinitiative «Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)».