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Atomkraftwerke Bundesrat zu AKW: 80-jähriger Langzeitbetrieb möglich

  • Laut einem Bericht des Bundes ist ein achtzigjähriger Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt technisch möglich und in den allermeisten Fällen auch wirtschaftlich.
  • Bisher hielt man einen Betrieb von bis zu sechzig Jahren für machbar.
  • Eine finanzielle Förderung des Langzeitbetriebs erachtet die Landesregierung derzeit als nicht notwendig.

Eine Aktennotiz des Bundesamts für Energie (BFE) habe bereits im Jahr 2024 die technische und wirtschaftliche Machbarkeit des Langzeitbetriebs der Schweizer Kernkraftwerke bis zu sechzig Jahren bestätigt, schreibt die Landesregierung in einer Mitteilung.

Die erforderlichen Investitionen für technische Nachrüstungen beim 80-jährigen Langzeitbetrieb in Höhe von 0.7 bis 1.2 Milliarden Franken pro Werk würden sich voraussichtlich lohnen. «Aus heutiger Sicht erscheint eine substanzielle Wirtschaftlichkeitslücke als sehr unwahrscheinlich», so der Bericht.

Falls sich wider Erwarten eine Wirtschaftlichkeitslücke oder erhebliche Investitionshemmnisse ergeben sollten, erachtet der Bundesrat zweiseitige Differenzverträge über die «gleitende Marktprämie» oder Investitionsbeiträge als geeignete staatliche Fördermassnahmen.

SRF-Bundeshausredaktor: «Nun geht das Powerplay so richtig los»

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Kurzeinschätzung von Bundeshausredaktor Manuel Ramirez:

«Der Bericht des Bundesrats zum Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt ist keine Überraschung, denn die Atomenergie ist derzeit im Aufwind. Das Parlament ist drauf und dran, neue Kernkraftwerke grundsätzlich wieder zu ermöglichen. Erst vor zwei Monaten hat der Ständerat beschlossen, das AKW-Neubauverbot aufzuheben. Der Nationalrat dürfte ihm bald folgen. Es wäre der Ausstieg vom Atomausstieg, den das Stimmvolk 2017 beschlossen hatte.

Hinter dieser Entwicklung steht Energieminister Albert Rösti, der die Atomenergie nach der Energiekrise 2022 zusammen mit der SVP und der FDP in der Schweiz wieder salonfähig machte.

Nachdem klar wurde, dass der Bundesrat grundsätzlich hinter einem Langzeitbetrieb steht, geht nun das Powerplay zwischen dem Bund, den Kantonen als Eigentümerinnen der Energiekonzernen und ebendiesen so richtig los. Dabei geht es um die Frage, wer die Kosten für den Langzeitbetrieb übernimmt. Noch scheinen die Fronten verhärtet, doch eine Lösung gilt als wahrscheinlich. Zu wertvoll ist der Atomstrom für das Winterhalbjahr.»

FDP jubelt, Grüne schütteln den Kopf

Mit dem Bericht erfüllt der Bundesrat ein Postulat von FDP-Ständerat Thierry Burkart (AG). Seine Partei begrüsst die Aussagen im Bericht. «Das stärkt die Versorgungssicherheit, unterstützt die Erreichung der Klimaziele und entlastet Stromverbraucher», heisst es in einer Medienmitteilung. «Dank der FDP herrscht endlich Klarheit.»

Kernkraftwerk Gösgen braucht bis 2029 einen Entscheid

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In der Schweiz sind derzeit vier Kernkraftwerke in Beznau, Gösgen und Leibstadt in Betrieb. Diese leisten seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur Stromproduktion der Schweiz. Im Jahr 2024 betrug die Stromproduktion aus Kernenergie rund dreissig Prozent der inländischen Stromproduktion.

Wann die Kraftwerke ausser Betrieb gehen, steht nicht fest. Bei Gösgen müsse bis 2029 entschieden werden, ob das Werk weiterbetrieben oder wie geplant vom Netz genommen werde, sagte Axpo-Verwaltungsratspräsident Thomas Sieber kürzlich.

Axpo besitzt das Kernkraftwerk Beznau im Kanton Aargau und ist an den Kraftwerken Leibstadt und Gösgen beteiligt. Im Jahr 2024 kündigte der Konzern an, das Kernkraftwerk Beznau im Jahr 2033 nach rund sechzig Jahren ausser Betrieb zu nehmen.

Die GLP teilte mit, sie unterstütze eine Verlängerung der Laufzeiten unter zwei Bedingungen: Der Betrieb der AKWs müsse sicher sein und dürfe nur zur Überbrückung von Lücken bis zum Erreichen einer komplett erneuerbaren Stromversorgung dienen. «Keinesfalls» dürfe es einen energiepolitischen Richtungswechsel geben.

Die Grüne Nationalrätin Marionna Schlatter (ZH) bezeichnet den Langzeitbetrieb hingegen als gefährlich und als «eine massive Fehlinvestition». Diese Gelder würden für den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien fehlen, heisst es in einer Mitteilung der Partei.

Die Umweltorganisation Greenpeace hält eine allfällige Laufzeitverlängerung für ein «gefährliches Spiel». Sicherheitsrelevante Komponenten wie etwa der Reaktordruckbehälter würden Verschleiss unterliegen und könnten nicht ersetzt werden, schreibt Greenpeace in einer Medienmitteilung. «Jeder Reaktor hat ein Verfallsdatum.»

Option neuer AKWs offenhalten

Die Kernkraftwerke in der Schweiz verfügen über unbefristete Betriebsbewilligungen und können so lange betrieben werden, wie sie sicher sind. Das Eidgenössische Nuklearsicherheits­inspektorat (Ensi) überprüft laufend, ob die Sicherheit gewährleistet ist. Dank umfangreicher Nachrüstungen weisen alle Schweizer Kernkraftwerke heute ein im internationalen Vergleich gutes Sicherheitsniveau auf, wie der Bundesrat schreibt.

Der Bericht des Bundesrats hält weiter fest, dass der Weiterbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke zusammen mit einem konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien die Importabhängigkeit im Winter reduzieren und die Versorgungssicherheit deutlich verbessern könne. Eine vertiefte Beurteilung dieser Fragen werde im Rahmen der Energieperspektiven 2060 erfolgen.

Derzeit berät das Parlament einen indirekten Gegenvorschlag des Bundesrats zur Volksinitiative «Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)».

SRF 4 News, 13.5.2026, 15 Uhr ; 

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